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14.06.2018 | 14:50 Uhr

Lutz Pfannenstiel stellt deutsche WM-Gegner vor: Favoritenschreck Schweden

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Ein Bundesliga-Star im Mittelpunkt: Emil Forsberg von RB Leipzig im Training mit der schwedischen Nationalmannschaft. Im zweiten Gruppenspiel warten die Wikinger auf die deutsche Mannschaft. − Foto: dpa

Ein Bundesliga-Star im Mittelpunkt: Emil Forsberg von RB Leipzig im Training mit der schwedischen Nationalmannschaft. Im zweiten Gruppenspiel warten die Wikinger auf die deutsche Mannschaft. − Foto: dpa

Ein Bundesliga-Star im Mittelpunkt: Emil Forsberg von RB Leipzig im Training mit der schwedischen Nationalmannschaft. Im zweiten Gruppenspiel warten die Wikinger auf die deutsche Mannschaft. − Foto: dpa


"Eine WM ohne mich wäre keine WM." Mit diesen markigen Worten hatte er wieder mal für Gesprächsstoff gesorgt: Zlatan Ibrahimovic (36), einer der ganz Großen im Fußball-Business und einer mit noch größerem Selbstbewusstsein. Dass ihn der bodenständige Nationaltrainer Janne Andersson nicht zurückholen würde in die schwedische Mannschaft, war klar. Ibrahimovic hatte nach der EM in Frankreich seinen Rücktritt aus der Nationalelf verkündet. Und Andersson dazu gezwungen, ein Team der Namenlosen aufzubauen. Nun ist die Zeit vorübergegangen am ewigen Egomanen. Doch ein Ibrahimovic hält Wort. Nunmehr Ex-Nationalspieler, wird er mehrere Spiele in Russland besuchen und die Veranstaltung in Partnerschaft mit der Visa-Kampagne "Fear Of Missing Out" aus nächster Nähe miterleben.

Die Schweden kamen jedenfalls ganz gut ohne "Ibrakadabra" klar. In der Qualifikation warfen die Skandinavier erst die Holländer raus und dann Italien! Zwei Schwergewichte im internationalen Fußball. Somit sind die Gelb-Blauen erstmals seit 2006 wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei, und dieses WM-Ticket musste man sich hart erarbeiten. Es ist keine Schande, hinter Mitfavorit Frankreich Zweiter in der Qualigruppe zu werden, vor allem wenn man Holland punktgleich, aber aufgrund der besseren Defensive hinter sich lässt.

Das Playoff-Szenario hätte nicht spannender kommen können, und die Fußballfans erinnern sich an einen heulenden Buffon und ein Italien im Tal der Tränen. Die Schweden schafften die Sensation gegen den vierfachen Weltmeister und setzten sich mit einem 1:0 in Stockholm und einem 0:0 im Mailänder San Siro durch, und genau diese Ergebnisse beschreiben die Spielweise der Skandinavier: unbequem, tiefstehend mit einer guten defensiven Grundstruktur und körperlich unglaublich robust.

Die Schweden werden wieder eine der körperlich größten Mannschaften bei diesem Turnier sein, dadurch werden vielen langen Bälle in die Spitze gespielt, und der Fokus wird auf Standardsituationen gelegt. Mit dieser Kopfballstärke kann man jedem Gegner wehtun. Gegen den Ball wird auf Disziplin, wenig Räume und rigorose Härte gesetzt. Die Italiener haben sich an den Schweden die Zähne ausgebissen. Trainer Janne Andersson steht für ein klares taktisches 4-4-2, nicht spektakulär, aber effizient. Sein Motto ist Teamgeist anstatt individueller Genialität. Man könnte die Spielweise des Dreikronenteams als bieder bezeichnen, doch genau diese Eigenschaft macht es für fußballerisch überlegene Mannschaften so schwer, den Gegner zu bezwingen.

Als am 1.Dezember 2017 in Moskau die WM-Auslosung zu Ende ging, waren die schwedischen Delegationsmitglieder vom Ergebnis nicht gerade erfreut. Das Wort von der "Todesgruppe" machte die Runde. Die Zeitung "Aftonbladet" sprach gar von einem Albtraum – auch der langen Reisewege wegen. Doch ich bin der Meinung, es hätte für die Skandinavier deutlich schlimmer kommen können. Die Schweden, erstmals seit 2006 wieder bei einer WM dabei, haben Riesenrespekt vor Jogis Deutschland, aber vor den beiden anderen Gegnern muss man keine Angst haben. Südkorea und Mexiko sind zwei Mannschaften, die eher agieren als reagieren, zwei Mannschaften, die auf ihren Kontinenten dazu gezwungen sind, das Spiel zu machen. Und genau das spielt den Nordeuropäern in die Karten. Die Mannschaft hat keinen Star mehr, aber RB Leipzigs Emil Forsberg war der überragende Spieler in der Qualifikation und hatte nicht nur durch seine vier Tore, sondern vor allem durch seine Energie und Mentalität maßgeblichen Anteil an der für viele überraschenden Qualifikation. Auch der ehemalige Hamburg-Profi Marcus Berg, wie viele andere beim HSV nie richtig in Form gekommen, war ein Faktor, denn mit seinen acht Toren war er der treffsicherste Wikinger. Unbequem und unberechenbar – Schweden kann auch bei dieser WM zum Stolperstein für einen Großen werden.

Lutz Pfannenstiel (45) hat als einziger Fußballer in Profivereinen auf allen Kontinenten gespielt. Der gebürtige Zwieseler leitet beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim die Abteilung für Scouting und International Relations. Während der WM arbeitet Pfannenstiel als Experte fürs ZDF und das Schweizer Fernsehen SRF, für t-online und FAZ sowie für die Heimatzeitung.












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