Vor Japan-Spiel

DFB-Protest wegen „One Love“: Mund zu gegen Sprechverbot – und weitere Maßnahmen geplant

23.11.2022 | Stand 23.11.2022, 14:54 Uhr

Zeichen gegen Verbotspolitik der FIFA: Die deutschen Fußball-Nationalspieler haben sich beim Mannschaftsfoto unmittelbar vor dem Anpfiff der WM-Partie gegen Japan demonstrativ die Hand vor den Mund gehalten. −Foto: dpa

Die Nation blickte gebannt auf den Fernseher - und hoffte nicht vergeblich auf ein starkes Zeichen ihrer Lieblinge:

Mit demonstrativ zugehaltenem Mund beim Teamfoto protestierte die Fußball-Nationalmannschaft unter den Augen des großen Widersachers Gianni Infantino vor dem ersten WM-Spiel am Mittwoch gegen das Verbot der „One Love“-Binde. Auch Nancy Faeser zeigte Flagge: Die Innenministerin trug mit Stolz die Binde auf der Ehrentribüne.

Und bei diesen Signalen gegen das „Mund verbieten“ durch die FIFA soll es nicht bleiben - auch weil der stille Protest vor dem Japan-Spiel nicht im Weltbild zu sehen war. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte Beratungen über „weitere Maßnahmen“ an.

„Uns die Binde zu verbieten, ist wie den Mund zu verbieten. Unsere Haltung steht“, twitterte der DFB: „Es geht dabei nicht um eine politische Botschaft: Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber leider immer noch nicht. Deshalb ist uns diese Botschaft so wichtig.“

Schon wenige Stunden vor dem Anpfiff hatten sich die Anzeichen auf eine Aktion verdichtet. „Wir werden sehen. Das hat die Spieler sehr beschäftigt“, sagte DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff in der ARD. Mit Blick auf das in Deutschland kritisierte „Einknicken“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab Bierhoff zu Protokoll, dass die „Kritik aus der Heimat“ der Mannschaft „weh getan“ habe.

Nach einem Treffen mit deutschen Fans am Vormittag bestätigte DFB-Präsident Bernd Neuendorf, dass der Verband derzeit „rechtliche Schritte“ gegen das Verbot durch den Weltverband FIFA prüfe. Die Klage sei aber noch nicht unterwegs.

Der Weltverband hat laut Neuendorf am Mittwoch auf DFB-Anfrage schriftlich erklärt, dass im Fall des Tragens der Binde „der Schiedsrichter reagieren“ müsse: „Zudem behält sich die FIFA vor, die Disziplinarkommission anzurufen, die dann gegebenenfalls weitere Strafen verhängen könne“.

Kurz vor dem Anpfiff legte Neuendorf bei seiner FIFA-Kritik nach. „Die FIFA arbeitet mit Einschüchterung und Druck“, sagte der 61-Jährige, der sich am Donnerstag mit den europäischen Verbündeten beraten will: „Wir sind in der Opposition zur FIFA. Wir wollen gucken, wie wir weitere Maßnahmen auf den Weg bringen.“ Ähnlich äußerte sich der dänische Verbandsboss. Jesper Möller warf der FIFA vor, mit „Mobbing-Methoden“ zu arbeiten: „Wir werden darauf reagieren.“

Rückendeckung erhielt der DFB von der angereisten Faeser. „Ich kritisiere das Vorgehen der FIFA auf das Schärfste“, sagte Faeser: „Ich hoffe, dass rechtlich geklärt wird, ob das Verbot zulässig ist - und dass dabei rauskommt, dass es nicht zulässig ist.“

Auf die Frage, ob es ein „starkes Zeichen wäre, wenn Kapitän Manuel Neuer trotz der FIFA-Strafandrohungen mit der Armbinde auflaufen würde, hatte die SPD-Politikerin zuvor gesagt: “Das wäre es. Ich hätte mir gewünscht, dass die Verbände nicht nachgegeben hätten.„ Ähnlich hatte sich Vizekanzler Robert Habeck geäußert. “Ich nehme an, jetzt muss man die Binde tragen. Ich würde es vielleicht darauf ankommen lassen.„

Nach Ansicht Faesers hat der deutsche Fußball durch den Eklat um die Binde “sehr großen Schaden genommen„. Die Schuld dafür gibt die für den Sport zuständige Ministerin aber dem Weltverband. “Die Entscheidung ist ein Riesenfehler. Sie ist völlig aus der Zeit gefallen„, äußerte Faeser: “Es muss doch heutzutage möglich sein, für Offenheit, Vielfalt und gegen Diskriminierung einzutreten.„

Faeser begrüßte zudem die Protestbewegung gegen die FIFA, die sich formiert hat. “Viele Menschen wehren sich gegen die Entscheidung. Gemeinsam kann man etwas bewirken.„

− sid