„War einfach nicht seine Nacht“

Auf dem Weg zum Volkshelden versagen ihm die Nerven: Ganz Kanada fühlt mit Bayern-Star Davies

24.11.2022 | Stand 24.11.2022, 9:49 Uhr

Am Boden nach der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen Favorit Belgien: Alphonso Davies. −Fotos: afp

Auf dem Weg zum Volkshelden versagen Bayern-Star Alphonso Davies die Nerven. Mit seinem vergebenen Strafstoß bei Kanadas begeisterndem WM-Auftritt gegen Belgien verpasste der 22-Jährige etwas Historisches.

Alphonso Davies vergrub die Hände in seinen Taschen und stapfte wortlos an den Mikrofonen vorbei. Nach seinem verschossenen Elfmeter, dieser historischen Chance für Kanada, schwieg der Star von Bayern München lieber.

„Ich bin stolz auf Phonzy, er hat den Ball und die Last der gesamten Nation, der 36 Jahre auf seine Schulter genommen“, sagte Kanadas Nationalcoach John Herdman und verteidigte den 22-Jährigen energisch: „Es war einfach nicht seine Nacht.“

Davies hatte in der zehnten Minute einen Handelfmeter gegen Thibaut Courtois und damit die Gelegenheit auf das erste Tor in der kanadischen WM-Geschichte vergeben. Die Fans, die die Nordamerikaner bei ihrem ersten WM-Spiel seit 1986 frenetisch unterstützten, verstummten für einen Moment.

Ansonsten machte der Außenseiter auf den Rängen und auf dem Feld mächtig Alarm. Kanada verbuchte mit einer frechen und unbekümmerten Spielweise mehr als 20 Abschlüsse. Der Ex-Dortmunder Michy Batshuayi (44.) nutzte jedoch die einzig echte Chance für Belgien - Erfahrung schlug am Mittwochabend Unbekümmertheit.

„Manchmal ist es der Unterschied, wenn man den Real-Madrid-Torhüter im Tor hat. Dazu diese so erfahrene Verteidigung, es ist nicht leicht, auf diesem Niveau Tore zu schießen“, sagte Herdman. Kapitän Atiba Hutchinson ergänzte mit Blick auf den tief enttäuschten Davies: „Er wird das verkraften.“

Bei ihrer WM-Premiere waren die Ahornblätter 1986 in Mexiko ohne Tor und ohne Punkt in der Vorrunde gescheitert. Der Trainer ist optimistisch, dass in Katar endlich der Knoten platzt - schon gegen Vizeweltmeister Kroatien am Sonntag (17 Uhr MEZ/ZDF und MagentaTV) sollen die Tausenden kanadischen Fans in Doha endlich jubeln.

Vielleicht ja wegen Davies. „Auch wenn er heute nicht getroffen hat, wird er noch viele Tore für uns machen“, sagte Herdman überzeugt.

− sid