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18.07.2019 | 13:39 Uhr

Viel darf nicht passieren: 1860 eröffnet die 3. Liga – als selbst ernannter Abstiegskandidat

von Alexander Augustin

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Ob sie auch beim Drittliga-Auftakt jubeln? Marius Willsch (l.) und Sascha Mölders sollen es offensiv für 1860 richten. −F.: Bernd Feil/imago images

Ob sie auch beim Drittliga-Auftakt jubeln? Marius Willsch (l.) und Sascha Mölders sollen es offensiv für 1860 richten. −F.: Bernd Feil/imago images

Ob sie auch beim Drittliga-Auftakt jubeln? Marius Willsch (l.) und Sascha Mölders sollen es offensiv für 1860 richten. −F.: Bernd Feil/imago images


Schon bemerkenswert, wie leicht sich im Fußball tiefste Gräben schließen lassen. Als am Montag aus heiterem Himmel Fanliebling Timo Gebhart zum TSV 1860 München zurückkehrte, waren die Machtkämpfe der letzten Wochen für einen kurzen Moment wie weggeblasen. Plötzlich lobte das Präsidium den Investor, den es eigentlich ablehnt: "Wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich und halten ihn für eine erfreuliche Wende in der bisherigen Finanzierungspolitik." Hasan Ismaik hatte den Gebhart-Transfer durch ein Sponsoring ermöglicht. Keine neue Schulden. Ein ungewohnter Akt der Harmonie. Burgfrieden also?

Wohl kaum. Eher ein Abkommen, wie das von zerstrittenen Eltern, sich zum Wohl des Kindes erstmal zusammenzureißen. Zumindest bis es aus dem Gröbsten raus ist. Das Kind ist im Löwen-Fall Daniel Bierofka mit seiner Mannschaft, die heute (19 Uhr) zuhause gegen Preußen Münster die Drittliga-Saison eröffnet – als selbst ernannter Abstiegskandidat. Finanziell ist der Verein handlungsunfähig, nur Innenverteidiger Dennis Erdmann (von Zweitligist Magdeburg gekommen) konnte der Klub selbst finanzieren. Acht Spieler verließen den Klub – gezwungenermaßen. Ohne Neuzugänge gehe es "knallhart gegen den Klassenerhalt", sagte Bierofka schon im Mai. Doch mit der Rückkehr von Gebhart haben sich die Mienen aufgehellt an der Grünwalder Straße. "Timo gibt mir viele Möglichkeiten", sagt Bierofka. Wird also alles gut?

Im Kern ist die Mannschaft der vergangenen Saison zusammengeblieben. Die geriet im ersten Jahr nach dem Aufstieg zwar zum Ende hin noch in Abstiegsnot, machte aber insgesamt keine schlechte Figur in der ausgeglichenen Dritten Liga. Was den aktuellen Kader von dem der Vorsaison unterscheidet: die Breite. Die ersten 13, 14 Spieler haben absolutes Drittliga-Format. Dahinter wird es aber dünn. Die Heimatzeitung zeigt, welche Positionen Bierofka besonders Sorgen bereiten – und was Hoffnung macht:

Die Torwart-Frage: Marco Hiller oder Hendrik Bonmann? Zwischen den Pfosten hat 1860 die geringsten Sorgen. Hiller, 22 Jahre jung und im Verein seit 2008, war in der abgelaufenen Saison gesetzt. Dabei wandelte er oft zwischen Genie und Wahnsinn. Auf der Linie gehört er zu den Besten der Liga, die Strafraumbeherrschung dagegen ist mangelhaft. Wenn er den Ball am Fuß hat, halten Fans kollektiv die Luft an. Hendrik Bonmann dagegen strahlt Ruhe aus. Sein Pech: Er war lange verletzt. Nun ist der Ex-Dortmunder fit – und dürfte die Nase leicht vor Hiller haben. Kurz vor dem Start traf Trainer Bierofka eine Entscheidung – Bonmann wird die Nummer 1. "Bei denen zwei ist es eh egal. Da kannst keinem einen Fehler vorwerfen. Es war eine Grundsatzentscheidung. Ich habe mich jetzt zweimal für Marco Hiller entschieden, jetzt wieder für Hendrik Bonmann. Es war klar, dass es einen Verlierer geben wird", wird Bierofka bei "dieblaue24.com" zitiert.

Das Sturm-Problem: Von einem solchen Luxus-Problem ist der Trainer in der Offensive weit entfernt. Mit Sascha Mölders und Markus Ziereis gibt es nur zwei Mittelstürmer. Der eine ist 34 und von Wehwehchen geplagt, der andere hat eine Drittliga-Allergie (47 Spiele, null Tore). In der Vorbereitung aber war der Oberpfälzer Ziereis treffsicher. Dennoch: Sportchef Günther Gorenzel fordert einen weiteren Stoßstürmer der Marke Mölders. In der Kaderplanung habe das "absolute Priorität", sagte er. Problem: Nicht einmal einen Leih-Stürmer gibt das Budget her. So könnte Timo Gebhart die Lösung sein. Bei Regionalligist Viktoria Berlin spielte der 30-Jährige zuletzt auch als hängende Spitze. In einem 4-4-2 würde dann Efkan Bekiroglu als Spielmacher hinter Gebhart und Mölders agieren. Auf den Außen dürfte die Wahl auf den Passauer Marius Willsch (rechts) und Benjamin Kindsvater (links) fallen. Stefan Lex trainiert nach langer Verletzung wieder, Nico Karger fällt mit Sehnenriss lange aus.

Der Verteidiger-Engpass: Dünn wird’s im Abwehr-Zentrum. Mit Kapitän Felix Weber und Neuzugang Dennis Erdmann stellt sich die Innenverteidigung von selbst auf. Auch wenn Bierofka mit dem Rheinländer noch unzufrieden ist: "Bei Erdmann merkt man, dass es noch etwas an der Abstimmung fehlt. Den Feinschliff müssen wir bei ihm noch reinkriegen." Verletzt sich einer der beiden, brennt es. Doch-nicht-Abgang Aaron Berzel (Fans finanzieren seinen Vertrag) kann die Position spielen. Semi Belkahia kuriert einen Kreuzbandriss aus. Marco Raimondo-Metzger, bisher Kapitän des Bayernliga-Teams, muss sich erst beweisen. Die Außenverteidiger Phillipp Steinhart und Herbert Paul sind gesetzt. Alternativen gibt’s nicht.

Die jungen Wilden: Auf der Bank werden viele Spieler ohne Profi-Erfahrung sitzen – Risiko und Chance zugleich. Weil der Kader so dünn besetzt ist, werden Talente die Möglichkeit bekommen, sich zu zeigen. Vor allem Außenstürmer Fabian Greilinger (19) machte in der Vorbereitung auf sich aufmerksam. Bierofka: "Der scheißt sich nichts und arbeitet schon gut mit dem Körper." Auch Außenverteidiger Leon Klassen (18) zeigte gute Ansätze. Innenverteidiger Niklas Lang ist für seine 17 Jahre körperlich schon sehr robust. Aber, das haben die Auftritte Mittelfeld-Talent Dennis Dressel (20) in der vergangenen Saison gezeigt: Der Sprung in Liga 3 ist groß. Dressel war bei seinen drei Einsätzen überfordert. In dieser Saison darf er weiter Erfahrung sammeln – Daniel Bierofka wird ihm angesichts der personellen Lage gar keine Wahl lassen.












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