Bayerisch-fränkisches Duell in 3. Liga

Löwen-Klassentreffen in Bayreuth: Toptorjäger Bär vor Comeback – Wiedersehen mit alten Bekannten

28.10.2022 | Stand 28.10.2022, 20:04 Uhr

Vor dem Comeback: Löwen-Torjäger Marcel Bär steht nach seiner Verletzungspause wegen Fuß-OP erstmals wieder im Kader. −Foto: Imago Images

Von Matthias Vogt

Wenn es nicht um wichtige Punkte gehen würde, um Aufstiegs- auf der einen und Abstiegskampf auf der anderen Seite, dann wäre das Auswärtsspiel des TSV 1860 München bei der SpVgg Bayreuth wohl so etwas wie ein unbeschwertes Fußballfest, ein fröhliches Wiedersehen guter Bekannter. Ganz so harmonisch wird es trotz diverser Verbindungen der beiden Vereine am heutigen Samstag (14 Uhr/BR und Magenta Sport) allerdings nicht zugehen.

Michael Köllner spricht sogar von „Hauen und Stechen“. Natürlich nur im übertragenen Sinne, und in Bezug auf das aktuelle Wetteifern um die Kaderplätze innerhalb seiner Mannschaft. Trotzdem lässt sich die Bemerkung des 1860-Trainers auch ganz gut auf andere Bereiche vor diesem Oberbayern-Oberfranken-Derby anlegen. Für den Kampf um Tickets beispielsweise: Offiziell 2800 gab es für die Löwen-Fans, die sofort weg waren. „Ich denke, dass über den Gästeblock hinaus noch viele Leute Sechzger-Farben tragen werden“, meint Köllner. Alleine aus seinem familiären und freundschaftlichen Umfeld hätten sich viele Karten für dieses besondere Spiel beim Aufsteiger gesichert.

Verbindungen gibt es schließlich einige. Köllners Heimatort Fuchsmühl in der nördlichen Oberpfalz ist weniger als eine halbe Autostunde entfernt, früher sei er öfter auch mal bei Spielen in der „Oldschdod“ („Altstadt“) gewesen, sagt er. Viele Bayreuther Spieler sind noch dazu nicht nur beim TSV 1860 bestens bekannt, so wie insgesamt fünf Ex-Löwen (unter anderem Felix Weber, Markus Ziereis und Tobias Stockinger), sondern auch bei Köllner persönlich, zum Beispiel Dennis Lippert aus Club-Zeiten. „In ihrem Kader steht kaum einer, der noch nicht unter mir gespielt hat“, lacht der 52-Jährige. Köllner sagt deshalb auch: „Ich hoffe, dass Profifußball in Bayreuth noch lange Bestand hat. Aber für dieses Spiel brauchen wir dringend die Punkte, damit wir vorne unseren Weg weitergehen können.“

Das dürfte allerdings, zumindest auf dem Spielfeld, wenig freundschaftliche Harmonie voraussetzen: Denn trotz der vermeintlich klaren Ausgangslage (der Tabellenzweite beim Letzten), sieht Köllner seine Löwen ohne den entsprechenden Einsatz nicht automatisch überlegen. „Bayreuth ist keine Mannschaft, die in Schutt und Trümmern liegt“, sagt der Löwen-Coach über das Team seines Kollegen Thomas Kleine. Er erwarte ein „zähes Spiel“, da müsse man nur bei Dynamo Dresden nachfragen, das sich Anfang Oktober mit einem 1:1 in Oberfranken begnügen musste. Doch Köllner sagt auch: „Wir sind schon die stärkere Mannschaft und haben das Potenzial, um dort die drei Punkte zu holen.“

Welche Zusammenstellung seiner Mannschaft dafür am besten geeignet ist, führt schließlich zu Köllners ursprünglicher „Hauen-und-Stechen“-These. Denn so entspannt wie derzeit sei die Personallage lange nicht gewesen, was im Training allerdings zu einer etwas „giftigeren, entschlosseneren“ Atmosphäre führe. Mit Ausnahme von Milos Cocic (Fuß-OP) seien alle Mann an Bord. Theoretisch sogar der letztjährige 1860-Torschützenkönig Marcel Bär, der nach seiner langen Verletzung eine Option für Bayreuth sein könnte, wohl aber eher noch geschont wird. „Wir können, was diese Situation angeht, jedenfalls zufrieden sein“, sagt Köllner über das neue Luxus-Problem. „Das ist in dieser heißen Phase der Saison ein super Zustand.“

− PNP