Drittliga-Start in Dresden

Köllners kniffliges Stürmerpuzzle – und ein Rüffel vom Präsidenten

22.07.2022 | Stand 22.07.2022, 16:53 Uhr

Michael Köllner mit Löwen-Profis: Die Stürmer-Frage erweist sich als knifflig. −Foto: Imago Images

Von Matthias Vogt

Zwei Jahre in Folge kam der Torschützenkönig der 3. Liga zuletzt vom TSV 1860 München, hieß zunächst Sascha Mölders (22 Treffer), dann Marcel Bär (21). Was soll da also in der neuen Saison, in der die Löwen auf dem Weg in die 2. Liga wieder viele Tore schießen wollen, schon schiefgehen? Zunächst einmal muss sich Trainer Michael Köllner vor dem Auftakt in Dresden (Samstag, 14 Uhr) auf einen seiner Stürmer festlegen.

Oder etwa doch nicht? „Ziel muss es sein, dass es bei zwei so starken Spielern im Kader nicht immer nur ein Entweder-oder gibt“, sagt Köllner. Auch dass beide, Marcel Bär (30) und Fynn Lakenmacher (22), mal gemeinsam für die Löwen stürmen, könne er sich vorstellen. „Es ist kein Widerspruch, sondern geht auch gemeinsam“, betont der Trainer. Denn Bär werde nicht begeistert sein, wenn er jedes Mal nach einer Stunde rausmüsste. Und Lakenmacher müsse man „so viel Spielzeit wie möglich“ geben, um ihn auf das nächste Level zu bringen“, so der 52-Jährige. Ein Luxus ist das, einerseits. Aber keine leichte Entscheidung.

In Dresden werden die Löwen nämlich eher nicht mit zwei Mittelstürmern auflaufen. Da heißt die Entscheidung also: Entweder Bär als amtierender Torschützenkönig, dessen Vorbereitung aber wegen einer langwierigen Corona-Erkrankung ein Auf und Ab war. Oder Neuzugang Lakenmacher vom TSV Havelse, der diese Phase nutzte, um, wie Köllner sagt, „deutlich mehr zu zeigen als man es als Außenstehender vielleicht erwartet hatte.“ Zumindest für den Auftakt in Dresden scheint der Neuzugang die Nase vorne zu haben. Bär wolle man aber trotzdem schnellstmöglich „in eine Form bringen, in der er viele Tore für Sechzig schießen und wieder Torschützenkönig werden kann“, sagt Köllner.

Ganz abgesehen davon lag das große Problem der Münchner in der vergangenen Saison ohnehin nicht im Sturm. Denn während die Löwen die drittbeste Offensive der 3. Liga stellten, lagen sie in der Defensivstatistik nur auf Platz zwölf. „Das war kein Ruhmesblatt. Da haben einige Dinge nicht funktioniert“, sagt Köllner. Vor allem hier müsse man sich als Mannschaft in Dresden und während der gesamten Saison steigern – ganz unabhängig davon, wer für die Löwen stürmt.

Derweil wünscht sich 1860-Präsident Robert Reisinger Trainer Köllner in verbaler Hinsicht weniger stürmisch. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. So könnte man es ausdrücken, zumal in einem so sensiblen Konstrukt wie 1860 – wo ja wirklich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird“, sagte Reisinger (58) im „Münchner Merkur“ und „tz“ im Interview. Im konkreten Fall hatte Köllner den Vertreter des umstrittenen Investores Hasan Ismaik gelobt. „Es steht ihm frei, jeden zu loben, den er loben will. Aber für manche Leute ist es verwunderlich, dass er sich da so exponiert zeigt und außerhalb seines Fachgebietes Statements abgibt“, meinte Reisinger. Trotzdem kann Reisinger sich vorstellen, dass der leutselige Köllner bei den „Löwen“ sogar eine Ära prägt wie einst Werner Lorant. „Ich würde es mir wünschen. Der richtige Typ dazu wäre er – wenn er sich auf den Sport konzentriert. Von mir aus kann er so lange bleiben wie Streich in Freiburg. Das allerdings dachten wir bei Daniel Bierofka auch schon“, sagte Reisinger, seit 2017 Präsident der Münchner.