„Kritisches Feedback ausdrücklich erwünscht“

Schiri-Spezlwirtschaft? Jetzt spricht der DFB – Gräfe-Prozess als Hintergrund

26.09.2022 | Stand 27.09.2022, 12:50 Uhr

Fußball-Schiedsrichter: Karriere nur mit Netzwerk, lautet einer der Vorwürfe an die Führung der Schiris im DFB. −Foto: Imago Images

In der aktuellen „Bild am Sonntag“ war ein Artikel unter dem Titel „Der große Klüngel-Report“ veröffentlicht worden, in dem unter anderem der Führung der DFB-Schiedsrichter Vetternwirtschaft und Kungeleien vorgeworfen werden. In einem nun veröffentlichten Schreiben weist die DFB Schiri GmbH die Anschuldigungen entschieden zurück.

„Die Verantwortlichen in der DFB Schiri GmbH pflegen in ihrer Arbeit mit den Aktiven der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga einen offenen und kooperativen Führungsstil, in dem die Kommunikation sowohl über viele Einzelgespräche als auch über Gruppenveranstaltungen erfolgt“, heißt es in der Pressemitteilung. Lutz Michael Fröhlich, Geschäftsführer Sport und Kommunikation, hält darin fest: „Kritisches Feedback von Seiten der Aktiven ist ausdrücklich erwünscht und fließt gegebenenfalls in die strategische Ausrichtung sowie in die tägliche Arbeit ein.“ Bei den Trainingslagern im Sommer habe man den Unparteiischen sogar aktiv Raum dafür gegeben, Fragen zu stellen und Kritik zu äußern – auch anonym.

In dem „Bild“-Artikel heißt es außerdem, „die Bosse (…) können frei bestimmen, wer international pfeifen darf“ und es gehe darum, „das beste Netzwerk zu haben“. Die personellen Entscheidungen werden jedoch auf der Basis der aktuellen Leistungen und der Leistungsentwicklung getroffen, hält die Schiri-Führung dagegen. „Das gilt selbstverständlich auch für die Nominierungen zur internationalen Schiedsrichterliste“, erklärt Fröhlich.

Ein weiterer Kritikpunkt in dem „Bild“-Beitrag: „Die DFB-Verantwortlichen entscheiden selbst, welche Entscheidungen falsch und welche richtig sind.“ Dazu sagt Lutz Michael Fröhlich: „Die übergeordnete Regelauslegung, bei der auch Erkenntnisse aus dem Austausch mit den Clubs und mit Fußball-Experten einfließen, erfolgt durch die Verantwortlichen der DFB Schiri GmbH in Abstimmung mit dem DFB-Lehrwart.“ Die Einordnung von Einzelsituationen und die Bewertung der Schiedsrichter-Leistungen würden allerdings durch, wie es heißt, „speziell geschulte Beobachter und Coaches vorgenommen“.

Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte der Führung vorgeworfen, dass es bei der Beurteilung von Schiedsrichtern „zu oft nach Gusto und nicht nach Leistung“ gehe. Vergangenes Jahr hatte Gräfe wegen Erreichens der geltenden Altersgrenze seine Karriere beenden müssen. Er verklagte den DFB auf Altersdiskriminierung. Im November startet der Prozess.