Bayern wirft Torwarttrainer raus

Engster Vertrauter weg – und der Stammplatz? Was die Tapalovic-Entlassung für Neuer bedeutet

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 17:37 Uhr

Eigentlich unzertrennbar: Toni Tapalovic (l.) und Manuel Neuer. −Foto: imago images

Manuel Neuer verliert bei Bayern München in Torwarttrainer Toni Tapalovic seinen engsten Vertrauten. Der Anfang vom Ende auch für ihn?

Manuel Neuer machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Lieber Toni“, begann der Kapitän des FC Bayern seinen emotionalen „Abschiedsbrief“ an den Freund, Trauzeugen und Torwarttrainer Toni Tapalovic, er würdigte seinen engsten Vertrauten als „großartigen Menschen“ und „absoluten Pionier des modernen Torwartspiels“. Seine gefühlige Eloge beschloss Neuer mit dem sentimentalen Satz: „Ich werde dich vermissen!“

Es brauchte keine Expertise, um zu ahnen: Die Trennung zwischen den Münchnern und Tapalovic ist für Neuer ein Schock. Die ohnehin offene Frage nach der Zukunft des schwer verletzten Stammkeepers stellt sich nun noch drängender. Ist Tapalovics Aus der Anfang vom Ende?

Neuer muss sich Stand jetzt bei seinem geplanten Comeback zur neuen Saison mit dann 37 Jahren gleich zweier Rivalen erwehren: Der als Ersatz verpflichtete Yann Sommer (34) und der an die AS Monaco verliehene Alexander Nübel (26) sind bis 2025 gebunden - ein Jahr länger als er. Und Neuer kann dann nicht mehr auf die Unterstützung von Tapalovic zählen.

Nagelsmann sieht „das Genie hinter Neuer“ kritisch



„Jeder, nicht nur in München, weiß“, schrieb Neuer, dass all die Bayern-Erfolge seit dem gemeinsamen Wechsel der beiden gebürtigen Gelsenkirchener an die Isar 2011 „ohne dich niemals möglich gewesen wären“. Kumpel „Tapa“ habe „mich und mein Torwartspiel geprägt und auf ein neues Level gehoben“.

Chefcoach Julian Nagelsmann jedoch sah „das Genie hinter Manuel Neuer“, wie Tapalovic einst von den Bayern genannt wurde, deutlich kritischer. Unter ihm war er nicht mehr „Assistent“ wie bei Hansi Flick. Nagelsmann soll Tapalovic verdächtigt haben, an Intimus Neuer Vertrauliches aus der Trainerkabine weitergegeben zu haben, die Beziehung galt als beschädigt.

„Generell ist es wichtig, zu allen Personen deines Trainerteams ein intaktes Verhältnis zu haben. Da kann man sich immer verbessern“, sagte Nagelsmann am Montag vor der Trennung. Jeder müsse seine Verantwortungsbereiche kennen, betonte er, wie die Profis könnten Trainer und Torwarttrainer „Dinge verbessern, dass alle in dieselbe Richtung gehen“.

Salihamidzic: „Differenzen über Art und Weise der Zusammenarbeit“



Das war nicht (mehr) der Fall. In der dünnen Mitteilung zur Trennung nannte Sportvorstand Hasan Salihamidzic „insbesondere Differenzen über die Art und Weise der Zusammenarbeit“ als Grund. Zuvor hatte er eine interne Aufarbeitung der Kommunikationsprobleme zwischen Tapalovic und Neuers potenziellem Erben Nübel angekündigt.

Für Tapalovic kam das Aus „überraschend“, wie er bei Instagram beteuerte. In einer Bildergalerie zeigte er sich mit all den „großartigen Trainern“ und „tollen Menschen“, unter denen er habe arbeiten dürfen - nur Nagelsmann fehlte.

Sägt der Coach auch Neuer ab? „Man darf nicht vergessen, was dieser Mann für den FC Bayern geleistet hat“, mahnte Ehrenpräsident Uli Hoeneß und nannte den „Abgesang“ auf Neuer „unglaublich“. Die langjährige Nummer 1 werde nun „noch heißer“ am Comeback arbeiten - auch ohne Tapalovic.

− sid