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Tennis mit alten Kameraden  |  01.06.2020  |  06:00 Uhr

Passauer Ex-Nationalspieler Herbert Waas lebt zufrieden in München

von Michael Scherer

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Mehr Niederbayern geht fast nicht: der Passauer Herbert Waas vor einem in Dingolfing produzierten 3er BMW. −Foto: Imago Images

Mehr Niederbayern geht fast nicht: der Passauer Herbert Waas vor einem in Dingolfing produzierten 3er BMW. −Foto: Imago Images

Mehr Niederbayern geht fast nicht: der Passauer Herbert Waas vor einem in Dingolfing produzierten 3er BMW. −Foto: Imago Images


Natürlich verfolgt er das Fußball-Geschehen noch mit größtem Interesse, aber seinen Sport bestimmt das runde Leder nicht mehr, sondern eine gelbe Filzkugel: Wegen zwei Bandscheiben-OPs freut sich der Passauer Ex-Nationalspieler Herbert Waas (56) inzwischen auf die allmontäglichen Doppel-Partien im Tennis mit ehemaligen Löwen-Spielern wie Roland "Magic" Kneißl oder Erich Beer. Schon als Bundesliga-Profi galt der Niederbayer als ruhiger und bodenständiger Typ, so gesteht er jetzt ohne Umschweife: "Ich bin glücklich, kann nicht klagen."

Waas lebt nach eigener Aussage finanziell unabhängig zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ellie in Ottobrunn-Riemerling, im Süden von München. In der Stadt also, in der seine Fußball-Karriere mit dem ersten Profi-Vertrag so richtig Fahrt aufnahm. Mit 17 Jahren verlässt er die Heimat am Passauer Schneckenberg, der talentierte Stürmer wechselt vom VfB Grubweg zum TSV 1860 München. Und bei den Löwen kommt der schmächtige, aber pfeilschnelle Angreifer schnell zum Zuge, als A-Jugendlicher steht er plötzlich im 2. Liga-Team. Am 2. Spieltag, an einem Dienstagabend im August 1981, bringt ihn der tschechische Löwen-Trainer Wenzel Halama in der Partie gegen den VfL Osnabrück für den Jugoslawen Ivica Senzen. Waas stürmt ab der 60. Minute im Grünwalder Stadion neben Rudi Völler – danach steht er in der Startelf.

Nochmal in Aktion: Herbert Waas für die 1860 München All Stars 2013 beim Benefizspiel zu Gunsten des chronisch kranken Ex-Löwen-Spielers Olaf Bodden. −Foto: Imago Images

Nochmal in Aktion: Herbert Waas für die 1860 München All Stars 2013 beim Benefizspiel zu Gunsten des chronisch kranken Ex-Löwen-Spielers Olaf Bodden. −Foto: Imago Images

Nochmal in Aktion: Herbert Waas für die 1860 München All Stars 2013 beim Benefizspiel zu Gunsten des chronisch kranken Ex-Löwen-Spielers Olaf Bodden. −Foto: Imago Images


Das Training bei Halama ist knüppelhart – "danach kam nichts Schlimmeres mehr". Mit Bleiwesten geht’s für den Jungspund morgens zum Waldlauf und abends ins Torschusstraining. "Wir haben vier Mal am Tag trainiert", sagt Waas. Der Erfolg gibt dem Übungsleiter recht: Die Löwen landen am Saisonende auf Rang 4, erhalten wegen finanzieller Probleme jedoch keine Lizenz mehr, müssen zwangsabsteigen. Der junge Passauer trifft in der Spielrunde elfmal ins Schwarze und wird an Bayer Leverkusen verkauft, sein Aufstieg beginnt. Aus verschiedenen Gründen verpasst er sowohl die WM 1986 in Mexiko als die Heim-EM 1988, gewinnt in jenem Jahr jedoch mit Bayer Leverkusen den UEFA-Pokal (den Vorläufer der Europa League).

Nach einem Drama im Rückspiel: Die Truppe des späteren Bundestrainers Erich Ribbeck muss im Ulrich-Haberland-Stadion im Final-Rückspiel gegen Espanol Barcelona einen 0:3-Rückstand aufholen, Waas und Stürmer-Kollege Klaus "Der Boxer" Täuber schmoren in Halbzeit 1 noch auf der Bank. Ribbeck wechselt Waas nach der Pause beim Stand von 0:0 ein, später kommt Täuber auch aufs Feld. Und Bayer macht den Vorsprung der Spanier tatsächlich wett und gewinnt letztlich im Elfmeterschießen, wobei Waas seinen Elfer scharf links unten verwandelt. Rumms, rein. "Du musst als Stürmer entscheiden, ohne zu denken", lautet sein Motto. Trotz dieses Erfolgs ist er bald am Rhein nicht mehr gewünscht, mit 26 wechselt er zum FC Bologna. Über den HSV und den FC Zürich kommt er zu Dynamo Dresden, bei den Sachsen beendet er 1995 seine Bundesliga-Karriere – nach 247 Spielen mit 74 Toren in Deutschlands Elite-Liga. Mit 32 Jahren.

"Ich spekuliere an der Börse, ich kann davon leben"

Seither ist es ruhiger geworden um Waas – der Passauer ist aber auch keiner, der sich gerne ins Rampenlicht schiebt. Er läuft ab und an mit der Traditionsmannschaft der Löwen auf oder organisiert Fußball-Camps für Nachwuchsfußballer, offen gesteht er: "Ich spekuliere an der Börse, das ist eigentlich mein Beruf und ich kann davon leben." Der 56-Jährige besitzt zwar keinen Trainerschein, würde aber dennoch gerne im Jugendbereich arbeiten, von seiner Erfahrung ein Stück weitergeben. "Wenn sich sportlich etwas ergibt, bin ich bereit", sagt der Wahl-Münchner. Allerdings zwingt ihn eine körperliche Malaise zur Vorsicht: 2007 wurde er im Lendenwirbel-Bereich an der Bandscheibe operiert, die Bandscheibe schiebt nach dem Eingriff nach und Waas musste ein zweites Mal unters Messer.

Zunächst waren Fußball oder Laufen noch möglich, mittlerweile nicht mehr. Der Knochen klemmt den Nerv ein und dies strahlt bis in den Fuß aus. "Rückenprobleme haben ja viele", will der einstige Bundesliga-Spieler dies nicht als Folge des harten Profi-Geschäfts verstanden wissen. Obschon: "Unten wurde schon richtig zugetreten, das ist heute bei all’ den Kameras im Stadion nicht mehr möglich." Waas nimmt’s gelassen hin und sagt: "Der Fußball hat sich zum Vorteil verändert." Auch wenn inzwischen astronomische Gehälter gezahlt würden, macht Herbert Waas seinen Nachfolgern keine Vorwürfe: "Ich hätt’s auch genommen."

Apropos Geben und Nehmen: Durch den Wechsel des Passauers zu den Münchner Löwen und später in die Bundesliga erhielt sein Jugendverein, der VfB Passau-Grubweg eine "Ausbildungsvergütung", die jahrelang auf einem Konto schlummerte und jetzt für den Bau des neuen Vereinsheims eingesetzt wird. "Eine gute Sache", findet Waas. Eine Patenschaft fürs neue Heim oder die schmucke Anlage am Schnecken berg mit Hauptplatz und Kunstrasen hat der A-Klassist indes noch nicht ans einstige Mitglied herangetragen – etwa wie im Fall des FC Vilshofen, der seit kurzem im Klaus-Augenthaler-Stadion spielt. "Nein, nein", wehrt der Wahl-Münchner ab, "ich bin ja nicht so wichtig, und der Klaus hat ja viel mehr erreicht, der war ja Weltmeister" – Bescheidenheit in Reinkultur.

Zu Passau pflegt er weiterhin Kontakt

Zu Passau pflegt er jedoch weiterhin Kontakt, er besucht des Öfteren seine 92-Jährige Mutter oder seinen älteren Bruder Wolfgang, einen Steuerberater. Und er ist natürlich über die sportlichen Dinge in der regionalen Fußball-Szene im Bilde – ebenso wie über die Höhen und Tiefen von Bayer Leverkusen, der Löwen, des FC Bologna oder des FC Zürich. "Man verfolgt natürlich die Mannschaften, bei denen ich gespielt habe", sagt Waas, der indes auch schon die ein oder andere Drittliga-Partie der Spvgg Unterhaching in deren Stadion verfolgt hat. Ist ja kein Problem, der Ex-Stürmer radelt "die paar Kilometer" zum Sportpark hinüber.

Die Fußball-Zwangspause durch Corona empfindet er als "komische Situation", aus wirtschaftlicher Sicht sei es sicher richtig, dass 1. und 2. Bundesliga den Betrieb mit Geisterspielen fortsetzen, "für die 3. Liga ist es jedoch ein Draufzahlgeschäft, weil die Fernsehgelder in dieser Klasse nicht so hoch sind – schwierig", sagt Waas. "Seinen" Löwen traut er unterdessen den Aufstieg zu.

Die Corona-Pause bedeutet auch einen privaten Einschnitt für den Vater von Lehramtsstudent Vincent (25), der ebenfalls in München wohnt. Waas’ Lebensgefährtin Ellie arbeitet als Aufnahmeleiterin bei Sportcast, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Deutschen Fußball Liga, das in den vergangenen Wochen auch keine bewegten Bilder vom Geschehen auf dem grünen Rasen unters Volk bringen musste. Und auch in Sachen Urlaub muss der einstige Fußball-Star in diesem Jahr neu denken. In den vergangenen Jahren ging’s für das Münchner Paar im Juni – in der Fußball-Pause – immer für drei Wochen in die Nähe von Sevilla, weil dort Ellis Mutter lebt. "Das entfällt heuer", sagt der einstige Stürmer Herbert Waas mit einem großen Schuss Gelassenheit. Das Leben werde aber schon weitergehen, irgendwie.

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Dokumenten Information
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Letzte Änderung am






Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
FC Bayern München
34
100:32
82
2.
Borussia Dortmund
34
84:41
69
3.
RB Leipzig
34
81:37
66
4.
Borussia Mönchengladbach
34
66:40
65
5.
Bayer 04 Leverkusen
34
61:44
63
6.
TSG 1899 Hoffenheim
34
53:53
52
7.
VfL Wolfsburg
34
48:46
49
8.
Sport-Club Freiburg
34
48:47
48
9.
Eintracht Frankfurt
34
59:60
45
10.
Hertha BSC
34
48:59
41
11.
1. FC Union Berlin
34
41:58
41
12.
FC Schalke 04
34
38:58
39
13.
1. FSV Mainz 05
34
45:66
37
14.
1. FC Köln
34
51:69
36
15.
FC Augsburg
34
45:63
36
16.
SV Werder Bremen
34
42:69
31
17.
Fortuna Düsseldorf
34
37:68
30
18.
SC Paderborn 07
34
37:74
20





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