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Irritierende Aussagen  |  25.02.2020  |  14:32 Uhr

Berliner Professor: "Fußballer müssen Rassismus ertragen können" – Von allen Ämtern entbunden

von Sebastian Lippert

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Mit Affenlauten beleidigt wurde Jordan Torunarigha (r.) im Spiel seiner Berliner Hertha beim FC Schalke 04. Das müsse er ertragen, findet ein Wissenschaftler. −Foto: dpa

Mit Affenlauten beleidigt wurde Jordan Torunarigha (r.) im Spiel seiner Berliner Hertha beim FC Schalke 04. Das müsse er ertragen, findet ein Wissenschaftler. −Foto: dpa

Mit Affenlauten beleidigt wurde Jordan Torunarigha (r.) im Spiel seiner Berliner Hertha beim FC Schalke 04. Das müsse er ertragen, findet ein Wissenschaftler. −Foto: dpa


Ein Berliner Professor wirbt dafür, Rassismus in Stadien zu tolerieren. "Worte tun weh, trotzdem: Fußballer müssen rassistische Beleidigungen ertragen können", schreibt Prof. Dr. Stefan Chatrath in einem irritierenden Beitrag für das Online-Magazin NOVO Argumente. Überschrieben ist der Text mit "Die Leiden des jungen Torunarigha" – ein menschenverachtender Titel.

Chatrath war bis Dienstagabend Studiengangsleiter für Sport und Event Management an der University of Applied Sciences Europe in Berlin und Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission im Landessportbund Berlin. Beide Institutionen distanzierten sich auf Anfragen der Heimatzeitung ausdrücklich von den getroffenen Aussagen und machen sich stark "für Pluralismus und Diversität". Der Arbeitgeber zog noch am Dienstagabend Konsequenzen: "Wir haben Herrn Chatrath mit sofortiger Wirkung von allen Lehrtätigkeiten entbunden", sagte Prof. Dr. Wolfang Merkle von der University of Applied Sciences Europe der Deutschen Presse-Agentur.

Wissenschaftler Chatrath bezieht sich auf den Fall von Jordan Torunarigha: Der gebürtige Chemnitzer ist Fußballprofi beim deutschen Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Im DFB-Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 vor drei Wochen musste der 22-Jährige Affenlaute ertragen und brach noch auf dem Feld in Tränen aus.

Vorfälle häuften sich

Der Fall vom 4. Februar sorgte deutschlandweit für Entsetzen, lautstark verurteilten Verbandspräsidenten und Bundesliga-Klubs Rassismus. Dennoch häufen sich die Vorfälle. Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers wurde beim Spiel gegen Preußen Münster am 11. Februar rassistisch beleidigt, der Täter erhielt drei Jahre bundesweites Stadionverbot. Moussa Marega (28) vom portugiesischen Erstligisten FC Porto verließ nach rassistischen Anfeindungen den Platz, das war am 17. Februar.

Am vergangenen Samstag dann kämpfte der Berliner Antonio Rüdiger (26) mit den Tränen. "Der Rassismus hat gewonnen", sagte der Verteidiger des FC Chelsea im "Sky"-Interview nach dem Liga-Rückspiel gegen Tottenham. "Das zeigt sich daran, dass diese Leute gewonnen haben, weil sie wieder ins Stadion gehen können." Er fühle sich alleine gelassen. Im Hinspiel gegen Tottenham war Rüdiger Opfer von Rassisten geworden, Täter wurden nicht ermittelt.

Torunarigha auf Twitter: "Hab selten sowas dummes gelesen!"

Aus der Sicht von Prof. Dr. Stefan Chatrath haben Torunarigha, Kwadwo, Marega und Rüdiger kein Recht, ihre Stimme zu heben oder den Platz zu verlassen. "Darf ich fragen, ob Jordan Torunarigha das hätte aushalten müssen? Ich meine die Affenlaute von Zuschauern beim Spiel seiner Berliner Hertha gegen Schalke in Gelsenkirchen", schreibt Chatrath. Anstatt Torunarigha beizustehen, sollte dieser nicht so weinerlich sein – außerdem müsse man doch auch mit den Tätern fühlen. "Es könnte (...) sein, dass die Absender selbst von der Wirkung ihrer Affenlaute überrascht sind und diese jetzt bereuen", schreibt Chatrath. In einem Stadion sei seiner Meinung nach von außerhalb alles erlaubt. "Wie weit darf der Zuschauer gehen? Wenn das Spiel nicht gefährdet ist, geht alles." Jordan Torunarigha kommentierte den Text auf Twitter und schrieb: "Hab selten sowas dummes [sic!] gelesen!"

Hochschule: "Wir haben für solcherlei Aussagen keinerlei Verständnis"

"Als Hochschule distanzieren wir uns ganz klar und deutlich von den Aussagen von Professor Chatrath", schreibt Jessica Barthel-Jelkmann, Pressesprecherin der Hochschule, auf Anfrage der Heimatzeitung. "Als internationale Hochschule stehen wir für Pluralismus und Diversität. Wir haben für solcherlei Aussagen keinerlei Verständnis. Die Leitung der Hochschule wird sich intern mit Professor Chatrath auseinandersetzen und eruieren, warum er diese Aussagen so getroffen hat."

LSB-Präsidium entscheidet am Mittwoch über Verbleib Chatraths in der Wissenschaftlichen Kommission

Der Präsident des Berliner Landessportbunds Thomas Härtel teilte mit: "Rassismus ist zu jeder Zeit und an jedem Ort entschieden entgegen zu treten. Die Äußerungen Herrn Chatraths sind unvereinbar mit dem Leitbild des Landessportbunds Berlin, in dem er sich gegen jegliche Form von Diskriminierung, Extremismus, Gewalt und Missbrauch richtet und Sport als eine Einladung an alle versteht." Das Präsidium werde heute in seiner Sitzung über den Verbleib von Herrn Chatrath in der Wissenschaftlichen Kommission des Landessportbunds entscheiden." − pnp/dpa

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Dokumenten Information
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Letzte Änderung am






Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
FC Bayern München
25
73:26
55
2.
Borussia Dortmund
25
68:33
51
3.
RB Leipzig
25
62:26
50
4.
Borussia Mönchengladbach
25
49:30
49
5.
Bayer 04 Leverkusen
25
45:30
47
6.
FC Schalke 04
25
33:36
37
7.
VfL Wolfsburg
25
34:30
36
8.
Sport-Club Freiburg
25
34:35
36
9.
TSG 1899 Hoffenheim
25
35:43
35
10.
1. FC Köln
25
39:45
32
11.
1. FC Union Berlin
25
32:41
30
12.
Eintracht Frankfurt
24
38:41
28
13.
Hertha BSC
25
32:48
28
14.
FC Augsburg
25
36:52
27
15.
1. FSV Mainz 05
25
35:54
26
16.
Fortuna Düsseldorf
25
28:51
22
17.
SV Werder Bremen
24
27:55
18
18.
SC Paderborn 07
25
30:54
16





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