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10.10.2018  |  10:45 Uhr

Ex-Fifa-Schiri Kircher im Bayerwald: Über Druck, Geld und "völlige Ahnungslosigkeit" auf dem Platz

von Thomas Gierl

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Seine Bewunderung über die Schiedsrichter im Amateurbereich machte Ex-Profi-Referee Knut Kircher bei einem Vortrag in Geiersthal deutlich. −Fotos: Thomas Gierl

Seine Bewunderung über die Schiedsrichter im Amateurbereich machte Ex-Profi-Referee Knut Kircher bei einem Vortrag in Geiersthal deutlich. −Fotos: Thomas Gierl

Seine Bewunderung über die Schiedsrichter im Amateurbereich machte Ex-Profi-Referee Knut Kircher bei einem Vortrag in Geiersthal deutlich. −Fotos: Thomas Gierl


244 Bundesligaspiele an der Pfeife, von 2004 bis 2012 für die FIFA international unterwegs, hauptberuflich Entwicklungsingenieur im Schwabenland und zusätzlich dreifacher Familienvater: So liest sich die Kurzvita von Knut Kircher, bis Mai 2016 Top-Unparteiischer im Profifußball und inzwischen Schiri-Beobachter und Coach. "Von einem Schiri erwartet jeder 0,0 Fehler", so die Quintessenz seines 70-minütigen Vortags am Freitagabend bei der Schiedsrichtergruppe Bayerwald. "Ich bewundere euch im Amateurbereich. Wir im Profifußball haben es viel einfacher mit den zwei Assistenten an der Linie", sagt der 49-Jährige.

Für die 76 Schiris bei der Monatsversammlung beim "Kramerwirt" in Geiersthal schien das wie eine Lobeshymne zu klingen. Sie quittierten den überaus kompetenten, aber vor allem sympathischen Auftritt des 1,96-Meter-Hynen aus Sindelfingen mit zustimmendem Kopfnicken und herzlichem Applaus. Irgendwie ist es doch einer von uns, schienen sie zu denken, auch wenn der Knut, wie ihn alle nannten, ein ganz Großer ist. Unverblümt erzählte er von schwachen Momenten auf dem Spielfeld, wenn der Druck, ausgelöst von 80000 Fans im Stadion unerträglich wird. "Bei völliger Ahnungslosigkeit ist ein selbstsicheres Auftreten das A und O". Ein guter Schiri müsse Situationen "antizipieren" und immer für ein gutes Klima auf dem Feld sorgen: "Wir müssen eine verbale Augenhöhe herstellen, nur so können wir ruhig mit emotionalen Spielern kommunizieren, die gerne zu Kurzschlussreaktionen neigen."

Sie hörten gespannt zu, was Knut Kircher (2.v.l.) zu sagen hatte: BFV-Bezirksvorsitzender Harald Haase (v.l.), Bezirksschiedsrichter-Obmann Robert Fischer, Bayerwald-Obmann Josef Sigl, Lehrwart Andreas Egner, Kreisschiedsrichter-Obmann Matthias Braun.

Sie hörten gespannt zu, was Knut Kircher (2.v.l.) zu sagen hatte: BFV-Bezirksvorsitzender Harald Haase (v.l.), Bezirksschiedsrichter-Obmann Robert Fischer, Bayerwald-Obmann Josef Sigl, Lehrwart Andreas Egner, Kreisschiedsrichter-Obmann Matthias Braun.

Sie hörten gespannt zu, was Knut Kircher (2.v.l.) zu sagen hatte: BFV-Bezirksvorsitzender Harald Haase (v.l.), Bezirksschiedsrichter-Obmann Robert Fischer, Bayerwald-Obmann Josef Sigl, Lehrwart Andreas Egner, Kreisschiedsrichter-Obmann Matthias Braun.


Eine aussagekräftige Mimik und Gestik, wie in Perfektion von Italien-Legende Pierluigi Collina zelebriert, unterstütze das sichere Auftreten. "Ziel ist immer, Vertrauen zu den Spielern aufzubauen." Mit jeder Entscheidung reife man als Referee. "Mit zögerlicher Haltung schafft man es höchstens in die Tagesschau, was keine positive Auszeichnung ist." Freilich: "Du kannst 90 Minuten pfeifen wie ein Herrgott und ein Fehler in der Nachspielzeit macht alles kaputt."

Zwar gebe es 17 Regelparagraphen für Schiedsrichter, doch der Entscheidungsspielraum sei groß. "Pro Spiel entscheiden wir 250 bis 300 Mal – da ist nichts mit zwischendrin Kaffee trinken", philosophierte er. Zudem sei man durch zwölf bis 14 Kilometer Laufleistung und 26 Fernsehkameras im Stadion der höchsten deutschen Spielklasse zusätzlich emotional aufgewühlt. "Wir haben aber nur ein Livebild und eine Wahrnehmung."

Angesprochen auf den Video-Assistenten hat Kirchner eine klare Meinung: "Ich war immer Traditionalist und bin der Meinung, der Mann in Köln soll nur bei glasklaren Fehlentscheidungen eingreifen." Doch im Fußball gebe es halt diese Grauzone, immerhin 65 bis 70 Prozent aller Entscheidungen, bei denen Millionen von Fußballexperten zu ihren ganz persönlichen Entscheidungen kommen.

In der heutigen Medienlandschaft könne man als Bundesliga-Schiri erst am Montagabend aufatmen, wenn alle Sendungen gelaufen sind, die Talkrunden enden und die Note in der Zeitung veröffentlicht ist. "Oft ist es schon schwierig den Kindern zu erklären, dass sie keine schlechte Vier in Mathe nach Hause bringen sollen, wenn der Papa am anderen Tag eine Fünf für seine Leistung bekommt."

Apropos Kinder: Drei eigene hat Knut Kircher, laut eigener Aussage ein sparsamer Schwabe mit deutlich erkennbarem Dialekt. "Für den Fußballer-Nachwuchs habe ich etwas getan, aber leider nicht für die zukünftige Schiedsrichtergeneration", gestand er. Dabei wären die Verdienstmöglichkeiten gar nicht mal schlecht. 70000 Euro Grundgehalt und obendrauf 5000 Euro pro Spiel verdient ein Bundesligaschiedsrichter.

Zu bewältigen sei der ganze Aufwand freilich nur mit einem verständnisvollen Arbeitgeber, verkürzter Arbeitszeit und tollen Kollegen: "Wenn du international pfeifst, dann bist du von Dienstag bis Donnerstag weg." Gutstunden und Urlaub gehen dafür jede Menge drauf. "Für die Familie bleibt dann nicht mehr so viel übrig."












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