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09.08.2018  |  11:25 Uhr

Der etwas andere Bundesliga-Coach: Ex-Talentförderer Köllner schickt heute die Club-Profis auf den Friedhof

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Strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus: Michael Köllner will sich als Bundesliga-Trainer nicht verbiegen – "nur um dieses Amtes willen, erdulde ich doch nicht alles." − Foto: Daniel Karmann/dpa

Strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus: Michael Köllner will sich als Bundesliga-Trainer nicht verbiegen – "nur um dieses Amtes willen, erdulde ich doch nicht alles." − Foto: Daniel Karmann/dpa

Strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus: Michael Köllner will sich als Bundesliga-Trainer nicht verbiegen – "nur um dieses Amtes willen, erdulde ich doch nicht alles." − Foto: Daniel Karmann/dpa


Auf eher ungewöhnliche Methoden setzt Michael Köllner (48), der Aufstiegstrainer von Bundesliga-Rückkehrer 1. FC Nürnberg. Man müsse sich auch mit Herz, Seele, Geist und Glauben beschäftigen, ist der Querdenker aus dem Marktflecken Fuchsmühl in der nördlichen Oberpfalz überzeugt.

Der gelernte Zahnarzthelfer und lange Jahre als DFB-Stützpunktkoordinator Ostbayern in der regionalen Fußball-Talenteförderung tätige Trainer gibt seinen Spielern daher schon mal Lektüre-Empfehlungen – oder entführt sie in der Saison-Vorbereitung auch mal auf einen Friedhof in Südtirol. "Für uns ging es bei diesem Exkurs inhaltlich darum: Wo beginnt Überzeugung? Wo endet Überzeugung? Das war das Schlüsselelement für diesen Besuch, weil wir in der nächsten Saison auch eine hohe Überzeugung brauchen, sonst gewinnen wir in der Bundesliga nichts", sagt Köllner im dpa-Interview.

Der frühere DFB-Koordinator für Talente in Bayern macht solche Ausflüge wie auf den Friedhof in Villanders nicht nur für seine Spieler. Ihm selber sind sie wichtig. "Wenn ich in der Kabine der Mannschaft etwas sage, schlage ich kein Buch auf und lese daraus vor, sondern es kommt irgendwoher, das muss von irgendjemandem kommen", sagte der gläubige Köllner, der sich nach dem Aufstieg mit einer Reise nach Israel einen Wunsch erfüllte.

Für den 48-Jährigen war es nach einer erfolgreichen Spielzeit eine Form der Danksagung. "Wir sind in der vergangenen Saison überragend begleitet worden, da kann einer sagen, das ist ein kitschiges Glaubensding", meinte Köllner, "ich glaube aber, dass im Leben nichts zufällig geschieht."

Der aus Fuchsmühl in der Oberpfalz stammende Fußballlehrer spricht gerne. Er sieht das als elementaren Teil seiner Arbeit an, die sich nicht nur auf dem Rasen abspielt. "Wenn einer meiner Spieler nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch drumherum als Typ reift, er in seiner Persönlichkeit stabiler wird und in seinem weiteren Leben einen Mehrwert haben wird, dann ist dies das Beste, das passieren kann und das völlig ligaunabhängig", sagte Köllner.

Der Club-Trainer ist anders, zweifellos. Empathie ist ihm wichtig, er definiert sich stark über Beziehungen. Gleichwohl ist Köllner aber auch ehrgeizig, ein Machtmensch. Vermutlich braucht der FCN jedoch einen Coach, der andere Impulse setzt. Denn weitaus klangvollere Namen haben andere Vereine in ihren Spielerreihen. Kreativität ist zwingend gefordert. "Ein wesentlicher Teil meines Jobs ist es, eine Mannschaft zusammen zu bekommen – und das ist mit unseren Mitteln nicht unbedingt einfach", räumte Manager Andreas Bornemann in den "Nürnberger Nachrichten" ein.

Das Ziel heißt Klassenerhalt. Natürlich. Köllner will davon aber nicht sprechen. "Ich habe das Ziel Klassenerhalt nicht ausgegeben. Das wird man aus meinem Mund auch nicht hören. Wir definieren uns nicht über einen Tabellenplatz", betonte Köllner. "Jeder Mensch kann für sich selbst Unermessliches erreichen, aber wenn er nicht daran glaubt, wenn er sich vorher schon reguliert, wird er es auch nicht schaffen. Ich bin nicht der Trainer, der seine Spieler in ihren Möglichkeiten einschränkt."

Genauso wenig will sich Köllner einschränken lassen. Seine Unabhängigkeit ist ihm wichtig. "Ich habe 46 Jahre lang auch ohne Profifußball eine hohe Lebensqualität gehabt. Wenn ich das Gefühl habe, dass diese beeinträchtigt wird, dann verändere ich etwas. Warum soll ich mich geißeln lassen?", meinte Köllner. "Wenn ich das Gefühl habe, mir geht es schlecht, muss ich etwas verändern. Nur um dieses Amtes willen, nur um Bundesligatrainer zu sein, erdulde ich doch nicht alles. Da bleibe ich lieber daheim." − dpa












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