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13.03.2018  |  12:00 Uhr

Laptop-Profis mit Scheißhausfliegen-Mentalität: Augsburg-Coach Baum – so läuft der moderne Fußball

von Andreas Lakota,Felix Drexler

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Ein Trainer mit klaren Vorstellungen: Manuel Baum steht seit Dezember 2016 beim FC Augsburg an der Linie. − Foto: Marius Becker/dpa

Ein Trainer mit klaren Vorstellungen: Manuel Baum steht seit Dezember 2016 beim FC Augsburg an der Linie. − Foto: Marius Becker/dpa

Ein Trainer mit klaren Vorstellungen: Manuel Baum steht seit Dezember 2016 beim FC Augsburg an der Linie. − Foto: Marius Becker/dpa


Fußball-Lehrer – auf keinen anderen Trainer in der Bundesliga passt diese Berufsbezeichnung besser als auf Manuel Baum (38.). Der Dingolfinger arbeitete früher als Realschullehrer, heute coacht er die Profis des FC Augsburg – und gilt als großer Aufsteiger der deutschen Trainerszene. Weil er ziemlich erfolgreich ist. Und, weil er den Fußball so schön erklären kann wie kaum einer seiner Kollegen. Die Heimatzeitung hat Manuel Baum in Augsburg besucht. Ein Gespräch über Laptop-Profis, den Konflikt zwischen Kreativität und Konzept – und warum er von seinen Spielern die Mentalität einer Scheißhausfliege fordert.

Herr Baum, Ihr niederbayerischer Fußballlehrer-Kollege Mario Himsl hat Ihnen eine tiefdurchdringende Beschäftigung mit der Thematik Fußball bescheinigt. Heißt das, Sie denken immer an Fußball?
Manuel Baum (schmunzelt): Ja, es ist bei mir wirklich so. 24 Stunden, sieben Tage die Woche ist das Thema in meinem Kopf präsent. Das bekommst du auch nicht raus, vor allem nicht in der Bundesliga. Es sind ja nicht nur die Spiele oder taktischen Dinge, die dich beschäftigen. Personalführung ist auch ein großes Thema für mich. Mir ist es sehr wichtig, dass es meinen Spielern gut geht.
Und weil es nicht reicht mit Fußball, arbeiten Sie nebenbei noch beim TV-Sender Sky und unterstützen bei Champions-League-Spielen den Taktikexperten Erik Meijer.
Baum: Das begann schon 2014, mittlerweile sehe ich es als nettes Hobby und fahre nur hin, wenn es zeitlich passt. Ich mache das, um mich ein bisschen fortzubilden. Wenn ich − so wie neulich − bei Chelsea gegen die spielstarke Mannschaft aus Barcelona eine interessante Pressing-Strategie von Chelsea sehe, dann passt da vielleicht auch das ein oder andere Element in unser Spiel. Man kann ja auch auf extrem viele Daten zurückgreifen und diese parallel analysieren, das ist schon sehr interessant.
Ist Fußball überhaupt noch ein einfaches Spiel?
Baum: Runtergebrochen ist es schon noch ein einfaches Spiel. Aber sicher: Durch die Informationsflut und die vielen technischen Möglichkeiten läuft man Gefahr, dass es teilweise sehr komplex und kompliziert wird. Aber die Kunst für den Trainer besteht ja darin, es für eine Mannschaft wieder ein Stück weit einfacher zu machen. Man ist quasi der Flaschenhals und versucht, nur die wirklich relevanten Informationen an die Spieler zu bringen.
Vor allem, wenn es um die hochkomplexen taktischen Gedankenspiele geht.
Baum: Ja, wobei diese dann am Ende des Tages eigentlich gar nicht mehr so komplex sind. Aber durch das umfangreiche Scouting-Feed, die Statistiken und Experten kann das Ganze natürlich sehr aufgebläht werden. Man muss schon ein bisschen aufpassen, dass man es nicht zu kompliziert macht.
Ist der Fußball mittlerweile zu verkopft?
Baum: Schauen Sie, ich komme ja aus dem Nachwuchsbereich, und da ist es heute so: Wenn du mit einem Elfjährigen redest und bringst nicht irgendwelche Fachbegriffe, dann ist er schon schwer enttäuscht. Die jungen Spieler fordern diese Dinge ein und haben mittlerweile mehr Sachbegriffe drauf als der Trainer – die können mit etwas anderem gar nichts mehr anfangen.

Fachgespräch auf der "Fantribüne": Die PNP-Redakteure Andreas Lakota (r.) und Felix Drexler (l.) besuchten Manuel Baum in Augsburg – im Hintergrund das Bild des alten Augsburger Rosenaustadions.

Fachgespräch auf der "Fantribüne": Die PNP-Redakteure Andreas Lakota (r.) und Felix Drexler (l.) besuchten Manuel Baum in Augsburg – im Hintergrund das Bild des alten Augsburger Rosenaustadions.

Fachgespräch auf der "Fantribüne": Die PNP-Redakteure Andreas Lakota (r.) und Felix Drexler (l.) besuchten Manuel Baum in Augsburg – im Hintergrund das Bild des alten Augsburger Rosenaustadions.


Muss man da gegensteuern? Manche sagen, die jungen Spieler würden zu viel Taktik im Kopf haben, aber die fußballerischen Basics vernachlässigen.

Baum: Das sehe ich nicht so. Es ist ja nicht nur die Taktik, die medial im Fokus steht. Ich kann Ihnen dazu ein Beispiel aus meiner Zeit als Lehrer geben. In einer Freistunde bin ich in die Turnhalle gegangen. Dort standen Lucas Scholl und Gianluca Gaudino und haben sich auf dem Handy ein Video angeschaut, in dem Cristiano Ronaldo die Ballan- und -mitnahme übt. Und dann haben sie sich 30 Mal den Ball zugeworfen und das nachgemacht. Was ich meine: Die Spieler lernen heute sehr viel durch das Beobachten. Früher war es meist nur der Trainer, der mir etwas beigebracht hat. Jetzt kommt eine neue Dimension hinzu. Ich nehme die Medien her und bringe mir autodidaktisch etwas bei.

Der Profikicker von heute hat sich also verändert.
Baum: Definitiv. Man sagt ja immer, wir haben heute die Laptop-Trainer. Aber wir haben mit Sicherheit auch den Laptop-Profi.
Ihre Spieler sollen sogar über spezielle Apps Zugriff auf die vom Trainerteam erarbeiteten Inhalte haben.
Baum: Ja, das ist so. Da liegen dann Gegner-Analyse, Spielnachbereitungs-Analyse, Individual-Analyse, Statistiken oder Trainingspläne drauf. Die Spieler können die Inhalte übers Handy oder den Rechner abrufen. Wir versuchen in dieser Hinsicht schon, mit der Zeit zu gehen. Für mich ist das auch sehr wichtig.

Der angesprochene Laptop-Coach wird von einigen Seiten auch kritisch beäugt. Mehmet Scholl hat erst kürzlich scharf gegen die jungen Trainer geschossen und ihnen vorgeworfen, die Kreativität im Nachwuchsbereich viel zu wenig zu fördern. Stattdessen könnten die jungen Spieler "18 Systeme rückwärts laufen und furzen". Baum: Für mich sind Konzept und Kreativität kein Widerspruch. Beides ist sehr wichtig. Was wir vorgeben, sind Lösungsmöglichkeiten. Der Spieler hat durch ein Konzept eine Hilfestellung, er weiß, wo seine Mitspieler stehen. Aber wenn der Passweg zugestellt ist, muss er natürlich eine eigene Lösung finden. Und das gilt es, in Trainingsinhalten zu fördern. Andererseits musst du aber auch etwas einstudieren, du brauchst eine gemeinsame Idee, damit die Mannschaft auf dem Platz weiß: So, das machen wir jetzt. Einstudierte Abläufe bringen auch Sicherheit.
Sie meinen, die Spieler dürfen frei sein − in einem gewissen Rahmen.

Baum: Genau so ist es. Der Spieler will einerseits klare Vorgaben − aber zugleich frei sein. Was sich anhört wie ein Konflikt, darf kein Konflikt sein. Das müssen wir hinkriegen. Und ich denke, in Augsburg kriegen wir das ganz gut hin.
Sie haben gesagt, Ihre Spieler brauchen eine Scheißhausfliegen-Mentalität. Ist das Ihre Idealvorstellung vom Fußball?
Baum: Es ist eher die Vorstellung einer Charaktereigenschaft. Genau das versuche ich auch irgendwie vorzuleben. Ich bin sehr perfektionistisch, will mich mit nichts zufrieden geben. Für den Spieler meine ich damit: niemals aufgeben. Wenn du ausgespielt wurdest, geh’ hinterher. Das ist wie mit der Fliege. Wenn du sie wegscheuchen willst, ist sie nach zwei Sekunden wieder da. Und das geht immer so weiter. Irgendwann sagst du dann: Na gut, dann bleibt sie halt da. Und dieses Gefühl wollen wir im übertragenen Sinn beim Gegner erreichen, ihn quasi mürbe machen mit unserer Hartnäckigkeit.
Augsburg hat einen der geringsten Etats der Liga, die finanziellen Möglichkeiten anderer Vereine werden immer größer. Ist irgendwann mal eine Grenze erreicht für den kleinen FCA?
Baum: Das kann man so nicht pauschal sagen. Aber du darfst als Verein einen Fehler nicht machen: Und zwar, dass du nicht kreativ bleibst. Du musst deine Nischen finden. Und ein Personal haben – und das denke ich ist beim FC Augsburg in allen Abteilungen vorhanden – das ein bisschen über den Tellerrand schaut und fragt: Was können wir noch machen, wo können wir uns noch verbessern. Oder speziell mit Blick auf den Fußball: Jetzt ist gerade dieser Trend angesagt, okay, dann setzen wir eben einen anderen Trend. So kannst du als kleiner Verein mit viel Leidenschaft und Engagement trotz eines niedrigeren Budgets auch langfristig in der Bundesliga bestehen.

Bei Ihnen heißt es, Sie würden den Fußball minutiös planen.
Baum: In dieser Hinsicht habe ich mich schon ein bisschen verändert. Während meiner Zeit in Unterhaching war ich extremer. Ich war überzeugt, Fußball müsste nach "Schema F" ablaufen, so wie Football oder Basketball. Aber das ist nur zum Teil möglich. Und du hast einen Nachteil: Du machst die Spieler ein bisschen müde oder kaputt, wenn es sich immer um das Gleiche dreht.
Sie haben quasi als Lehrer auch noch lernen müssen.
Baum: Ja, ich habe mich umgestellt. Wir machen jetzt im Training zum Beispiel 20 Minuten lang Taktik. Dann eine Spielform, in der die Jungs eher frei sind. Damit sie hinterher sagen: geiles Training, obwohl wir eigentlich eine – für die Spieler eher trockene – Taktik einstudiert haben. In dieser Hinsicht habe ich – auch im Austausch mit den Spielern – extrem viel gelernt im Profibereich. Außerdem muss ich sagen, dass es einen großen Unterschied zum Nachwuchsbereich gibt.

Der wäre?

Baum: Im Nachwuchs sagst du als Trainer, du musst jetzt dies und das machen, und die Spieler haben sich dann anzupassen. Im Profibereich ist das nicht mehr so einfach, dass sich ein Spieler anpasst, der seit seinem fünften Lebensjahr spielt und jetzt 30 Jahre alt ist. Da ist die Festplatte schon viel voller, der Spieler hat gewisse Abläufe und Automatismen drin. Wenn du diese aufbrichst, machst du ihn vielleicht sogar schlechter. Deshalb muss man genau schauen: Was hast du als Trainer für eine Idee, wie passt diese zur Philosophie des Vereins und welche Spielerqualitäten stehen zur Verfügung. Ich muss mich im Profibereich mehr nach den vorhandenen Stärken richten und abwägen, welches Konzept für die Spieler passt.

Das gesamte Interview lesen Sie in der Printausgabe der Heimatzeitung vom 10 März − oder im Online-Kiosk.












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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am






Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Bayern München
34
92:28
84
2.
FC Schalke 04
34
53:37
63
3.
TSG Hoffenheim
34
66:48
55
4.
Borussia Dortmund
34
64:47
55
5.
Bayer 04 Leverkusen
34
58:44
55
6.
RB Leipzig
34
57:53
53
7.
VfB Stuttgart
34
36:36
51
8.
Eintr. Frankfurt
34
45:45
49
9.
Bor. M'gladbach
34
48:53
47
10.
Hertha BSC
34
43:46
43
11.
SV Werder Bremen
34
37:40
42
12.
FC Augsburg
34
43:46
41
13.
Hannover 96
34
44:54
39
14.
1. FSV Mainz 05
34
39:53
36
15.
SC Freiburg
34
32:56
36
16.
VfL Wolfsburg
34
36:48
33
17.
Hamburger SV
34
29:53
31
18.
1. FC Köln
34
35:70
22





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