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04.01.2019 | 06:30 Uhr

Wenn der Ausstieg zum Aufstieg wird: Mario Enzesberger und die wirren Wege einer Karriere

von Alexander Augustin

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Glücklich in der Kreisliga: Mario Enzesberger galt als großes Talent, spielte mit dem 1. FC Nürnberg in der A-Jugend-Bundesliga – und ist nun Spielertrainer bei seinem Heimatverein, dem SV Oberpolling, in der Kreisliga Passau. −Foto: Mike Sigl

Glücklich in der Kreisliga: Mario Enzesberger galt als großes Talent, spielte mit dem 1. FC Nürnberg in der A-Jugend-Bundesliga – und ist nun Spielertrainer bei seinem Heimatverein, dem SV Oberpolling, in der Kreisliga Passau. −Foto: Mike Sigl

Glücklich in der Kreisliga: Mario Enzesberger galt als großes Talent, spielte mit dem 1. FC Nürnberg in der A-Jugend-Bundesliga – und ist nun Spielertrainer bei seinem Heimatverein, dem SV Oberpolling, in der Kreisliga Passau. −Foto: Mike Sigl


Nur 3,5 Prozent aller Fußball-Talente der großen deutschen Clubs schaffen den Durchbruch. In einer Serie mit regionalen Top-Kickern zeigt die Heimatzeitung, wie unterschiedlich Karrieren verlaufen können. Teil 3: Mario Enzesberger (26) vom SV Oberpolling – der mit seinem Ausstieg einen Aufstieg schaffte.

Es gibt einen Moment in seinem Leben, da merkt er: Es ist vielleicht doch nicht alles so einfach, wie er es sich vorgestellt hat. Mario Enzesberger ist gerade 18 geworden und sein Traum vom Profifußball geplatzt. Er zieht aus dem Internat des 1.FC Nürnberg aus und zurück in die Heimat, nach Oberpolling im Landkreis Passau – ohne Plan B. "Ich habe die FOS nicht geschafft, für eine Ausbildung war ich schon viel zu spät dran in diesem Jahr", erzählt Enzesberger heute, achteinhalb Jahre später. "In dem Alter war ich so auf Fußball versteift, da habe ich geglaubt: Schule und Plan B brauchst du eh nicht." Am Ende macht er Zivildienst, mehr aus Mangel an Alternativen heraus als freiwillig. Profifußball oder nichts, so dachte er lange.

Winter 2007: Enzesberger, damals 14, spielt mit der C-Jugend des FC Dingolfing bei den Bayerischen Hallenmeisterschaften. Die Gegner heißen Greuther Fürth, Jahn Regensburg – und der 1. FC Nürnberg. Der FCD gewinnt überraschend das Turnier, Enzesberger wird zum Spieler des Turniers gewählt. Und erhält ein paar Tage später einen Anruf aus Franken, vom "Club". Ob er zum Probetraining vorbeikommen wolle. Enzesberger will – natürlich: "Für mich war sofort klar, dass ich das mache. In dem Alter machst du dir da nicht viele Gedanken, da lebst du tagein tagaus für so eine Möglichkeit." Enzesberger nutzt sie und zieht wenig später nach Nürnberg.

Fortan hat der Oberpollinger nur noch Fußball im Kopf. Es gefällt ihm in Nürnberg, vor allem im ersten Jahr. Enzesberger, der Junge vom Dorf, lebt in einer WG mit neun Mitspielern mitten in der Stadt. Er genießt das Leben – und reift: "Wenn du mit 14 von Zuhause ausziehst, bringt dich das als Mensch total weiter", sagt er.

Der 1.FC Nürnberg und die Illusion vom Kümmern
Doch bei all dem Spaß, den er mit seinem Mitspielern in der gemeinsamen Wohnung hat, verliert der Mittelfeldspieler die Schule aus den Augen. "Das ist schon ziemlich in den Hintergrund gerückt. Ich habe das damals als nicht so wichtig angesehen." Ihm fehlt, fernab der Eltern, ein Korrektiv. Der Verein habe sich wenig um die Bildung seiner Jugendspieler gekümmert: "Nach außen haben sie es zwar so verkauft, dass sie da sehr viel Wert darauf legen. Die Wahrheit war: Einer hat sich einmal im Halbjahr die Zeugnisse angeschaut und wenn was Grobes nicht gepasst hat, konnte man Nachhilfe nehmen." Der Verein könne sagen, was er wolle: "Am Ende kommt es für ihn darauf an, dass sportlich etwas herauskommt und alles andere ist egal." Das Problem: Bei Enzesberger kommt sportlich nicht das heraus, was sich der Verein erwartet.

Die Mittlere Reife hat Enzesberger geschafft, als er in die A-Jugend kommt. Inzwischen wohnt er im Internat des FCN, läuft täglich den Profis über den Weg. Der große Fußball ist plötzlich ganz nah – und doch ziemlich fern. Enzesberger spielt zwar in der A-Jugend-Bundesliga, merkt aber immer mehr, dass es sportlich "ansteht", wie er es heute ausdrückt. "Auch vom Kopf her war ich damals noch nicht so weit." Ihm dämmert: Es wird wohl nicht reichen für ein Leben als Profifußballer. Parallel schafft er die Abschlussprüfung in der FOS um einen Punkt nicht – und steht im Sommer 2010 ziemlich planlos da.

Herren-Bayernliga? Schwerer als gedacht
Als Enzesberger aus Nürnberg nach Hause zieht, klopft der SV Schalding an, damals noch Bayernligist. Er sagt zu, auch wenn er es als Abstieg empfindet. Von der A-Jugend-Bundesliga in die Bayernliga. Gegen Dorfvereine statt gegen die größten Talente des Landes. Was für ein Irrtum.

Enzesberger macht genau vier Spiele in der Bayernliga, dafür 19 bei der zweiten Mannschaft – Kreisliga Passau. "Ich habe den Umstieg auf den Herrenfußball total unterschätzt." Mit ein paar Jahren Abstand sei es völlig logisch, dass es damals nicht gereicht habe. "Körperlich und mental war ich nicht bereit. Ich bin aus Nürnberg gekommen und habe mir gedacht, dass ich locker Herren-Bayernliga spielen kann. Das Gegenteil war der Fall."

Er wechselt zum SV Hutthurm in die Bezirksoberliga. Und ausgerechnet die Saison, in der der Verein absteigt, ist für Enzesberger die Zeit, in der er ankommt im Amateurfußball. Er macht fast alle Spiele und sagt heute: "Diese Zeit hat mir sehr gut getan." Parallel beginnt er eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten.

Nach dem Abstieg mit Hutthurm geht Enzesberger zur DJK Neßlbach, damals Bezirksligist. Der Aufwand hält sich hier in Grenzen, endlich kann er sich auf seine Karriere abseits des Rasens konzentrieren. Denkt er. Mit 22 ist er plötzlich Spielertrainer. "Ein Freundschaftsdienst." Zwei Jahre lang. Dann steigt die DJK ab. "Tolle Erfahrung", erinnert sich Enzesberger, "ich habe mein Bestes gegeben, aber ich war einfach zu unerfahren." Dass er jetzt noch einmal höherklassig spielen würde, glaubt er nicht. Dann ruft Alexander Geiger an.

Der Landesligist Sturm Hauzenberg will Enzesberger. Und Enzesberger, der noch heute von Trainer Geiger schwärmt, will nach Hauzenberg. Er verpasst in der Saison 2016/2017 kaum eine Minute. Zum sportlichen Ehrgeiz hat sich inzwischen eine Portion Reife gesellt. Enzesberger merkt, was möglich ist, wenn es im Kopf stimmt. Und der SV Schalding merkt, dass sein ehemaliger Spieler sich entwickelt hat – zu einem Führungsspieler. Enzesberger, inzwischen 25, wechselt 2017 erneut an den Reuthinger Weg. Er macht 34 Saisonspiele, nur Stefan Rockinger macht eines mehr. Enzesberger spielt vor 12500 Zuschauern im Grünwalder Stadion gegen 1860 München. Auf einmal ist er doch wieder ganz nah dran am Profifußball. Doch dieses Mal lässt er sich nicht blenden. Nach einem Jahr ist wieder Schluss beim SVS: "Ich wollte den Aufwand auf Dauer nicht mehr, mich auf den Beruf konzentrieren." Enzesberger macht einen Schnitt – und geht zurück nach Oberpolling, zu seinem Heimatverein, dorthin, wo er 2007 auszog, um in Nürnberg Fußballprofi zu werden.

Heute ist der 26-Jährige spielender Co-Trainer beim SV in der Kreisliga Passau – und glücklich. Im kommenden Sommer heiratet er, danach will er seine Trainerkarriere vorantreiben. "Ich bin absolut zufrieden, wie es gelaufen ist." Und doch: "Mit dem Wissen von heute würde ich einiges anders machen. Aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen."

Lesen Sie hier: Christian Früchtl, Pendler zwischen den Welten.












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Dokumenten Information
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Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Tittling
7
10:9
15
2.
Karpfham
7
18:8
14
3.
Mauth
6
15:7
13
4.
Hohenau
6
18:15
13
5.
Garham
6
7:5
10
6.
Kößlarn
6
7:4
10
7.
Vilshofen
6
16:15
10
8.
Vornbach
6
13:10
10
9.
Neßlbach
6
10:9
7
10.
Tiefenbach
6
12:14
6
11.
Hauzenberg II
6
9:11
4
12.
Eberhardsberg
5
6:13
3
13.
Passau-West
6
4:14
3
14.
Riedlhütte
5
4:15
2




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