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30 Jahre in Diensten des Vereins  |  01.01.2022  |  10:13 Uhr

"Meine zweite Familie": Hannelore Schneider lebte für die DJK Passau-West – wieso sie Schluss macht

von Andreas Lakota

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So kennt man sie – und so wird man sie in Erinnerung behalten: Eine lachende Jugendleiterin Hannelore Schneider. Das Bild entstand bei der Siegerehrung der Passauer Stadtmeisterschaft. −Foto: Mike Sigl

So kennt man sie – und so wird man sie in Erinnerung behalten: Eine lachende Jugendleiterin Hannelore Schneider. Das Bild entstand bei der Siegerehrung der Passauer Stadtmeisterschaft. −Foto: Mike Sigl

So kennt man sie – und so wird man sie in Erinnerung behalten: Eine lachende Jugendleiterin Hannelore Schneider. Das Bild entstand bei der Siegerehrung der Passauer Stadtmeisterschaft. −Foto: Mike Sigl


Jugendleiterin, Vereinswirtin, gute Seele: Ihr halbes Leben widmete Hannelore Schneider der DJK Passau-West − jetzt hört sie auf. Wir haben uns mit ihr getroffen.

Eigentlich könnte sie ein Buch schreiben. Doch Hannelore Schneider reicht ein einfaches DIN-A4-Blatt. Mit Kugelschreiber hat sie die wichtigsten Eckdaten der letzten 30 Jahre festgehalten. Ihr Amtsantritt als Jugendleiterin 1992, die großen Erfolge der Nachwuchsteams in den späten 1990-er Jahren, die Gründung der JFG und natürlich die Übernahme des Vereinslokals mit ihrem Mann Heinz 2010. Was nicht auf dem Zettel steht, weil Hannelore Schneider das nicht für so wichtig hält: die vielen tausend Stunden, die sie für die DJK Passau-West im Einsatz ist.

Amtsübergabe: Bei der neuen Jugendleiterin Elvira Spiga (r.) weiß Hannelore Schneider die Amtsgeschäfte in besten Händen. Für das Vereinsheim suchen die "Westler" dagegen noch eine Nachfolge-Lösung. −Foto: Verein

Amtsübergabe: Bei der neuen Jugendleiterin Elvira Spiga (r.) weiß Hannelore Schneider die Amtsgeschäfte in besten Händen. Für das Vereinsheim suchen die "Westler" dagegen noch eine Nachfolge-Lösung. −Foto: Verein

Amtsübergabe: Bei der neuen Jugendleiterin Elvira Spiga (r.) weiß Hannelore Schneider die Amtsgeschäfte in besten Händen. Für das Vereinsheim suchen die "Westler" dagegen noch eine Nachfolge-Lösung. −Foto: Verein


"Ich habe das immer gerne gemacht", sagt sie. "Mit Herz und Leidenschaft." Doch ab dem neuen Jahr müssen die "Westler" auf ihre Hanni, wie Hannelore Schneider überall genannt wird, verzichten. Endgültig. Sie gibt ihr Amt als Jugendleiterin ab. Und auch als Vereinswirtin macht sie nicht weiter. Ein radikaler Schnitt. Es geht nicht anders.

Dumme Kommentare, aber sie verschafft sich Respekt

"Ich bin jetzt 68 und habe einfach gemerkt, dass ich körperlich nicht mehr so belastbar bin", sagt Hannelore Schneider und schenkt ein Weißbier ein. Vier ältere Männer haben auf einem Tisch Platz genommen, spielen Schafkopf. Eigentlich wäre das Vereinsheim im Söldenpeterweg in diesen Tagen geschlossen, weil die "Westler" mit der Passauer Hallenfußball-Stadtmeisterschaft ohnehin alle Hände voll zu tun haben. Doch wegen Corona fällt der traditionelle Bandenkick das zweite Mal in Folge aus. Also steht Hannelore Schneider nicht im Kiosk der Dreifachturnhalle, sondern hinter dem Tresen des Vereinsgasthauses. Es sind die letzten Tage. Die Kartler-Runde kommt noch zum Abschied. Und auch ein paar Tennis-Cracks haben sich angekündigt. Am Donnerstagabend schließt sie die Tür der Herbert-Schurz-Sportanlage zum letzten Mal. Dann endet das Kapitel DJK Passau-West, das ihr Leben die letzte 30 Jahre entscheidend mitbestimmt hat.

Als junge Frau kommt sie erstmals auf den Sportplatz im Passauer Westen, weil ihr Mann Heinz hier Fußball spielt. Der jungen Hannelore gefällt das familiäre Umfeld, sie wird Dauergast, sieht bei jedem Spiel zu, feuert an, feiert nach den Siegen. "Eine schöne, unbeschwerte Zeit", sagt sie heute. Ein paar Jahre später, als der damalige Vorstand Herbert Schurz einen Verantwortlichen für die Jugendleitung sucht, wird ihm Hannelore Schneider empfohlen. "Frag die Hanni, die ist eh’ immer da", scherzt man. Also fragt Schurz. Und die "Hanni" sagt ja.

Mit der "Westler"-Jugend geht es fortan schnell aufwärts. Hannelore Schneider, deren Kinder Johannes und Christina später selbst begeistert und erfolgreich Fußball spielen, baut neue Teams auf, sucht geeignete Trainer. Sie packt an, handelt, macht sich einen Namen, auch im Verband. Leicht hat sie es anfangs nicht, als Frau ist sie zu dieser Zeit eine absolute Ausnahme im niederbayerischen Fußball-Funktionärswesen. Bei den ersten Sitzungen wird sie kritisch beäugt, teils belächelt, ihre Beiträge nicht immer ernst genommen. "Es war schon hart damals", erinnert sich Hannelore Schneider und erzählt von einem Telefonat mit einem BFV-Vertreter, der sie an einem Sonntagmittag anruft und als Erstes fragt, ob sie denn schon in der Küche stehe.

Von dummen Kommentaren wie diesen lässt sich Hannelore Schneider aber nicht beirren. Beim nächsten Treffen spricht sie den BFV-Mann an, klärt das auf ihre Art. Ehrlich. Offen. Und immer direkt. Noch heute schreibt sie wenig WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails, "den Computer mag ich nicht". Viel lieber ist ihr ein persönliches Gespräch. "Da kann sich niemand hinter einer digitalen Botschaft verstecken."

Erst das Soziale, dann der sportliche Erfolg

Weil Hannelore Schneider nicht nur redet, sondern anpackt, verschafft sie sich schnell Respekt. Und erhält Unterstützung, auch von den Männern. Die sportlichen Erfolge der West-Talente machen die umtriebige Jugendleiterin in ganz Bayern bekannt. Während das Herren-Team in der untersten Klasse herumkrebst, feiern die Nachwuchsmannschaften Aufstieg um Aufstieg, kicken fast ausschließlich in der Bezirksoberliga. Der B-Jugend gelingt 1999 sogar der Sprung in die Bayernliga. Weil der finanzielle Aufwand zu groß ist, lehnt der Verein den Aufstieg aber ab. Dafür geht’s für Hannelore Schneider auf Reisen. Die DJK wird vom BFV für ihre herausragende Jugendarbeit mit zwölf Teams im Spielbetrieb ausgezeichnet. Als Dank darf die U15 für eine Woche an die Ostsee, wo sie mit DFB-Coach Uli Stielike trainiert. Und die Jugendleiterin wird für eine Woche nach Barcelona eingeladen.

"Das war sicher die schönste Zeit", sagt Hannelore Schneider heute. Viele der damaligen Talente spielen später in der ersten Mannschaft. Oder sogar höherklassig bei anderen Klubs. Die Sattler-Brüder, Benni Neunteufel, Philipp Roos, Rene Huber – sie alle durchlaufen die Jugendschule am Söldenpeterweg. Und sie alle haben nie vergessen, was sie ihrer Hanni zu verdanken haben. "Eigentlich ist das die größte Anerkennung", sagt die Jugendleiterin. "Wenn dich die Spieler von damals heute sehen und umarmen, dann weiß man, warum man das eigentlich gemacht hat."

Gemacht hat Hannelore Schneider bei der DJK Passau-West eigentlich alles. Sie organisiert den Spielbetrieb, wäscht Trikots, holt die Buben und Mädchen ab und fährt sie wieder heim. Und sie merkt sofort, wenn irgendetwas nicht stimmt bei den Nachwuchskickern. "Dafür habe ich irgendwie ein Gespür", sagt sie. Oft schütten die jungen Spieler der Hanni ihr Herz aus. Sie hört zu, gibt Tipps, redet mit den Eltern, kittet, wenn es irgendwo Risse gibt. "Das Soziale, das Menschliche war mir eigentlich immer wichtiger als der sportliche Erfolg. Die Kinder sollten Spaß haben, mit Freude hierherkommen", sagt sie. "West war für mich so etwas wie meine zweite Familie."

Und ein Rückzugsort. Denn auch in ihrem Leben läuft längst nicht alles glatt. Doch der Verein gibt ihr Halt, die Arbeit mit den jungen Sportlern sorgt stets für Ablenkung. "Ich kann besonders gut mit Kindern und alten Menschen", sagt Hannelore Schneider, die sich viele Jahre lang privat um Pflegebedürftige kümmert.

Stets habe sie viel Kraft in sich verspürt, erzählt die Passauerin, die aus Neukirchen/Inn stammt. "Ich konnte auch körperlich immer richtig hart arbeiten." Doch vor ein, zwei Jahren habe sie gemerkt, dass die Belastbarkeit nachlässt, die Geduld weniger wird. Zwölf Stunden oder länger im Wirtshaus stehen, bedienen, ausschenken, zuhören, zugleich die Leitung der Jugend − "das habe ich früher relativ locker weggesteckt. Aber heute ist das anders", sagt Hannelore Schneider. Als das Corona-Virus Deutschland im Frühling 2020 in den Lockdown zwingt und das Vereinsheim nach zehn Jahren unter ihrer Leitung erstmals länger als eine Woche schließt, beginnt sie nachzudenken. Und merkt: Es geht auch ohne ihr Lokal. Ohne Fußballplatz. Ohne die DJK Passau-West.

"Du kannst mit der Jugend nicht ewig oben sein"

Vor 15 Jahren macht Hannelore Schneider schon einmal Schluss, gibt die Jugendleitung ab. Drei Monate später ist sie wieder im Amt. Der Nachwuchs der "Westler" ist zu dieser Zeit längst nicht mehr so erfolgreich, Spieler fehlen, Trainer sind rar. Mit den Vereinen Spvgg Hacklberg und SC Batavia Passau gründet West daher die JFG Passau Donautal. "Du kannst als kleiner Verein mit der Jugend nicht ewig top sein. Ich denke, nach 10, 15 Jahren geht’s immer mal wieder in die andere Richtung", sagt Hannelore Schneider, die ihr großes Engagement auch in der JFG fortsetzt. Doch jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen. "Wer weiß, wie lange ich noch Zeit habe in meinem Leben."

Sie steht auf, legt einen blauen Ordner auf den Tisch. Erinnerungen an 30 Jahre Passau-West. Zeitungsberichte, Dokumente und natürlich Bilder. Jubelnde Nachwuchsteams. Noch heute kennt Hannelore Schneider die Namen der Kinder. Viele kamen, viele gingen. Sie aber ist geblieben. Einiges habe sich verändert in der langen Zeit. Die Eltern seien heute viel präsenter, würden sich mehr Sorgen machen, öfters einmischen. "Und natürlich wird häufiger und früher der Verein gewechselt." Ob sie im Nachhinein etwas anders machen würde? "Nein", sagt Hannelore Schneider. "Wir hatten fast immer eine schöne Zeit hier."

Dann zieht sie ein schwarzes T-Shirt hervor. "Jugendleiterin der Herzen", steht in weißen Buchstaben auf dem Rücken. Vorne ist das Bild einer E-Jugend abgedruckt. Mit Trainer Werner Geier, der im April 2020 verstorben ist. "Der Werner hat mir immer viel geholfen. Er fehlt mit schon sehr", sagt sie. Allein über den langjährigen Jugend-Coach könnte sie unzählige Anekdoten erzählen. Auf ein DIN-A4-Blatt, so viel steht fest, passt Hannelore Schneiders Zeit bei der DJK Passau-West nie im Leben.












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Dokumenten Information
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Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Passau-West
17
46:22
38
2.
Straßkirchen
17
39:16
35
3.
Obernzell-Erlau
17
35:20
35
4.
FC Schalding
17
43:31
30
5.
Oberdiendorf
17
42:31
28
6.
Eging
17
36:35
27
7.
Ruderting
17
31:24
25
8.
SG Preming
17
33:29
25
9.
SG Hochwinkl/Wildenranna
17
32:41
18
10.
Büchlberg
17
27:39
18
11.
1.FC Passau II
17
26:40
16
12.
SG Preying/Tittling II
17
33:54
15
13.
Kirchberg v.W.
17
27:50
11
14.
Haselbach
17
29:47
10




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