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05.04.2020 | 06:00 Uhr

In der Fremde infiziert, in der Heimat denunziert: Corona-Wut statt Aufstiegseuphorie beim FC Handlab/I.

von Luis Hanusch

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Über Stefan Kufner als Torwart wird in Iggensbach derzeit wenig gesprochen. Abseits des Sportlichen gab es dafür deutlich mehr Gesprächsstoff. −Foto: Archiv/Binder

Über Stefan Kufner als Torwart wird in Iggensbach derzeit wenig gesprochen. Abseits des Sportlichen gab es dafür deutlich mehr Gesprächsstoff. −Foto: Archiv/Binder

Über Stefan Kufner als Torwart wird in Iggensbach derzeit wenig gesprochen. Abseits des Sportlichen gab es dafür deutlich mehr Gesprächsstoff. −Foto: Archiv/Binder


Es hätte alles so schön werden können. Zur Winterpause thront der FC Handlab-Iggensbach mit fünf Punkten Vorsprung auf der Tabellenspitze der Kreisklasse Deggendorf. Um optimal in die restlichen Spiele gehen zu können, stand für das Team wie jedes Jahr Mitte März ein Trainingslager in Kroatien an. Nach der Rückkehr war an Aufstiegseuphorie aber nicht zu denken, ganz im Gegenteil. Gleich sieben Spieler, darunter auch Spielertrainer Stefan Kufner, haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Einige Dorfbewohner hatten dafür jedoch nur abfällige Kommentare übrig. Nicht nur die Kranken, auch gesunde und unbeteiligte Mitspieler waren betroffen.

Als in der Nacht zum Donnerstag, 12. März, insgesamt 33 Spieler, Trainer und Vorstandsmitglieder mit dem Bus nach Kroatien aufgebrochen sind, war "das Corona-Thema zwar irgendwo im Kopf vorhanden", wie Kufner erzählt, doch Sorgen oder Gedanken habe sich keiner gemacht. Zum Zeitpunkt der Abfahrt gab es im Landkreis Deggendorf einen bestätigten Fall, in ganz Kroatien waren es 19 (Bei Redaktionsschluss am gestrigen Freitag lagen die Zahlen im Landkreis bei 141 und 1011 in Kroatien). Die Grenzen konnten noch problemlos passiert werden und die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach noch von einer Epidemie, statt einer Pandemie.

In der Hafenstadt Porec angekommen, machten sich aber die ersten Vorboten der sich anbahnenden Krise bemerkbar. Statt der bis zu 30 Sportmannschaften pro Hotel waren die Niederbayern nur mit einer Handvoll weiterer Teams untergebracht.

Tag eins verlief für Stefan Kufner und seine Teamkollegen noch nach Plan, doch mit der Zeit kamen die Verantwortlichen ins Grübeln. Nach mehreren Telefonaten mit der deutschen Botschaft in Kroatien und internen Beratungen hat der FC Handlab-Iggensbach schon am Freitag, 13. März, die Heimreise angetreten. Zwei Tage früher als geplant. Trotz des finanziellen Verlusts wollte man vorsichtshalber kein Risiko eingehen.

"Auch die Heimreise verlief dann problemlos, keiner der Teilnehmer hatte zu diesem Zeitpunkt irgendwelche Symptome", schildert Kufner die Lage. Erst nachdem das Wochenende vergangen war und er sich genau wie seine Mitspieler noch mit Freunden und Familie getroffen hatte, traten bei ihm die ersten Symptome auf.

"Das war ein Riesen-Schock"

"Ich wollte sicherheitshalber schon einen Abstrich machen, als ich noch symptomfrei war. Das ging laut Arzt aber nicht." Einen Tag später bekam er Husten, Halsweh und Gliederschmerzen. Somit konnte er sich einem Test unterziehen.

Die Nachricht, die der 32-Jährige nach einem Tag Wartezeit erhalten hat, sei für ihn "ein Riesen-Schock" gewesen. "Obwohl man ja gar nicht weiß, woher man es hat", habe er sich vor allem über sich selbst geärgert und sich Vorwürfe gemacht. "Schließlich wohnen bei uns zu Hause vier Risikopatienten." Eine räumliche Isolation von allen anderen sei da schlicht unmöglich gewesen.

Bei Kufner selbst haben sich noch seine Freundin und seine Oma angesteckt. Die Fußballer gehen aber davon aus, dass einer der Spieler schon vor der Kroatien-Fahrt infiziert war und sich das Virus auf der Busfahrt verteilt hat. Aber das sind nur Vermutungen, konkret zurückverfolgen lässt sich die Infektionskette auch für das Gesundheitsamt nicht.

Zusätzlich zum Krankheitsverlauf, der sich bei Kufner zwar ohne Fieber, dafür mit Husten und Kopf- und Gliederschmerzen "wesentlich schlimmer als eine normale Grippe" angefühlt hat, kamen während der Quarantäne noch unschöne Erlebnisse mit anderen Bürgern zustande. "Wir sind regelrecht angefeindet worden. Von diesen Personen bin ich einfach nur enttäuscht", berichtet Kufner. "In den sozialen Medien bin ich unter anderem als ‘Depp, der das Virus ja eh schon hat‘ bezeichnet worden. Dem FCH ist die Schuld gegeben worden, ‘Corona nach Iggensbach gebracht zu haben‘" Um "nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen", habe man die Kommentare ignoriert und sich nicht auf eine Eskalation einlassen wollen.

"Man kommt sich vor wie ein Aussätziger"

Persönlich habe er durch seine Quarantäne keine Anfeindungen oder Beleidigungen erfahren, doch Stefan Kufner weiß von einem Vorfall mit einem Teamkollegen, der im Trainingslager nicht einmal dabei war und auch sonst völlig gesund war. "Als er im Dorf beim Joggen war, wurde mit dem Finger auf ihn gezeigt und der FCH wurde gleich wieder verurteilt", klagt der Torwart über das Verhalten einiger Mitbürger. "Wir haben weder etwas Verbotenes getan noch wollten wir absichtlich jemanden anstecken." Behauptungen wie diese sind für Stefan Kufner lächerlich. "Man kommt sich dann vor wie ein Aussätziger." Dazu weist er darauf hin, dass jeder Teilnehmer am Trainingslager sowie der gesamte Verein durch die verfrühte Heimreise einen finanziellen Schaden in Kauf genommen habe. Wären die Spieler von vornherein daheim geblieben, hätte man rund 10000 Euro "in den Sand gesetzt".

Doch bei allem Negativem geht es ihm auch darum, die Unterstützung und Hilfe hervorzuheben, die er von vielen seiner Freunde und Bekannten erfahren hat. "Sie sind für uns einkaufen gegangen oder zur Apotheke gefahren. Andere haben auch ihre Hilfe angeboten. Das war schon sehr wichtig für mich."

Seit Donnerstag ist die Quarantäne für Stefan Kufner wieder vorbei. Er darf also wieder ganz legal in den Supermarkt oder spazieren gehen. "Ich fühle mich gesund, da ist gar nichts mehr", beteuert er. Als er das erste Mal einkaufen war, "gab es nur positive Reaktionen von Verkäufern und anderen Bekannten", freut er sich über den Schritt zurück in den Alltag.

Bis dieser wieder komplett normal abläuft, wird es noch dauern. "Ich bin zwar ein Fußball-Verrückter und für den Verein ist die Situation aus sportlicher Sicht sehr ärgerlich, aber die aktuelle Lage ist deutlich wichtiger", erklärt Kufner. Und wer weiß, vielleicht kann für den FC Handlab-Iggensbach – mit etwas Verspätung – doch noch alles so schön werden, wie erhofft.












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Dokumenten Information
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Letzte Änderung am






Pl. Mannschaft Sp. Torverh. Punkte
1.
Handlab-Iggensbach
16
37:18
37
2.
Grafling
17
37:22
32
3.
Natternberg
17
43:31
32
4.
Eging am See
17
40:25
30
5.
Osterhofen II
16
30:19
29
6.
Bernried
16
43:32
26
7.
SG Edenstetten
17
33:31
24
8.
Winzer
17
37:34
23
9.
Lalling
17
29:33
20
10.
Zenting
17
28:58
17
11.
Moos
17
35:44
16
12.
Schöllnach
17
29:47
16
13.
Thurmansbang
16
27:39
14
14.
Poppenberg
17
21:36
14




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