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Bisher 1108 Spiele geleitet  |  07.06.2021  |  08:00 Uhr

Spannende Vergangenheit: Schiri Ernst Utrata (60) pfiff schon Derbys in Afghanistan

von Rebecca Fuchs

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Schiri-Pfeife und rote Karte gehören zum Equipment von Ernst Utrata. Der Schiedsrichter vom TSV Hengersberg hat bislang 1108 Fußballspiele geleitet. −Foto: Fuchs

Schiri-Pfeife und rote Karte gehören zum Equipment von Ernst Utrata. Der Schiedsrichter vom TSV Hengersberg hat bislang 1108 Fußballspiele geleitet. −Foto: Fuchs

Schiri-Pfeife und rote Karte gehören zum Equipment von Ernst Utrata. Der Schiedsrichter vom TSV Hengersberg hat bislang 1108 Fußballspiele geleitet. −Foto: Fuchs


"Das erste Mal vergisst du nie", heißt es. Gemeint sind wichtige Ereignisse im Leben eines Menschen: der erste Fall eines Juristen oder die erste OP eines Arztes. Warum diese Erfahrungen unvergesslich sind, zeigt die Interview-Serie "Mein erstes Mal" der Lokalausgaben der Passauer Neuen Presse. Diesmal: Schiedsrichter Ernst Utrata (60) aus Hengersberg.

Nach monatelangem Stillstand geht’s endlich wieder los im Amateurfußball. Wie fühlt sich das an?
Utrata: Wie sich etwas anfühlt, was man lange nicht machen konnte und auf einmal wieder tun kann: sehr gut.

Wissen Sie schon, wann Sie das nächste Mal pfeifen?
Utrata: Das steht noch in den Sternen. Die Saison 20/21 ist abgehakt. Die Vereine brauchen mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit, ehe es mit den Spielen wieder losgeht. Man braucht also noch Geduld.

Von den Zukunftsplänen zurück in die Vergangenheit. Was ist Ihre erste Erinnerung an den Fußball?
Utrata: Das Kicken mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Der Schul-Fußballplatz war nur 200 Meter entfernt von meinem Elternhaus. Fußball war immer schon der Sport für mich. Mit neun Jahren habe ich mich dem TSV Erlenmoos (Anm. der Red., Gemeinde in Baden-Württemberg) angeschlossen.

Auf welcher Position haben Sie gespielt?
Utrata: Ich war viele Jahre Libero, vor allem in der Jugend. Der Libero war früher der wichtige Mann im Spiel, der Brecher in der Abwehr, der sich um alles gekümmert hat. Heute gibt’s den so gut wie gar nicht mehr. Außerdem war ich im Mittelfeld und Stürmer, weil ich ein konditionsstarker Spieler war.

Sie haben viele Jahre beim TSV Hengersberg gekickt. Wie hat es Sie von Baden-Württemberg denn überhaupt in den Landkreis Deggendorf verschlagen?
Utrata: Nach meiner Lehre zum Kfz-Mechaniker bin ich zum damaligen Bundesgrenzschutz gewechselt. Der Beruf hat mich 1981 nach Deggendorf geführt. Hier habe ich meine Frau kennengelernt, zusammen sind wir nach Hengersberg gezogen. In den ersten zwei Jahren bin ich für die Spiele immer noch zum Heimatverein gefahren. Das ging dann aber von Berufs wegen nicht mehr. Deshalb bin ich zum TSV Hengersberg gewechselt. Zwischenzeitlich war ich bei den Kickers Plattling und dann wieder in Hengersberg.

Wann haben Sie zum ersten Mal daran gedacht, Schiedsrichter zu werden?
Utrata: Das war ’99. Meine Laufbahn als Spieler war altersmäßig vorbei, ich hatte auch einen Kreuzbandriss. Da es in Hengersberg an Schiedsrichtern mangelte, dachte ich ‚Warum nicht Schiedsrichter werden‘. Dann habe ich bei der Schiedsrichtergruppe Deggendorf einen Neulings-Lehrgang gemacht.

In 21 Jahren haben Sie sicher viele Spiele gepfiffen.
Utrata: Genau 1108. Ich schreibe mit (lacht).

Erinnern Sie sich noch an das erste Match?
Utrata: Ich weiß nur noch, dass es ein C-Jugend-Spiel unter der Woche war. Details habe ich nicht mehr im Kopf, es war wohl nicht sehr aufregend.

Hat sich der Fußball seit Ihrer Anfangszeit verändert?
Utrata: Auf jeden Fall. Allein die Regeln wurden immer ausgefeilter. Bestes Beispiel ist das Abseits. Früher musste man pfeifen, sobald sich ein Spieler in der Abseitsposition befand. Heute wird zwischen aktivem und passivem Abseits unterschieden. Ich darf nur pfeifen, wenn ein Spieler in der Abseitsposition einen gegnerischen Spieler behindert oder aktiv ins Spielgeschehen eingreift. Diese Regel sorgt oft für Diskussionsstoff. Auch die Auslegung des Fouls hat sich verändert.

Sie müssen körperlich auch ziemlich fit sein, um konditionell mithalten zu können. Wie viel trainieren Sie?
Utrata: Ich jogge oder radle jeden zweiten Tag ein bis eineinhalb Stunden. In der Schiedsrichtergruppe machen wir einmal wöchentlich Lauftraining.

Fitness allein macht aber keinen guten Schiedsrichter, oder?
Utrata: Meine Erfahrung ist, dass neben der Regelkenntnis die Fitness das Wichtigste ist. Wenn Spieler feststellen, dass der Schiri nicht mithalten kann oder ein Kreisschiri ist, der sich nur im Mittelkreis aufhält und aus der Distanz pfeift, hat man schon verloren. Mein Anspruch ist daher, dass ich das, was ich pfeife, auch laufen können will.

Wie schaffen Sie es, nicht ständig im Weg zu stehen?
Utrata: Erfahrung. Man muss manchmal abweichen von vorgegebenen Laufstrecken, sonst kommt man Spielern in die Quere oder kriegt den Ball ab.

Klingt, als wäre Ihnen das schon passiert...
Utrata: Einmal wurde ich am Kopf getroffen und bin zu Boden gegangen. Aber es war nicht so tragisch, dass ich nicht hätte weitermachen können.

Sie haben bereits 52 Spiele in Afghanistan geleitet, darunter Erstligaspiele und die großen Derbys in Kabul. Wie kam es dazu?
Utrata: Ich war 2006 bis 2007 zum zweiten Mal beruflich in Kabul eingesetzt. Meine Kollegen und ich wollten Sport machen und haben bei einer Schule gefragt, ob wir am Platz trainieren dürfen. Dort war es sicher, denn es verging kein Tag ohne Anschläge durch die Taliban. Irgendwann kam die Frage, ob wir vom Polizeiprojektbüro nicht mal gegen ein afghanisches Team spielen wollen. Ich habe den Schiri gemacht. Irgendwann ist Klaus Stärk, damals Trainer der afghanischen Nationalmannschaft, auf mich aufmerksam geworden und hat gefragt, ob ich nicht mal in der ersten Liga pfeifen möchte.

Sie waren sicher nervös bei Ihrem ersten Spiel im Ausland?
Utrata: Eigentlich nicht. Einziges Manko war, dass man sich nur auf Englisch mit den Assistenten und Spielern unterhalten konnte. Aber ich hatte mir im Vorfeld ein paar Begriffe in der Amtssprache Dari angeeignet. Das hat dann funktioniert.

Wie ist es überhaupt möglich, dass Sie dort ein Erstligaspiel pfeifen, hierzulande aber nur bis zur Bezirksliga?
Utrata: Man kann die erste Liga in Afghanistan nicht mit unserer ersten Bundesliga vergleichen. Es ist maximal Bezirksliga- oder Landesliganiveau. Da kann ich konditionell auf jeden Fall mithalten.

Irgendwann werden Sie ein letztes Spiel leiten. Wie soll man Sie in Erinnerung behalten?
Utrata: Als fairen Schiri.

Das Interview erschien am Samstag in der Deggendorfer Zeitung, Lokal. In voller Länge lesen Sie es HIER nach kostenloser Registrierung auf PNP Plus.












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