Die lange Nacht von Kiefersfelden

27 Elfmeter bis zur Entscheidung: SG Tacherting schnappt sich U19-BFV-Pokal

17.11.2022 | Stand 17.11.2022, 18:33 Uhr

Glücklich nach der langen Elfmeter-Nacht von Kiefersfelden: die U19-Kicker der SG Tacherting/Peterskirchen/Engelsberg. −Foto: Wildmann

Kiefersfelden, Kunstrasenplatz an der Kufsteiner Straße, unweit von der österreichischen Grenze entfernt. Der 20-jährige Schiedsrichter Linus Hell vom FC Nicklheim eröffnet mit einem Pfiff das BFV-Kreispokalfinale der Fußball-A-Junioren zwischen ASV Kiefersfelden und SG Tacherting/Peterskirchen/Engelsberg. Er wird dieses Spiel für immer in Erinnerung behalten – wie alle Spieler, Trainer und Zuschauer, die dabei sein durften. Denn: Erst der 27. Elfmeter bringt die Entscheidung zu Gunsten der SG, die letztlich Grund zum Jubeln hat.

Wie schon im Halbfinale in Großkarolinenfeld, so sieht man schon zu Beginn, dass es in diesem Endspiel keinen eindeutigen Sieger geben wird. In der 20. Minute bringt Marius Gmaindl mit letztem Einsatz den Ball noch scharf vors ASV-Tor. Ein „Kiefer“-Abwehrspieler schießt beim Klärungsversuch den einen Mitspieler an – Eigentor und somit SG-Führung. Während die Gäste versuchen, durchs Mittelfeld zu kombinieren, bleiben die ASV-Kicker mit langen Bällen auf die schnellen Stürmer gefährlich. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verwandelt „Kiefer“-Offensivmann Ruben Stasch eine weite Hereingabe herrlich per Flugkopfball zum 1:1-Ausgleich. Der nächste Nackenschlag für die Gäste folgt kurz nach dem Seitenwechsel, als der Ball quer durch den Strafraum gespielt wird und nicht geklärt werden kann. Stasch ist erneut zur Stelle – 2:1 für die Hausherren.

Der harte Kunstrasenplatz fordert seine Opfer. Gäste-Spieler Tim Kiefer verletzt sich am Knie und muss ersetzt werden, Wenig später stürzt Endrit Maloku nach einem Foul schwer − mit ausgekugelter Schulter geht’s auch für ihn nicht mehr weiter. Und die Zeit verrinnt. Die SG ist konditionell auf der Höhe, gibt weiter Vollgas. In der 83. Minute wird Jan Vukovic im Strafraum elfmeterreif von den Beinen geholt. Wer soll jetzt die Verantwortung übernehmen? Es kann nur einen geben: Kapitän Vincent Roth. Nervenstark verwandelt er flach, präzise und sicher zum 2:2-Ausgleich. Die „Kombo“ aus Tacherting, Peterskirchen und Engelsberg sucht jetzt mit vehementen Angriffen den Sieg. Die Spieler der Inntaler – von Krämpfen geplagt – halten dagegen. In der allerletzten Sekunde der Nachspielzeit hält der ASV-Torhüter einen Schuss von Niki Würnstl.

Der erste „Kieferer“ ballert übers Tor

Die Entscheidung über den Finalsieg muss im Elfmeterschießen fallen – das Drama nimmt seinen Lauf. Die SG beginnt mit Vincent Roth – er verwandelt wieder sicher. Der erste „Kiefer“-Schütze ballert die Kugel über die Latte. Aber es ist noch lange nicht der entscheidende Fehlschuss. Nach fünf Schützen steht es 3:3, weil der fünfte Kiefersfeldner nur den Pfosten trifft. Jetzt geht es weiter – logischerweise immer ein Schütze pro Mannschaft. Und immer legt die SG vor und die Heimmannschaft gleicht jeweils aus. Alle folgenden Spieler treffen, einschließlich der Torhüter. Es geht wieder von vorne los. Vincent Roth verwandelt seinen dritten Elfer an diesem Abend, auch der ASV-Pechvogel von vorhin trifft. Es steht immer noch unentschieden. Wer verliert als Erster die Nerven? Maxi Schramm nicht, sein Elfmeter bringt wieder die Führung. Es ist schließlich der 27. Elfmeter, der die Entscheidung bringt: Torhüter Sebastian Pfitzner wehrt den Ball ab, der Jubel der Spieler, Trainer und Fans der SG Tacherting/Peterskirchen/Engelsberg kennt keine Grenzen.

Kapitän Roth nimmt Wanderpokal in Empfang

Kapitän Roth, der seine Mannschaft zu diesem Titel geführt hat, erhält von Kreisjugendleiter Bernhard Hellmich und Spielleiter Sebastian Mayerhofer Wanderpokal, Urkunde und einen Spielball überreicht.

− mwi/red


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