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Doppelte Perspektive angeboten  |  28.05.2021  |  12:00 Uhr

Sie lernen für das Leben – und den Fußball: So funktioniert das Deutsche Fußball-Internat

von Martin J. Freund

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Auf das Mannschaftstraining draußen freuen sich die Bad Aiblinger Fußball-Internatsschüler schon wieder – zurzeit gibt’s nur Einzeltraining. −Foto: DFI

Auf das Mannschaftstraining draußen freuen sich die Bad Aiblinger Fußball-Internatsschüler schon wieder – zurzeit gibt’s nur Einzeltraining. −Foto: DFI

Auf das Mannschaftstraining draußen freuen sich die Bad Aiblinger Fußball-Internatsschüler schon wieder – zurzeit gibt’s nur Einzeltraining. −Foto: DFI


Fachoberschüler diskutieren in einem Zoom-Meeting mit FDP-Fraktionschef Martin Hagen, im Multiball-Raum jongliert U16-Spieler Tristan Armani vor der Video-Kamera mit dem Ball, und im Soccercourt unterm Dach arbeitet eine Dreiergruppe am Hausrekord im Direktpassspiel. Hier, am Deutschen Fußballinternat (DFI) in Bad Aibling, lernen die Schüler nicht nur für das Leben, sondern auch für den Fußball.

Auf dem weitläufigen Parkgelände im Ortsteil Mietraching breitet sich eine Lebenswelt aus, wie man sie eigentlich eher in Großstädten wie Frankfurt, Köln oder Berlin erwarten würde. Auf dem einstigen Flugplatz-Gelände drängt sich ein Ensemble aus Wohn- und Schulgebäuden, Trainingshallen und Kunstrasenplätzen. Hier arbeiten Lehrer, Trainer, Pädagogen und Physiotherapeuten. Die etwa 80 Kinder und Jugendlichen, die sie derzeit betreuen, sind Schüler und Fußballer zugleich – was die Einrichtung in Nachbarschaft von Wendelstein, Hochries und Kampenwand in dieser Art ziemlich einzigartig macht.

Die Trikots erfolgreicher Vorgänger in Sichtweite

"Wir wollen hier die optimalen Rahmenbedingungen für Schüler aufbauen, damit sie sich bestmöglich entwickeln können, sowohl sportlich als auch schulisch", sagt Geschäftsführer Sebastian Raß. Es sind Fußballer und Schüler wie Paul (12), der das Elternhaus in Aschaffenburg verlassen hat, um im bayerischen Süden dieses Schulleben mit Fußball-Perspektive zu führen. Vormittags hat er Realschul-Unterricht am benachbarten Dietrich-Bonhöffer-Bildungscampus, "diesen Nachmittag hab’ ich noch Indi und Krafttraining", sagt Paul. "Indi" steht im Internats-Slang für Individualtraining. Wäre das Fußballinternat nicht auch von den Corona-Beschränkungen betroffen, würde Paul in der U13 des DFI spielen. Bezirksoberliga, leistungsstärkste Klasse in dieser Altersstufe.

Sportaffine Kinder und Jugendliche wie Paul sind die Zielgruppe des Internats. Fußball spielt er, seit er drei Jahre alt ist, wie der Sechstklässler sagt. Und die Zielvorstellung ist klar: "Irgendwann will ich mit dem Fußball meinen Lebensunterhalt verdienen", verkündet Paul. Die Bestätigung ist ja nicht weit: In der Aiblinger Hall of Fame hängt unter anderem das Trikot des Österreichers Flavius Daniliuc. Der Innenverteidiger war 2014 als Leihgabe von Real Madrid nach Bad Aibling gekommen, um ein halbes Jahr später in die Nachwuchs-Abteilung des FC Bayern zu wechseln. Heute hat er einen Profivertrag bei OGC Nizza in der französischen Ligue1.

Jede solche Geschichte dient im Internat als Beweis gegenüber manchem Vorurteil, das DFI wäre Auffangstation für mittelmäßige Spieler, die durchs Sichtungsraster der Verbände gefallen sind. Raß kennt dieses Narrativ, ebenso wie die Widerstände, die dem Internat vor allem in der Anfangszeit entgegenschlugen, als umliegende Vereine Abwerbungen in ihren Nachwuchsabteilungen befürchteten. Diese Fronten sieht der Internatschef inzwischen als befriedet an, zumal das Anliegen der Schule ja weiter greife.

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