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16.08.2019 | 06:00 Uhr

Immer mehr Talente werden abgeworben: Neun Rottaler Vereine schlagen Alarm – Brandbrief an BFV

von Gabriel Bub

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Kampf um jeden Zentimeter: Viele Vereine müssen sich zu Spielgemeinschaften zusammenschließen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. −Foto: dpa

Kampf um jeden Zentimeter: Viele Vereine müssen sich zu Spielgemeinschaften zusammenschließen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. −Foto: dpa

Kampf um jeden Zentimeter: Viele Vereine müssen sich zu Spielgemeinschaften zusammenschließen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. −Foto: dpa


Ein Verbund aus neun kleinen Rottaler Vereinen schlägt Alarm: Ihre Existenz sei bedroht, weil ihnen immer häufiger Jugendspieler abgeworben werden – vor allem von Klubs, bei denen ein BFV-Talentstützpunkt angesiedelt ist. Deren Verantwortliche zeigen Verständnis, sehen sich aber nicht als Teil des Problems.

Man muss gar nicht erst zwischen den Zeilen lesen, um zu begreifen, wie emotional das Thema ist. In einem Brief, den neun Fußball-Vereine aus dem Rottal an den Bayerischen Fußballverband (BFV) geschickt haben, schreiben die Klubs Klartext. Unterzeichnet haben die Stellungnahme der TSV Triftern der TSV Anzenkirchen, DJK-Sportfreunde Reichenberg, SV Reut, SV Schönau, TV Bad Birnbach, SV Bayerbach/Rott, TSV Ulbering und DJK-SV Taubenbach. Das Problem, das die Vereine haben und das auch andere niederbayerische Klubs oft nur zu gut kennen: Die Jugendspieler laufen weg. Und das in immer jüngerem Alter, weil sie bei höherklassigen Vereinen eine bessere Ausbildung wittern. Oft wechseln sogar schon E-Jugendliche zu einem vermeintlich besseren Klub. Oder später zu einem Verein, der einen BFV-Talentstützpunkt beheimatet.

Die Rottaler-Vereine sind nun so genervt von dieser Praxis, dass sie ihrem Ärger beim BFV Luft machen. Vor allem, weil es für sie immer schwieriger werde, alle Altersklassen zu besetzen und sie daher oft zur Bildung von Spielgemeinschaften gezwungen seien. Größere Vereine, die höherklassig spielen, "werben unsere Spieler ab, um in jeder Spielklasse 1 bzw. 2 Mannschaften zu bilden", heißt es in dem Brief. Und weiter: "Sie werden mit Versprechungen und Zusagen zum Wechsel motiviert", Methoden würden angewandt, die "nicht im sportlichen Sinne der Verbände sind". Die klarste Anschuldigung in dem Schreiben, das der Heimatzeitung vorliegt: "Wir finden es total unmöglich, dass zum Beispiel die Juniorenmannschaften des Gastgebervereins, bei dem der Stützpunkt beheimatet ist, Schritt für Schritt mit der Stützpunktmannschaft identisch wird." Und weiter: "Unserer Meinung nach sollten Stützpunkttrainer nicht auch noch Trainer in dem Verein sein, der den Stützpunkt beherbergt."

Klar ist: Nachwuchsprobleme haben höherklassige Vereine weniger als die der unteren Klassen. Der SV Schalding (kein BFV-Talentstützpunkt), dessen Herrenmannschaft in der Regionalliga spielt, meldet ab der D-Jugend zwei Mannschaften. Der "Stützpunktverein" FC Dingolfing ebenfalls. Der 1. FC Passau (Landesliga) stellt in D- und C-Jugend je zwei Teams. Die TuS Pfarrkirchen (Bezirksliga) leistet sich zumindest noch zwei C-Jugendmannschaften.

Ganz anders das Bild bei den kleineren Rottaler Klubs. Der TSV Triftern trat letzte Saison in der D-Jugend mit einer Spielgemeinschaft aus vier Klubs an. Keiner der Vereine schafft es, ein eigenes Team zusammenzustellen.

Annemarie Altmann aus dem Vorstand des TSV Triftern ist sauer. "Es ist schon sehr auffällig, dass es immer Stützpunktkinder sind, die abwandern", sagt sie. "Heutzutage müssen manchmal fünf Vereine eine Spielgemeinschaft gründen." Und es seien nicht nur die Toptalente, die wechseln. "Das sind durchschnittliche Spieler. Einem großen Talent würden wir niemals den Weg zu einem höherklassigen Verein verbauen."

In einem sind sie sich einig: Es sind weniger KinderIn einem sind sich Stützpunkttrainer und Vereinsvertreter einig: Es sind weniger Kinder geworden. Und da schmerzt es noch mehr, wenn aus der D-Jugend des TSV Triftern − wie heuer passiert – fünf Spieler zur TuS Pfarrkirchen in die C-Jugend wechseln, meint Altmann. "Wir kämpfen ums Überleben", sagt ihr Mann Franz, der Vorsitzender des TSV Triftern ist. "Und die großen Vereine wollen zwei C-Jugenden haben."

Das Problem seien nicht nur die Wechsel aus diesem Jahr. "Seit Jahren geht das schon so", sagt Franz Altmann. Es sei "unmöglich Nachwuchs für Seniorenmannschaften zu haben", wenn die Kinder "immer von größeren, höher spielenden Vereinen abgeworben werden", schimpft er.

Stützpunkttrainer Ernst Spateneder weist die Vorwürfe entschieden zurück. Spateneder trainiert beim Stützpunkt Pfarrkirchen die Jahrgänge 2006 und 2007. Gleichzeitig coacht er die C2 der TuS Pfarrkirchen, also den Jahrgang 2006. Spateneder listet auf: In der U12-Auswahl spielen 16 Spieler aus zwölf Vereinen (keiner TuS Pfarrkirchen), in der U13 acht Spieler aus fünf Vereinen (einer von der TuS Pfarrkirchen) und in der U14 seien es zehn Spieler aus fünf Vereinen. Von identischen Teams im Stützpunkt und bei TuS Pfarrkirchen könne also nicht die Rede sein. "Ich kann den Ärger der kleinen Vereine verstehen", sagt Spateneder."Es ist brutal, wenn in einem Jahr fünf bis acht Spieler den Verein verlassen." Traurig sei es aber, "dass für die Wechselei der Stützpunkt verantwortlich gemacht wird".

Auch der Verbands-Jugendleiter des Bayerischen Fußballverbands, Florian Weißmann, gibt Spateneder Rückendeckung. Dass ein Vereinstrainer gleichzeitig auch einen Stützpunkt betreue, sei vom BFV durchaus erwünscht, schließlich bräuchten auch Trainer möglichst viel Praxis, um sich zu verbessern. Probleme – das gesteht Weißmann – gebe es bei der Kommunikation zwischen Stützpunkten und Vereinen. "Es ist natürlich nicht ganz einfach. Man muss einerseits talentierte Spieler fördern, andererseits die kleinen Vereine unterstützen. Die Basisvereine bilden die Grundlage." Dass dies grade in ländlichen Regionen schwierig sei, ist Weißmann bewusst. Letztlich seien es aber Spieler und Eltern, die entscheiden, welcher Verein der richtige ist. "Das kann auch vom Freundeskreis oder den Trainern abhängen", sagt Weißmann.

Auch Robert Sammereier, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim 1. FC Passau, kann den Ärger der kleinen Vereine verstehen. Den Vorwurf, die höherklassigen Klubs würden die Spieler weglocken, weist er aber zurück. Eher seien es die Eltern, die Wechsel forcierten. "Du kannst die Eltern nicht mehr bremsen. Da muss man auch mal als aufnehmender Verein Nein sagen."

Natürlich solle das Stützpunktsystem die größten Talente fördern. "Aber das war früher auch so. Da sammelten sich die besten Spieler bei Vilshofen in der Bayernliga", sagt Sammereier. Dass junge Spieler früher ihre Heimatvereine verlassen, ist für Sammereier allerdings unstrittig. "Das liegt daran, dass auch die Talentförderung schon mit zwölf losgeht." Und dann bekämen die Talente, angespornt durch das gute Training in den Stützpunkten auch Lust, bei besseren Vereinen zu spielen. Von den Nachwuchsleistungszentren, so betont er nochmals, ginge da aber kein Druck aus.

Vorwurf aus dem Rottal "nicht ansatzweise haltbar"Peter Wimmer, DFB-Stützpunktkoordinator für Südbayern, sieht das Problem eher bei den Klubs selbst. "Grundsätzlich haben die Vereine in der E- und F-Jugend genügend Spieler." Der Rottaler Vorwurf sei "nicht ansatzweise haltbar und nicht der Realität entsprechend", der Ausdruck teils "unsachgemäß und unseriös". Schließlich könnten die Vereine profitieren, wenn sie engen Kontakt zum Stützpunkt pflegen, sich über Inhalte austauschen würden.

Wimmer erklärt: "DFB-Stützpunkte sichten und fördern die jeweils besten Spieler der Region und bieten zusätzlich die Möglichkeit, dass sie heimatnah lange in ihren Vereinen verweilen können." Die ausdrückliche Empfehlung der DFB-Stützpunkte für die Aufnahme laute: Pro Jahrgang etwa zehn bis zwölf Spieler aus den 35 bis 50 Vereinen der Region. "Wie soll bei diesen Zahlen der DFB-Stützpunkt für unkontrollierte Wechsel innerhalb unterklassiger Vereine verantwortlich sein?", fragt Wimmer.

Dass die Spieler immer früher, immer häufiger den Verein wechselten, liege an den "Begehrlichkeiten" des Fußballs. Faktoren seien die Eltern, die ihr Kind möglichst hochklassig spielen lassen wollen und Trainer, die "unsachgemäß und egoistisch" Spieler zu Vereinen locken, die mit einzelnen Jugendmannschaften höherklassig spielen. "Zu unterstützen", sagt Wimmer, "sind Wechsel im richtigen Alter, für richtig gute Spieler" oder: "Wenn ein leistungsgerechtes Umfeld für den einzelnen Spieler in seiner Förderung gewinnbringend sein kann".

Bei einer Jugendleitersitzung in Rottersdorf stand des Thema jüngst auf der Tagesordnung. Auch wenn die Stimmung sehr emotional gewesen sei, hätten die Vereinsvertreter sachlich diskutiert, sagt Verbands-Jugendleiter Weißmann, der den BFV dort vertreten hat. An den Problemen soll künftig gemeinsam gearbeitet werden. "Ich habe deutlich gemacht, dass ich eine gute Kommunikation erwarte."

Der TSV Triftern hat indes Konsequenzen gezogen. Ab sofort will der Klub bei Wechseln eine Ausbildungsentschädigung fordern, auf die er vorher verzichtet hat.












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