Abstiegsschmerz – und viel Arbeit
Zwischen Bestandsaufnahme, Analyse und Kaderplanung: So geht es beim SV Schalding weiter

06.06.2024 | Stand 06.06.2024, 16:44 Uhr |

„Es ist viel zu tun“: Schaldings Sportchef Markus Clemens. − Foto: Lakota

Das Drama hat Spuren hinterlassen. Auch drei Wochen nach dem schmerzhaften Last-Minute-Abstieg hat man beim SV Schalding noch nicht abgeschlossen mit den Ereignissen im Saisonendspurt der Regionalliga Bayern.

„Es tat schon brutal weh und beschäftigt mich immer noch“, sagt etwa Angreifer Fabian Schnabel. Von „schwer zu verarbeiten“, spricht auch Markus Clemens. Die Gefühlslage, so vermutet der erfahrene Sportchef, werde sich wohl erst wieder gänzlich ändern, wenn in 14 Tagen die Vorbereitung beginnt am Reuthinger Weg, „wenn du wieder täglich auf dem Trainingsplatz steht, neue Aufgaben angehen kannst“.

Trotz des Abstiegsschocks ging beim SVS die Arbeit aber natürlich weiter. „Du kannst ja bei allem Schmerz nicht den Betrieb einstellen. Es gibt sehr viel zu tun“, sagt Clemens. Aktuell befinde man sich in einem Prozess den er aus Mischung zwischen Bestandsaufnahme, Analyse und Vorausblick auf die neue Saison bezeichnet.

Nicht geschafft, eine Gesamt-Einheit herzustellen



Welche Erkenntnisse man aus dem Abstieg mitnimmt? „Die sind natürlich vielschichtig. Und vermutlich sieht es jeder auch etwas anders“, sagt Clemens. Natürlich habe es neben dem teils großen Verletzungspech auch Schlüsselmomente gegeben, „in denen wir den einen Punkt oder die zwei Tore, die am Ende fehlten, verspielt haben. Aber für mich hat am Ende des Tages etwas anders den Ausschlag gegeben.“ Man habe es irgendwie nicht hinbekommen, eine bedingungslose Gesamt-Einheit im Verein herzustellen. „Wir hatten keine schlechte Stimmung oder Ärger, es hat auch jeder immer gemacht und getan. Aber vielleicht nicht ganz so zielgerichtet, wie es nötig gewesen wäre. Das müssen wir uns alle anlasten“, urteilt Clemens und fügt an: „Gerade in den letzten Wochen haben wir es nicht geschafft, das auf den Platz zu bringen, was Schalding immer ausgezeichnet hat. Die berühmten Schlachten am Reuthinger Weg sind leider ausgeblieben.“ Für die neue Saison sei es nun die oberste Prämisse, wieder eine „frische, wilde und hungrige“ Truppe zusammenzustellen, die alles für den SVS auf dem Platz lasse. „Und da sind wir gerade dran“, sagt Clemens.

Köck: Schnell gute Gruppe finden



Auch Trainer Stefan Köck spricht davon, dass man in der Vorbereitung sehr schnell eine „gute Gruppe, eine gute Mischung“ finden müsse. „Das ist harte Arbeit, dazu sind wir als ganzer Verein aufgerufen.“ Auch wenn keine Flut an Abgängen und Zugängen bevorstehe, werde sich das Gesicht der Mannschaft verändern, neue Hierarchien müssten entstehen. „Im Erfolgsfall ist es einfach, ein guter Haufen zu sein. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist das anders, dann kommen gewisse Dinge auf, die vielleicht sonst nur eine untergeordnete Rolle spielen, das haben wir jetzt gesehen“, sagt Köck, der sein Team am Montag, 17. Juni, zur ersten Einheit in der Vorbereitung bittet.

In Sachen Zielsetzung bzw. Regionalliga-Rückkehrpläne geben sich Trainer und Sportchef sehr zurückhaltend. „Wir sind gerade erst abgestiegen, da ist es völlig unangebracht, jetzt über irgendwelche Ziele zu sprechen. Wir wollen uns konsolidieren und den Abstieg so gestalten, dass die Spieler in Schalding auch in den kommenden Jahren ein sehr gutes Umfeld haben“, sagt Clemens. Und Trainer Köck ergänzt mit Blick auf die Bayernliga. „Wir werden ganz demütig an die Sache rangehen. Wir wissen, dass uns diese Liga alles abverlangen wird.“ Bis zum Saisonstart ist Köck neben der Kaderplanung dabei, sich Gedanken über die künftige Ausrichtung und Herangehensweise auf dem Platz zu machen. „Wir werden die alte Saison äußerst kritisch betrachten. Wir haben zu viele Tore kassiert, zu wenige geschossen. Unterm Strich: Ziel verfehlt. Von daher wird es sicher auch Anpassungen geben, wir müssen unser gesamtes Spiel verbessern und werden natürlich auch neue Reize setzen.“

Viele Routiniers machen weiter

Köck ist davon überzeugt, auch in der Bayernliga eine schlagkräftige Truppe an den Start zu bringen. Es sind zwar noch nicht alle personellen Entscheidungen fix, allerdings müsse man nach den schon bekannten Abgängen keine „Wechselwelle“ befürchten, so der Coach. Neben erfahrenen Kräften wie Markus Gallmaier, Chris Brückl, Patrick Drofa, Fabian Schnabel oder Dominik Weiß, die trotz Abstieg in Schalding bleiben, habe man aktuell 14 Spieler unter 23 Jahren im neuen Kader, sagt Clemens. „Das zeigt schon, wohin die Richtung geht. Wir basteln schon fleißig an der Zukunft.“

Akteure wie Daniel Zillner oder Christoph Szili müssten nun den nächsten Schritt machen, noch mehr Verantwortung übernehmen, sagt Clemens. Mit Noel Tanzer, Bastian Schmid und Martin Kauschinger habe man drei „hoffnungsvolle“ Neuzugänge verpflichtet, mit Martin Prenaj und Moritz Bauernfeind würden zwei „große Talente“ aufrücken. „Die ein oder andere Veränderung wird es noch geben, aber wir sind auf einem guten Weg“, versichert der Sportchef. Schmerzlich vermisst wird freilich Ex-Profi Philipp Knochner, der nach einem Kreuzbandriss lange pausieren muss. „Ihn zu ersetzen ist natürlich extrem schwer, aber auch da sind wir dran“, sagt Clemens.