Nach Drama am Saisonende
Schaldings Abstiegs-Schock: Die Gründe und wie es jetzt weitergeht – Zwei Talente rücken auf

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 11:09 Uhr

Schalding um Trainer Stefan Köck und Teammanager Jürgen Fuchs muss den Anstiegsschock erst verarbeiten. − Foto: Lakota

Der Schock saß tief. Auch am nächsten Tag noch. „Dafür ist es jetzt noch eindeutig zu früh“, sagte Stefan Köck am Sonntag auf die Frage, ob man denn den Blick schon nach vorne richten könne. Der Trainer des SV Schalding – und wohl auch alle anderen Beteiligten – müssen erst noch verdauen, was sie am Samstagnachmittag auf dem Sportgelände des 1.FC Nürnberg erlebt hatten.

„Es wird noch ein bisschen dauern, bis man so etwas verarbeitet hat“, befand Köck, der mit seiner Mannschaft in allerletzter Minute noch auf einen Abstiegsplatz abrutschte und nur ein Jahr nach dem Wiederaufstieg zurück muss in der Bayernliga.

Am Ende fehlten den Niederbayern ein Punkt oder zwei Tore, um es aus eigener Kraft in die Relegation zu schaffen. Doch auch wenn relativ früh klar war, dass die Schaldinger beim Gastspiel gegen Nürnberg II nichts holen würden, sah es lange gut aus, da Buchbach daheim gegen Aubstadt nur 3:2 führte und Bamberg gegen den FC Bayern II spät den 1:1-Ausgleich schlucken musste. Doch in der Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse. Erst traf Buchbach zum 4:2, dann ging Bamberg in der 90. Minute wieder in Front. Nun lagen Schalding und Buchbach nach Punkten und Toren gleichauf, der SVS hatte aufgrund der mehr erzielten Treffer in der Tabelle aber noch die Nase vorne. Doch drei Minute vor dem Ende schockte Filip Ilic die Köck-Elf mit dem 0:4, wenig später machte Buchbach das 5:2 – damit war der Schaldinger Abstieg besiegelt.

„Wie im falschen Film“



„Wir haben zwar alle gewusst, dass dies passieren kann. Aber die Enttäuschung ist jetzt natürlich riesig“, sagte hinterher Teammanager Jürgen Fuchs und fügte mit Blick auf das Last-Minute-Drama. „Das macht das ganz natürlich noch grausamer.“ Auch Köck wähnte sich „wie im falschen Film“, als die Ergebnisse der anderen Plätzen auf dem Smartphone aufblinkten. „Es musste wirklich viel zusammenkommen, dass wir am Ende noch runter gehen. Leider ist genau das eingetreten.“

Köck machte aber klar, dass „wir nicht am letzten Spieltag abgestiegen sind“. Man habe es in den vergangenen Wochen einfach „nicht mehr hinbekommen, wir haben die Abwärtsspirale nicht durchbrechen können“. Die Angst bestimmte mehr und mehr das Handeln der Spieler auf dem Platz, „das kann nicht gut gehen“, so der Coach, der nüchtern feststellt: „Wir haben 30 Punkte geholt. Das ist einfach zu wenig.“

Sechs Pleiten in Serie und nur magere vier Törchen aus den letzten sieben Spielen – am Ende rutschte der SVS auf den Abstiegsrang. Woran es letztlich lag? „Wir mussten in dieser Saison so viele Rückschläge verkraften, wir mussten immer wieder komplett von vorne anfangen“, sagt Köck. Nach einem schwachen Saisonstart habe man im Spätsommer Konstanz reingebracht, viele Tore geschossen – dann schlug das Verletzungspech zu, bis zu acht Stammspieler fielen aus. Nach dem Winter startete der SVS trotz sehr guter Vorbereitung erneut schwach in die Liga, schaffte aber wieder die Wende, ehe erneut zahlreiche Spieler ausfielen.

Fürth-Spiel als Knackpunkt



Knackpunkt sei die 1:2-Heimniederlage gegen Fürth gewesen. „Philipp Knochner riss sich nach 15 Minuten das Kreuzband, dann vergeben wir in der Nachspielzeit mit einem Elfmeter das 2:2. An den folgenden zwei Tagen verletzten sich Sebastian Raml, Markus Tschugg und Patrick Drofa an der Hand“, erinnert sich Köck, der in dieser wichtigen Phase auch auf Chris Brückl (familiäre Gründe) verzichten muss. Es folgte ein schwacher Auftritte in Bamberg (1:2), die Verunsicherung nahm zu und Schalding schaffte es nicht einmal mehr, gegen das abgestürzte Türkgücü München etwas Zählbares aufs Konto zu bringen.

„Am Ende mussten Spieler immer wieder auf anderen Positionen eingesetzt werden oder auflaufen, obwohl sie nicht voll fit waren. Als Trainer hast du da natürlich oft Bauchschmerzen, aber es half nichts. Wir hatten keine Wahl“, sagt Köck, der seinem Team keinen Vorwurf machen will. „Es haben alle alles reingeworfen. Leider haben wir die Kurve nicht mehr bekommen.“

Zusagen ligenunabhängig



Wie es jetzt weitergeht? Köck und das gesamte Trainerteam hat seine Verträge verlängert, „diese Zusagen sind unabhängig von der Liga erfolgt“, sagt der Coach. Gleiches gelte für die Spieler und bisherigen drei Neuzugänge Bastian Schmid, Noel Tanzer (beide Hauzenberg) und Martin Kauschinger (Vilzing). „Wir haben noch drei Fragezeichen, diese Personalien gilt es jetzt zu regeln. Aber die Mannschaft steht größtenteils“, sagt Köck. Am Dienstag trifft sich der SVS zur Abschlussveranstaltung. Vielleicht kann der Blick dann auch schon wieder etwas nach vorne gerichtet werden. „Wir müssen wieder aufstehen. Und wir werden aufstehen“, sagt Teammanager Fuchs. Ob ein ähnlicher Kraftakt wie nach dem Abstieg vor zwei Jahren erfolgen kann, als die Mannschaft mit einer „Jetzt-erst-Recht-Mentalität“ zum direkten Wiederaufstieg marschierte, wird sich zeigen.

Zwei Talente rücken auf



Am Montag gab der SVS bekannt, dass zwei Eigengewächse in den Kader der ersten Mannschaft rücken – Martin Prenaj (17) und Moritz Bauernfeind (19). „Beide haben im Nachwuchs bzw in der U23 durch gute Leistungen überzeugen können“, heißt es von SVS-Seite. „Es stimmt uns alle froh, eigene Jungs aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft zu bringen. Moritz und Martin haben durch ihren Ehrgeiz ihre Leistungen überzeugen können. Wir wünschen beiden viel Erfolg im Herrenbereich“, sagt Sportchef Markus Clemens.