Von der C-Klasse bis zur Regionalliga
Nach 24 Jahren Buchbach ist Schluss: Anton Bobenstetter geht in Fußball-Rente

31.05.2024 | Stand 31.05.2024, 13:17 Uhr |

Anton Bobenstetter im Jahre 2022 bei einer Ehrung für den jetzigen Buchbacher Trainer Aleksandro Petrovic. − Foto: Buchholz

Eine Ära geht zu Ende: Mit dem erneuten Klassenerhalt verabschiedet sich Buchbachs langjähriger Erfolgstrainer Anton Bobenstetter in die Fußball-Rente. Von der C-Klasse bis zur Regionalliga hat der 62-Jährige die Rot-Weißen 19 Jahre trainiert und gleichzeitig die sportlichen Geschicke geleitet. In den letzten fünf Jahren fungierte der Fußball-Verrückte ausschließlich als Sportlicher Leiter, jetzt übernimmt Ex-Coach Andreas Bichlmaier diese Position, der jedoch weiterhin auch als Individualtrainer bei der SpVgg Unterhaching tätig sein wird.

„Herzblut und Leidenschaft waren immer meine Antreiber“, blickt Bobenstetter auf seine lange Laufbahn zurück und rückt gleichzeitig den ehemaligen Buchbacher Abteilungsleiter Günther Grübl in den Mittelpunkt der Erfolgsgeschichte: „Günther war der der Macher, war der Antreiber. Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen.“
Nach elf Spielzeiten in der Regionalliga Bayern belegen die Buchbacher zusammen mit dem FC Augsburg II Platz vier in der ewigen Tabelle und haben in 381 Spielen 522 Punkte gesammelt – vor über 30 Jahren kaum vorstellbar, als Bobenstetter die Buchbacher in den Niederungen des Amateurfußballs übernommen und den jetzigen Kultverein von der C-Klasse immer weiter nach oben geführt hat. Unterbrochen von zwei Jahren beim TSV Ampfing und zweieinhalb Spielzeiten bei Falke Markt Schwaben war Bobenstetter drei Amtsperioden Trainer der Rot-Weißen. „Ich habe immer 24 Stunden Fußball gelebt, habe aber auch immer Glück gehabt. Als die fünfgleisige Regionalliga 2012/13 eingeführt wurde, war ich vom ersten Tag an sieben Jahre durchgehend Trainer einer Regionalliga-Mannschaft. Das hat sonst auch keiner geschafft.“

Wie viele Spiele genau Bobenstetter gecoacht hat, ist nur noch schwer nachvollziehbar, auf Verbandsebene sind es seit 1999 jedenfalls 566 Spiele mit 231 Siegen bei 132 Unentschieden und 203 Niederlagen. Allein in diesem Zeitraum sind 825 Punkte zusammengekommen. „Ich hatte eigentlich immer Erfolg, aber genauso wichtig sind mir die ganzen Menschen, die ich in all den Jahren kennengelernt habe. Da sind viele Freundschaften entstanden. Als junger Trainer war ich sicher nicht beliebt. Da musste ich natürlich oft Zähne zeigen, aber mit den Jahren wird man dann auch gelassener.“

Viele Spieler hat Bobenstetter in der ganzen Zeit nach Buchbach gelotst, die sich dann auch beruflich eine Existenz aufbauen konnten: Angefangen von Stefan Hillinger, Manuel Neubauer über Thomas Breu bis Christian Brucia, der ja jetzt seine Laufbahn in Buchbach ebenfalls beendet hat und als Spielertrainer zum TSV St. Wolfgang wechselt, um noch etwas weiterkicken zu können. „Die Fußstapfen sind natürlich riesengroß. Anton hat über die Jahre überragende Arbeit geleistet. Das wird schon eine Herausforderung für mich“, sagt Bichlmaier, der ja schon als Trainer 2019 in die Fußstapfen von Bobenstetter getreten ist: „Jetzt trete ich seine Nachfolge als Sportlicher Leiter an. Ich konnte mir vieles abschauen, aber ich werde sicher auch eigene Akzente setzen.“

Insgesamt 15 Winter-Trainingslager hat Bobenstetter in all den Jahren für Buchbach organisiert. Sieben Mal haben sich die Rot-Weißen in Portugal auf die Frühjahrsrunde vorbereitet, drei Mal in Spanien und fünf Mal in der Türkei. „Wir haben Buchbach von Norddeutschland bis Südeuropa bekannt gemacht. Als wir jetzt den Klassenerhalt in der Relegation geschafft haben, habe ich Glückwünsche aus Todesfelde bis runter nach Spanien bekommen. Fußball verbindet die Menschen.“
Ganz vom Fußball wird sich der A-Lizenz-Inhaber aber nicht verabschieden: „Ich gehe jetzt zu keiner anderen Sportart, sondern werde mein Netzwerk und meine Fachkompetenz weiter auch anderen Vereinen zur Verfügung stellen. Es haben mich ja all die Jahre viele Vereine immer wieder um Rat gefragt, wenn es um Trainer- oder Spielerverpflichtungen gegangen ist.“ Und weiterbilden will sich der Trainerfuchs, der seit 2006 mit dem ehemaligen Nürnberger Kulttrainer Hans Meyer freundschaftlich verbunden ist, auch noch. Vor allem die Hospitanzen bei Vereinen wie Kiel, Darmstadt, St. Pauli oder Heidenheim, meist im Trainingslager im spanischen Alicante, waren ein großer Anreiz. Und auch für den kommenden Winter ist schon wieder eine Fortbildung in Planung. „Es gibt nicht viele Trainer, die so viele Jahre so viel Glück hatten. Dafür bin ich dankbar. Und als Pensionist habe ich ja jetzt Zeit, solche Fortbildungen wahrzunehmen. Der Druck ist weg, der Blutdruck nicht mehr so hoch. Ich kann das jetzt richtig genießen.“

− mb