In die Relegation gerettet
„Durch die Hölle gegangen“: Das Fußball-Wunder von Buchbach – aber es ist nur ein „Etappenziel“

21.05.2024 | Stand 21.05.2024, 9:47 Uhr

Riesen Jubel herrschte beim TSV Buchbach nach dem 5:2-Sieg gegen Aubstadt. − Foto: Buchholz

„Ich dachte, ich hätte in Buchbach schon alles erlebt, aber das setzt dem ganzen noch die Krone auf“, Buchbachs Trainer Aleksandro Petrovic konnte es kaum fassen, dass sein Team den Abstiegskrimi am letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga Bayern überlebt und sich in die Relegation gerettet hat.

Mit dem 5:2-Erfolg über den TSV Aubstadt erledigten die Rot-Weißen ihre Hausaufgaben nach einer wilden Partie mit Bravour und profitierten von der Schützenhilfe des 1. FC Nürnberg II, der den SV Schalding-Heining mit einem 4:0-Erfolg zum direkten Abstieg in die Bayernliga verdammte.

„Was müssen wir noch alles erleben?“ – die von Abteilungsleiter Georg Hanslmaier nach der emotionalen Achterbahn-Fahrt formulierte Frage hätte eigentlich lauten müssen: „Was dürfen wir mit dem TSV Buchbach noch alles erleben?“ Den Klassenerhalt in der Relegation mit den beiden Spielen am Samstag gegen Bayernliga-Vize VfB Eichstätt und am 28. Mai in Bamberg.

Alles nichts für schwache Nerven! Nach dem Memminger Sieg am Freitag startete Buchbach gegen die vor allem sonst so defensiv starken Aubstädter vom letzten Platz ins Entscheidungsrennen. Dass ein Unentschieden gegen die Grabfelder wahrscheinlich nicht reichen würde, war klar, dementsprechend legten die Buchbacher nach dem Pfostentreffer von Marvin Weiß aus der ersten Minute los. Tobi Sztaf ließ die Hausherren nach Ecke von Albano Gashi und Kopfballverlängerung von Sammy Ammari mit einem satten Volleytreffer erstmals jubeln (6.), nur fünf Minuten später war Buchbach dann schon richtig auf Kurs, als Tobi Stoßberger einen Freistoß von Tobi Heiland zum 2:0 in die Maschen köpfte. Der extrem billige Anschlusstreffer durch Marco Nickel – symptomatisch für viele Gegentore in dieser Saison – änderte erstmal nichts, weil Ludwig Zech im Kasten der Hausherren kurz nach der Pause einen Wahnsinnsreflex gegen Weiß auspackte.

Im Fernduell mit Bamberg und Schalding Buchbach nach tollem Heiland-Solo und dem Treffer von Samed Bahar zum 3:1 ab der 55. Minute mit fast schon allen Optionen, doch wenig später der Bamberger Führungstreffer gegen Bayern II und plötzlich Rot-Weiß, das auch noch das 3:2 durch Patrick Hofmann kassierte (59.), wieder auf dem Abstiegsgleis. Dramatik pur! Dass Schützenhilfe der Bayern-Amateure wohl nicht zu erwarten war, zu diesem Zeitpunkt überdeutlich, ab jetzt war Schalding der Gegner, auf den es neben den drei Punkten ja sechs Tore aufzuholen galt. Und spätestens jetzt glühten überlastete Handy-Netze heiß, sekündlich wurden Spielstände aktualisiert, doch teilweise ging gar nichts mehr.

Das Geschehen in der SMR-Arena und auf den anderen Plätzen: Nach Flanke von Tobias Steer verkürzte Ammari den Rückstand auf die Niederbayern mit dem 4:2 per Kopf auf einen Treffer (80.), nach dem Bayern-Ausgleich in Bamberg (86.) Buchbach plötzlich sogar auf Rang 15 und dann durch den vierten Treffer der Nürnberger endgültig in der Relegation (87.) – jetzt durfte nichts mehr passieren, doch Felix Popp brachte Bamberg mit dem 2:1 in Sicherheit, Schalding konnte nicht mehr nachlegen, wohl aber Buchbach durch den zweiten Treffer von Sztaf nach Vorarbeit von Daniel Gaedke in der Nachspielzeit. Unfassbare Szene, Sztaf unter einer Jubeltraube begraben und noch Minuten später mit Tränen in den Augen.

„Keiner hat im Januar noch an uns geglaubt, aber jetzt haben wir das Wunder geschafft, auch wenn es nur ein Etappenziel ist“, zeigt sich Petrovic, der mit seiner Mannschaft satte 19 Punkte nach der Winterpause geholt hat, überwältigt: „Ich bin unfassbar stolz auf meine Jungs, weil nur ich weiß, durch welche Hölle sie gegangen sind.“