Tobias Baumann aus Deggendorf ist mit im Team
„Die jungen Leute DFB-fertig machen“: Josef Maier ist der Mann, der die Schiris coacht

20.09.2023 | Stand 20.09.2023, 15:46 Uhr |
Thomas Ernstberger

Schiedsrichter-Coach Josef Maier schaut ganz genau hin – auch, was Sascha Mölders (im Hintergrund) macht. − Foto: Ernstberger

Ein ganz normales Fußball-Wochenende für Josef Maier (61). Den Freitagabend verbrachte er in Kaufering beim Landesliga-Spiel gegen Oberweikertshofen. Samstag Nachmittag saß der ältere Herr mit den weißen Haaren und der roten Brille beim 3:2 der Bayernliga-Truppe von Sascha Mölders gegen den TSV Rain im Landsberger Sportpark. Alles im Dienste des guten Miteinanders – und der Entwicklung der bayerischen Schiedsrichter.

Dazu braucht es wohl Gelassenheit – und so wirkt Josef Maier auch: gelassen. Immer unaufgeregt auf einem Stuhl an der Mittellinie, schwarze Hose und schwarzes T-Shirt mit der weißen Rücken-Aufschrift „Wir regeln das“, das Notizbuch griffbereit - und stets in Kontakt zum Schiedsrichter-Trio. Und sofort zur Stelle, wenn von der Bank heftige Reklamationen kommen. Wie zuletzt von Ex-Löwe Sascha Mölders, dem Spielertrainer in Landsberg.
Da stellten sich viele Fans die Frage: Gibt’s jetzt auch im bayerischen Amateur-Fußball einen vierten Offiziellen? „Nein, noch nicht. Wir sind aktive Schiedsrichter-Coaches“, erklärt Maier. Die Aufgabe: „Wir wollen den jungen Schiedsrichtern den Rücken freihalten und stärken, sie auch auf Fehler hinweisen, das Bankpersonal beruhigen und den Trainern auch mal Entscheidungen erklären. Das nimmt böses Blut ein bisschen raus.“
Maier kommt aus Sauerlach im Landkreis München und ist Chef des Projekts „NLZ-Coaches“, das 2022 in den Bayern- und bayerischen Landesligen angelaufen ist. Zusammen mit Tobias Baumann aus Deggendorf, Steffen Brütting und Christoph Stühler bildet er die Führungsspitze der 20-köpfigen Gruppe (alles Ehemalige, die höherklassig gepfiffen haben) – und ist fast jedes Wochenende unterwegs: „Letzte Saison habe ich 45 Spiele gemacht“, erzählt er. Maier war selbst viele Jahre aktiv. Erst als junger Torwart in Daglfing und Ismaning, dann als Unparteiischer in der 3. Liga und bis 2010 sogar Assistent der bayerischen Spitzen-Referees Günter Perl, Wolfgang Stark, Felix Brych und Peter Sippel in der 2. und in der Bundesliga. Sein „Zweitjob“: Der selbständige Immobilien-Makler ist seit 2017 Schiedsrichter-Betreuer beim FC Bayern München. „Ich bin bei jedem Heimspiel dabei, auch in der Champions League, und kümmere mich um die Kollegen aus dem In- und Ausland.“
Beim Projekt „Schiedsrichter-Coaching“ sitzt der Betreuer nicht, wie herkömmliche Beobachter, anonym auf der Tribüne, sondern auffällig zwischen den Trainerbänken direkt am Spielfeld: „Da können wir an Ort und Stelle sofort Impulse setzen. Und wir bekommen hautnah mit, was die Schiedsrichter jede Woche aushalten müssen. Auf der Tribüne zu beobachten, ist dagegen ein Relaxprogramm. Wir wollen die Schiedsrichter - auch mit Halbzeitansprachen in der Kabine - besser machen. Das geht von der Bankposition besser als von der Tribüne aus.“ Und was bringt das Coaching für die jungen Unparteiischen (fürs NLZ dürfen sie nicht älter als 25 Jahre alt sein)? Maier: „Die Jungen lernen, Situationen, für die wir früher Jahre gebraucht haben, schneller und eher zu lösen. Sie sollen die Spiele nicht nur pfeifen, sondern auch gestalten.“ Die Tätigkeit soll im übrigen auch ausgeweitet werden: „In Richtung Patenschaften“, erklärt der NLZ-Chef. „Ein Ehemaliger soll dann junge Leute bei ihren ersten Einsätzen begleiten und betreuen, sie schützen und ihnen helfen.“
Das „übergeordnete“ Ziel des „VSA-Nachwuchsleistungszentrums“, wie es offiziell heißt: „Wir wollen wieder mehr junge bayerische Schiedsrichter in den Profi-Fußball bringen. Da sind uns andere Verbände vorausgeeilt“, sagt Maier. „Dazu müssen wir junge Leute aus den Landes- und Bayernligen in der Regionalliga etablieren und sie so DFB-fertig machen.“