Acht Abgänge, zwölf Zugänge
„Wir wollen deutlich mehr angreifen“: So will es die Spvgg Landshut langfristig wieder nach oben schaffen

08.06.2024 | Stand 08.06.2024, 8:00 Uhr |

„Absolute Wunschlösung“: Als Coach des SVL-Nachwuchses war Sebastian Paul schon erfolgreich, nun soll der ehemalige „Spiele“-Akteur die Herren zurück in die Erfolgsspur bringen. − Foto: Herrmann

Erst am vorletzten Spieltag sicherte sich die Spvgg Landshut den Klassenerhalt in der Landesliga. Am Ende eines „Seuchenjahrs“, wie Spielertrainer Kevin Pino Tellez es noch zu Beginn der Rückrunde aufgrund vieler Verletzten bezeichnete, ist Sportvorstand Benedikt Neumaier (35) froh über den Klassenerhalt. Für die kommende Saison gibt er das zurückhaltende Ziel einstelliger Tabellenplatz an, langfristig wolle die „Spiele“ aber wieder „deutlich mehr angreifen“.

Acht Abgänge, zwölf Zugänge



„Mit der letzten Saison können wir natürlich nicht zufrieden sein“, gibt Neumaier offen zu: „Wir haben uns deutlich mehr erhofft, sind aber letzten Endes froh, dass wir nicht in die Relegation mussten.“ Am Ende standen die Schwarz-Weißen mit 38 Punkten auf dem 11. Tabellenplatz. Eigentlich zu wenig für den Traditionsklub. Eigentlich ist auch die Landesliga zu wenig für die Schwarz-Weißen aus der größten niederbayerischen Stadt, deren Stadion am Hammerbach auch locker die Regularien für die Regionalliga erfüllen würde. Großen Amateurfußball hat die Stadt ja dort erlebt: 2012 scheiterte die SVL als Landesligameister in der Relegation zur damals neuen Regionalliga, 1986 war der Sprung in die zweite Bundesliga zum Greifen nah, doch die Verantwortlichen des Bayernligameisters versäumten es, die nötigen Unterlagen dafür einzureichen.

Aktuell laufen die Vorbereitungen für die neue Saison, so Neumaier, der teilweise noch mitten in den Verhandlungen steckt. Fix die „Spiele” verlassen werden Robin und Yannick Justvan, Bastian Aimer, Bastian Lomp, David Löffler, Stephan König, Dejan Ignjatic sowie der bis Anfang April als Spielertrainer agierende Kevin Pino Tellez. Dem gegenüber stehen bereits sechs Zugänge: Mit Dawid Gutkowski (30), der in den vergangene beiden Jahren bereits Spielertrainer beim TSV Kirchberg in der Kreisliga war, kommt die Erfahrung von über 100 Bezirksligaspielen an den Hammerbach. Mit dieser soll Gutkowski auf zentraler Position die Jungen anleiten. Dazu angelten sich die Landshuter einige Talente aus der Umgebung: Von Simon Georgakos (21), der vom Südost Landesligisten SF Schwaig verpflichtet wurde, schwärmt Neumaier in höchsten Tönen: „Simon ist ein brutal schneller Außenspieler, der sich in Schwaig super entwickelt hat“, freut sich der Sportvorstand. Auch von den anderen jungen Kräften, die Mittelfeldspieler Noa Heininger (19) vom TSV Abensberg und Luis Bigalke (19) von JFG Sempt Erding, sowie Torwart Daniel Mühl (21) von SG Offenstetten, erwartet sich Neumaier viel.

Ein besonderer Coup ist Neumaier mit der Rückkehr von Kenneth Sigl gelungen. Der 21-Jährige wechselte 2022 zum Regionalligisten Wacker Burghausen, konnte sich dort jedoch nur bedingt durchsetzen, traf in 60 Partien fünf Mal und lieferte ebenso viele Vorlagen. Bei der SVL erzielte der Jungspund davor in 37 Landesligapartien 19 Treffer. Er soll am Hammerbach zu alter Stärke zurückfinden.

Mit weiteren Spielern befindet sich Neumaier eigenen Angaben nach noch in Gesprächen. Fest stehe außerdem, dass sechs Eigengewächse aus der U19 BOL-Meistermannschaft in den Landesligakader aufrücken werden, viele von ihnen haben sich in den vergangenen Wochen ohnehin schon dort beweisen dürfen bzw. aufgrund der vielen Verletzten müssen.

Diese Verstärkungen passen zum Weg der Jugend und Eigengewächse, den die SVL seit einigen Jahren konsequent verfolgt. Beim Übergang vom Junioren- in den Herrenfußball zur Seite stehen wird der neue Cheftrainer Sebastian Paul. Der 35-jährige kickte von 2017 bis 2021 selber für die Dreihelmenstädter, zuvor war er in Regional- und Bayernliga für den SV Heimstetten aktiv. Dass er auch als Trainer erfolgreich sein kann, bewies er in den vergangenen zwei Jahren mit der U15 der Landshuter, mit der er im Herbst die Meisterschaft in der Bayernliga klar machte und im Frühjahr um den Aufstieg in die höchste Spielklasse für Deutschlands C-Junioren kämpfte.

Neumaier spricht von einer „absoluten Wunschlösung“. „Er hat im Jugendbereich die Spieler extrem weiterentwickelt und großen Erfolg gehabt. Außerdem setzt er auf die Jugend, auf Qualität statt Namen und hat ein System, das gut zur Mannschaft passt.“ Einen weiteren Vorteil den Neumaier sieht: „Er ist aus dem Verein, kennt die Umgebung und einen Großteil der Spieler.“ So wolle die Spielvereinigung von der eigenen Jugend profitieren und den Übertritt der Talente erfolgreich gestalten.

Zur Seite stehen wird Cheftrainer Paul der neue sportliche Leiter Maximilian Maier, der ebenfalls schon für die Schwarz-Weißen aktiv war.

Einstelliger Tabellenplatz das Ziel für die neue Saison



Neumaier, der seit fünf Jahren als Sportvorstand die Geschicke der SVL leitet, gibt langfristig eine klare Richtung vor: „Wir wollen sportlich künftig deutlich mehr angreifen.“ Kurz- und mittelfristig bleibt der 35-jährige aber zurückhaltend: „Nach so einer Saison verbietet es sich, zu viel zu fordern.“ Ein einstelliger Tabellenplatz sei für ihn momentan die „vorsichtige Planung.“ Vorsichtig auch deshalb, weil noch nicht sicher ist, in welcher Staffel die Spvgg nächste Saison antreten wird: Mitte, wie vergangene Saison, oder Südost, wie die sieben Jahre zuvor? Neumaier hofft auf den Wechsel zurück: „Wir präferieren Südost, weil die uns spielerisch mehr liegt. Wir sind am Anfang der Saison mit der Körperlichkeit der Landesliga Mitte nicht richtig klar gekommen“, erklärt Neumaier. „Wir nehmen’s wie’s kommt“, bilanziert der Sportvorstand zum Schluss. Nicht, dass sie eine Wahl hätten. Aber langfristig will die Spvgg Landshut eh wieder in die Liga, in der es nur die Aufteilung „Süd“ und „Nord“ gibt.