Aufschwung nach Trainerwechsel
Landesliga statt Kreisklasse: Der kontinuierliche Aufstieg des TV Parsberg

Vor vier Jahren drohte der Landesliga-Aufsteiger in die Kreisklasse abzustürzen – dann kam ein Trainerwechsel

07.06.2024 | Stand 07.06.2024, 14:15 Uhr |

Das muss gefeiert werden: Die Fußballer des TV Parsberg bejubeln ihre Rückkehr in die Landesliga nach 49-jähriger Abwesenheit. Foto: Gleisenberg

Der TV Parsberg stand am Abgrund. Als Coach Stefan Weber die verunsicherte Fußballmannschaft des TVP Parsberg im Februar 2020 übernahm, taumelten die Oberpfälzer als Tabellenvorletzter der Kreisliga dem Abstieg entgegen. Es war trostlos.

Doch bevor die Corona-Pandemie kurze Zeit später die Saison jäh stoppen sollte, hatte das Team unter Weber in vier Partien zehn Punkte gesammelt, war noch auf den Relegationsplatz gesprungen und sicherte sich dadurch den Ligaverbleib auf den letzten Drücker. Noch mal gut gegangen.

Den Super-GAU abgewendet

Seitdem sie in Parsberg den Kreisklassen-Super-GAU abgewendet haben, geht es mit den TVP-Fußballern unter Coach Stefan Weber und Co-Trainer David Treese kontinuierlich bergauf. Vorläufiger Höhepunkt ist der am Samstag im Relegations-Rückspiel beim FC Weiden-Ost eingetütete Aufstieg in die Landesliga.

Der Tabellenzweite der Bezirksliga Oberpfalz Süd hatte in Weiden 3:1 gewonnen, lautstark angefeuert von rund 500 mitgereisten Fans. Die Unterstützung der treuen Anhänger, speziell in den insgesamt vier Relegationsspielen, hat gezeigt: Da ist etwas zusammengewachsen zwischen Parsbergs Mannschaft und den Fans.

Der stete Aufstieg der Mannschaft in den vergangenen Jahren ist eng mit Coach Stefan Weber verknüpft. Der ehemalige DFB-Stützpunkttrainer ist extrem ehrgeizig, sprudelt vor Tatendrang und Ideen. „Ich habe jetzt schon wieder tausende Gedanken zur nächsten Saison im Kopf“, sagt Weber, der Fußball-Verrückte – der es aber auch versteht, kostbare Momente wie diesen Aufstieg zu feiern.

Für den Verein ist dieser Erfolg ganz besonders: Denn nach langen 49 Jahren kehrt der TV Parsberg wieder in die Landesliga zurück, das ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Vereins, der heuer seit 125 Jahren besteht.

Also feiern sie in Parsberg. Und feiern. Und feiern. Zunächst machten die Spieler am Samstag im Sportheim die Nacht zum Tag, etliche schliefen spontan gleich dort. Tags darauf wurde bei Kapitän Matthias Pröbster daheim weitergefeiert. Am Donnerstag stand der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Parsberg an, kommende Woche lädt Coach Weber die Aufstiegshelden zu einer Grillfeier zu sich nach Hause ein.

Dass sie beim TV Parsberg derart schöne Tage erleben dürfen, liegt, wenn man den Worten des Erfolgscoaches Weber glauben mag, in einem extrem bitteren Erlebnis aus der Vorsaison begründet – dem Scheitern des TVP in der damaligen Aufstiegs-Relegation gegen den TSV Buch-Nürnberg.

Relegation gab den Kick

„Auch wenn es sich blöd anhört, aber diese Niederlage, diese Spiele, in denen wir die große Unterstützung unserer Fans erlebt haben, das hat uns den Kick und die Motivation für diese Saison gegeben. Wir wollten unbedingt wieder in die Relegation – und es diesmal besser machen“. Das haben sie beim TV Parsberg.

Dass sich die im Kern zusammengebliebene Mannschaft letztlich hinter Meister Kosova Regensburg auf den zweiten Platz spielte, hätte auch mit dem Reifeprozess seines Teams zu tun gehabt, ist Weber überzeugt. „Vergangenes Jahr hat die Mannschaft als Aufsteiger unheimlich viel in der Bezirksliga dazugelernt“.

Und sie wurde personell zur Saison 2023/24 noch verstärkt. Als Königstransfer des TV Parsberg sollte sich die Verpflichtung Alexander Freitag entpuppen. Der torgefährliche Offensivspieler, Stiefsohn von Ex-1860- und FCN-Coach Michael Köllner, kehrte von 1860 München II in seine Oberpfälzer Heimat zurück – und hatte mit 20 Toren und 15 Vorlagen in 29 Spielen seinen Anteil am Parsberger Erfolg. „Er ist ein Unterschiedsspieler für uns“, weiß Coach Weber, der aber im gleichen Atemzug betont, dass „alle Spieler als Einheit diesen Erfolg möglich gemacht haben“.

Und eines ist dem Fußball-Fachmann besonders wichtig hervorzuheben: „Bei uns bekommt kein einziger Spieler Geld.“ Dafür erhielten die Kicker beim TV Parsberg ein familiäres, intaktes Umfeld, in dem es schlicht Spaß mache, dem Hobby Fußball zu frönen.

Am 16. Juni geht es schon wieder weiter auf dem Rasen, dann ist Trainingsauftakt beim TV Parsberg – das Abenteuer Landesliga wartet. „Wir wollen uns dort im ersten Jahr akklimatisieren und dann schauen wir mal“, sagt Weber in bester Franz Beckenbauer-Manier und fügt an: „Wir bleiben demütig, aber auch ehrgeizig.“ Deshalb haben Stefan Weber und sein Trainerteam bereits im Winter für drei weitere Jahre unterschrieben.

Denn beim TV Parsberg sind sie noch nicht fertig.