Seit 20 Jahren mit hoher Trefferquote
Nach schwerer Verletzung: Torjäger Christian Brandl steht vor dem Karriere-Aus

29.05.2024 | Stand 29.05.2024, 14:43 Uhr |

Nach 20 Jahren im Herrenbereich muss Christian Brandl (Mitte) die Schuhe an den Nagel hängen. Foto: Christian Kahler

Sein Name bürgt wie kein anderer für Torjäger-Qualitäten aus dem Landkreis Kelheim: Christian Brandl erzielte in seiner Laufbahn 338 Treffer von der Bezirks- bis in die Landesliga. Eine schwere Verletzung bedeutet nun sehr wahrscheinlich das Ende seiner Karriere.

Brandl klingt geknickt. „Ausgerechnet im letzten Saisonspiel hat’s mich erwischt. Die Achillessehne ist zu 80 Prozent gerissen“, erklärt der 36-jährige Spielertrainer des Bezirksligisten FC Walkertshofen. Ohne Fremdeinwirkung zog er sich die Verletzung im linken Fuß zu. Am vergangenen Freitag ließ sich der gebürtige Kirchdorfer operieren. Sechs Wochen lang muss er einen Spezialschuh tragen und kann sich nur auf Krücken fortbewegen.

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„Die Verletzung ist ähnlich schwer wie meine beiden Kreuzbandrisse.“ Schon als 18-Jähriger und zehn Jahre später erlitt er die Kreuzband-Verletzungen. „Beide Male habe ich sofort daran gedacht, wie ich baldmöglichst auf den Fußballplatz zurückkehren kann. Heute ist das anders.“ Mit bald 37 Jahren sei für ihn ein Comeback schwer vorstellbar. „Das Ende meiner Laufbahn? Es sieht danach aus, bitter.“

Zwei Jahre wollte er noch weiter kicken



Zwei Jahre hätte er gerne noch gespielt, erklärt Brandl gegenüber der Mediengruppe Bayern. „Das wäre ein schöner Ausklang gewesen. Mit einer Verletzung wollte ich nicht abtreten.“ Seit 2019 ist der Stürmer Spielertrainer in Walkertshofen und führte den FC im vergangenen Jahr in die Bezirksliga. 38 Tore steuerte er in der Aufstiegssaison bei, in der abgelaufenen Spielzeit waren es 25 Treffer. Mit Rang acht schloss der Verein seine überhaupt erste Bezirksliga-Saison mit dem frühzeitigen Klassenerhalt ab.

Seine Verantwortung als Trainer wird Brandl weiterhin wahrnehmen. „Das ist mit dem Verein so vereinbart. In der Vorbereitung werde ich aber nicht humpelnd auf dem Platz stehen“, sagt er. Die Co-Trainer Georg Steiger und Sebastian Zettl werden die Übungseinheiten vorwiegend anleiten. Eine andere Frage ist, ob Walkertshofen Ersatz für den Torjäger in der Offensive finden kann, vor allem mit ähnlicher Trefferquote. „Wir haben gute Stürmer, aber die Ausganglage für die zweite Bezirksliga-Saison wird nicht leichter“, sagt Brandl.

Der Filius ist schon am Leder



Der 36-Jährige will seinen Fokus vorerst darauf richten, „dass ich wieder normal gehen kann“. An Fußball denke er gar nicht. Aber schon jetzt vermisse er das Kicken mit seinem zweieinhalbjährigen Sohn im Garten, lächelt der Vollblut-Fußballer, der seit längerem in Walkertshofen lebt.

Ziemlich genau vor 20 Jahren begann Brandls Laufbahn im Herren-Fußball. In der Jugend beim SC Kirchdorf aktiv wechselte er in der U19 zum SV Ihrlerstein. Noch als A-Junior verstärkte er das Team der Brandler in der mittlerweile abgeschafften Bezirksoberliga. Zwei Jahre später (2007) ging er zum TV Schierling, wo er bis 2016 bleiben sollte.

Zeit bei FC Ingolstadt II währte nur kurz



Unterbrochen wurde die lange Zeit im Laabertal von einem sechs Monate währenden Engagement bei FC Ingolstadt II im zweiten Halbjahr 2009. Der Bayernligist war auf den Stürmer aufmerksam geworden, der in der Saison zuvor Torschützenkönig (25 Treffer) in der Bezirksoberliga wurde, und holte ihn. „Der Spaß am Fußball ist mir dort etwas verloren gegangen. Aus heutiger Sicht könnte man sagen, dass ich es vielleicht länger hätte probieren sollen.“ So aber kehrte er schon zur Winterpause zurück nach Schierling.

Bereut hätte er den vorzeitigen Abschied nie. „Natürlich wäre es interessant gewesen zu sehen, ob es für eine höhere Liga gereicht hätte.“ Mit Schierling schaffte er zweimal den Landesliga-Aufstieg – „das waren sicher Highlights“ – und wurde auch in dieser Klasse Torschützenkönig (25 Treffer) in der Saison 2013/14.

Auch mit 30 Jahren noch Landesliga-Goalgetter



In der Spielzeit zuvor traf er mit 30 Toren noch öfter. Nach einem Jahr beim Bezirksligisten TSV Abensberg folgte der Wechsel zur SpVgg Landshut, wo er in zwei Spielzeiten 42 Tore in der Landesliga Südost erzielte, und dann nach Walkertshofen.

Beim Blick auf seine Karriere erinnert sich Brandl an ein Spiel besonders gerne. Es war keine Liga-Partie, sondern ein Auftritt mit einer niederbayerischen Auswahl beim „Paulaner-Cup“ im Jahr 2011. Die Niederbayern hatten sich gegen andere Regionalteams des Freistaats – alle Spieler wurden von einer Jury um Paul Breitner gecastet – durchgesetzt und durften als Belohnung gegen den FC Bayern München antreten.

FC Bayern-Star Franck Ribéry lobte ihn für Auftritt



In Burghausen sahen knapp 10.000 Fans ein Staraufgebot der Bayern mit Mario Gomez, Miroslav Klose, Philipp Lahm, Franck Ribéry und Arjen Robben. „So was vergisst man nie“, so Brandl, der sich mit den Niederbayern erwartungsgemäß in ein 1:13 fügen musste. Der Angreifer war aber ständiger Unruheherd und setzte das Leder auch einmal auf die Querlatte. Nach dem Spiel klopfte Superstar Ribéry dem auffälligen Brandl während eines TV-Interviews auf die Schulter. „Solche Momente bleiben.“

Seine Stationen

Spieler: Jugendverein SC Kirchdorf, SV Ihrlerstein (U19/Herren, 2004 - 2007), TV Schierling (2007 - 2016), TSV Abensberg (2016/17), SpVgg Landshut (2017 - 2019), FC Walkertshofen (seit 2019)

Coach: Als Spielertrainer fungierte Brandl in Schierling (2014 - 2016), Abensberg und Walkertshofen.