Bezirksspielleiter Sedlmaier begeistert
„Das können wir nicht mehr toppen“: Relegation der Superlative mit „gigantischen“ Zuschauerzahlen

06.06.2024 | Stand 06.06.2024, 8:47 Uhr |

Traumkulissen wie hier in Tittling erlebten die Amateurfußballer in den vergangenen zweieinhalb Wochen. − Fotos: Alexander Escher, Duschl

Entspannt spaziert Richard Sedlmaier im Stadion an der Harburger Straße in Landau an der Isar umher. Immer wieder bleibt der 73-Jährige aus Ihrlerstein stehen, unterhält sich mit vielen Menschen – er lacht, er klopft Gesprächspartnern auf die Schulter und strahlt. Richard Sedlmaier ist der Mann der Relegation in Niederbayern und als Funktionär und Fan des Amateurfußballs genießt er diese Tage besonders. Heuer noch einmal intensiver, denn die Relegation 2024 ist ein einziger Superlativ.

Vor dem letzten Entscheidungsspiel an diesem Donnerstag in Pilsting (Pfaffenberg vs. Aufhausen) hat der BFV in 55 Partien, die auf niederbayerischem Boden von der Landesliga- bis zur Kreisklassen-Relegation ausgetragen wurden, 54669 Zuschauer registriert. Im Schnitt fast 1000 (993) pro Spiel! „Was soll ich sagen“, antwortete Sedlmaier daher am Dienstag auf diese Zahl angesprochen, „einfach gigantisch“, platzt es aus dem 73-Jährigen, der seit 2014 Bezirksspielleiter ist, heraus. „Das werden wir nicht mehr toppen können“, meint er.

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Seit Jahren und spätestens der Corona-Pandemie sind die „do-or-die“-Spiele am Ende der Saison praktisch ausnahmslos Kassenschlager und das Interesse stetig gewachsen – die Zuschauerzahlen erreichten immer neue Spitzen. An Fronleichnam wurde erstmals die Marke von 2000 Fans bei einem Entscheidungsspiel gerissen (2193 bei Schönberg vs. Neukirchen v.W. in Tittling), auf Nachfrage konnte sich keiner der regionalen Fußballfunktionäre an ein Relegationsspiel mit mehr Zuschauern erinnern. Am besagten Donnerstag fanden insgesamt nur sechs Partien niederbayernweit statt und viele neutrale Beobachter pilgerten zum Finale um einen Platz in der Kreisliga.

Fans sorgen für Top-Stimmung

Überhaupt konnte beobachtet werden, dass viele Fußball-Anhänger von Relegationsspiel zu Relegationsspiel „hüpften“. Andererseits lassen sich auch Menschen, die mit Fußball eher weniger zu tun haben, die Gelegenheit nicht entgehen, unter Leute zu kommen. Stichwort: Fußball-Feste. Die Entscheidungsspiele sind nichts anderes. Die Fans kamen gut ausgestattet, immer wieder sah man aufwendige Plakate und Choreografien – und selbst im Moment Misserfolgs wurden die Amateurfußballer lautstark gefeiern. Minutenlang sangen beispielsweise am Dienstag die Fans des TSV Gangkofen, obwohl das Team durch eine 0:2-Niederlage gegen Schöfweg au der Bezirksliga abgestiegen ist. „Gute Freunde kann niemand trennen“, der Klassiker es deutschen Fußball-Kaisers Franz Beckenbauer (†) bringt es auf den Punkt.

Natürlich gibt es hier und da auch Kritik, das Hin und Her um Verdachtsspiele im Kreis West, um nur eine Stimme zu nennen. Insgesamt betrachtet hat die Relegation nicht nur Bezirksspielleiter Richard einfach nur begeistert.