Coach der Junglöwen redet Klartext
Schmöller: „Das ist eher ein Drama“ – Kritik an hohen Regionalliga-Auflagen

14.05.2024 | Stand 14.05.2024, 13:31 Uhr

Frank Schmöller, Trainer des TSV 1860 München II, hat Verständnis dafür, dass der SV Erlbach für eventuell nur eine Regionalliga-Saison nicht einfach mal 300.000 Euro in die Hand nimmt. − F.: imago images

Fünf Jahre hat Frank Schmöller die Junglöwen des TSV 1860 München II in der Fußball-Bayernliga Süd trainiert – am kommenden Samstag ist mit dem Gastauftritt in Sonthofen Schluss für ihn. „Sein“ letztes Heimspiel ging am vergangenen Samstag in Gilching mit einem 3:1-Sieg über den SV Kirchanschöring über die Bühne. Im Winter hatte ehemalige DFB-Pokalsieger (1987 mit dem Hamburger SV) interimsmäßig auch die Drittliga-Mannschaft der Löwen gecoacht.

Schmöller (57) war 21 Jahre „auf hohem Niveau“ als Trainer tätig, wie er im Gespräch mit heimatsport.de rückblickend betonte, davon 16 oder 17 Jahre in der Bayernliga. Die Zeit im Winter bei den Profis habe sich „gut angefühlt. Schade, dass das in den zwei Spielen nicht so geklappt hat wie wir es gerne gehabt hätten.“ Wobei die Löwen „gar nicht so schlecht waren – wir haben die Tore einfach nicht gemacht“. Die Wintervorbereitung der Profi-Crew oblag Schmöller komplett, „weil es ja keinen Trainer gab“. Da hätten er und sein Trainerteam die Jungs „gut geschliffen, gut hinbekommen. Körperlich waren wir fit nach der Wintervorbereitung.“

Und bei der U21? Dort arbeiten zu dürfen, habe „einen gewissen Charme“, so der frühere Bundesliga-Spieler. Wenn er das Spiel vom vergangenen Freitag bei Rot-Weiss Essen sehe, „wo mehrere Kicker auf dem Feld waren die wir hochgeschoben haben – ob über die U19 oder U21. Da können wir schon stolz sein, was wir hier geschafft haben.“

Der sportliche Gedanke verschwindet im Hintergrund

Natürlich hat Schmöller die jüngsten (Nicht-)Aufstiegsdiskussionen und Rückzüge der Bayernligisten – zum Beispiel des SV Erlbach – verfolgt. Ihm selbst erging es mit dem SV Pullach ähnlich. „Das ist eher ein Drama“, meint das Nordlicht, wenn man sich sportlich qualifiziere aber nicht aufsteigen könne – „wegen irgendwelcher Verbands- und Lizenzthemen“. Da gehe es manchmal mehr um den Leistungs- als um den Sportgedanken, das finde er ein Stück weit dramatisch. Wenn er daran denke, wie gern die Jungs aus Deisenhofen oder Erlbach „Bayern München, Fürth oder Nürnberg in der Regionalliga gehabt hätten“, sehe er die Lage sehr kritisch: „Das nimmt man denen alles, weil es so hohe Auflagen gibt“, die obendrein fristgerecht umgesetzt werden müssten. Für den ein oder anderen kleineren Verein sei es allerdings wohl nicht dauerhaft möglich, in Liga 4 zu spielen, denn es sei schwierig, die Klasse zu halten. „Dass man für vielleicht nur ein Regionalliga-Jahr 300.000 Euro investiert, um alles in sechs Wochen umzubauen“, sei eben nicht machbar. Das könne Schmöller nachvollziehen.

Einmal richtig drin im Thema, fährt Schmöller energisch fort: Dass Vereine mit nur 20 Punkten noch die Abstiegsrelegation spielen dürfen und nicht direkt runter müssen, dafür fehle ihm das Verständnis – „weil sich Erfolg im Sport immer noch lohnen und Misserfolg dementsprechend geahndet oder bestraft werden sollte“. Der „Supergau“ wäre in Augen des Ex-HSV-Spielers, „wenn wegen dieser Problematik in der Bayernliga Vereine der Regionalliga als Letzter oder Vorletzter nicht absteigen müssen – denn dann hast du jeden Leistungsgedanken komplett über Bord geworfen.“

Sechzig war für ihn „die berühmte Kirsche auf der Sahne“

Was Schmöller nochmals gerne erleben würde? „Das weiß ich tatsächlich nicht.“ Doch Sechzig sei auf alle Fälle „die berühmte Kirsche auf der Sahne“ gewesen. Er macht jetzt ein halbes Jahr Pause, was dann kommt, sei offen. „Es war eine schöne Reise.“

− mw