Zwei faule Eier im FCP-Nest
Nach Heimpleite gegen Tabellenvorletzten: Pipinsrieds Chefcoach Weng streicht trainingsfreien Ostermontag

31.03.2024 | Stand 31.03.2024, 13:30 Uhr

Kein Vorbeikommen: Fabian Benko (Mitte) gehörte zu jenen vier Pipinsriedern, für die nach einer unterirdischen Vorstellung bereits in der Halbzeitpause Feierabend war. In dieser Szene blieb der 25-Jährige an Giovanni Pollio (l.) und Felix Günzel (r.) hängen.  Foto: A. Goldberg

Martin Weng, der Cheftrainer des FC Pipinsried, hatte viel erwartet – aber nicht, dass seine Mannschaft eine derart „schlechte erste Halbzeit“ wie am Karsamstag hinlegen würde. „Das grenzte schon teilweise an Arbeitsverweigerung“, hielt er mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der Bayernliga-Süd-Tabellenvorletzte VfR Garching, der bis zum Samstag achtmal hintereinander kein Spiel mehr gewonnen hatte, den Gelb-Blauen schon vor der Halbzeitpause zwei faule Eier ins Osternest gelegt hat. Daran änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts mehr, selbst wenn Weng seinem Team das Bemühen in der zweiten Hälfte nicht absprechen wollte. Nichtsdestotrotz hat er nach der alles andere als unverdienten 0:2 (0:2)-Heimniederlage den trainingsfreien Ostermontag gestrichen.
Den Spagat zwischen Pokalhalbfinale und Liga-Alltag bekamen die Pipinsrieder Fußballer nicht hin. Was wurde die Woche über nicht alles im Dachauer Hinterland gepredigt, dass es gegen die Garchinger einzig und allein auf das entsprechende Engagement ankommen würde. „Wir haben es aber nicht geschafft, die richtige Einstellung auf den Platz zu bringen“, sagte hinterher auch der spielende Co-Trainer Ludwig Räuber: „Wir waren nicht zu 100 Prozent da.“ Und sein Chef Weng pflichtet ihm bei: „Wenn wir nicht auf 100 Prozent kommen, gewinnen wir gegen niemanden.“ Also nicht einmal gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller.

Die Garchinger wussten, was für sie die Stunde geschlagen hatte, nachdem ihnen der Tabellenletzte, der Kirchheimer SC, durch seinen Kantersieg am Gründonnerstag (6:0 gegen den TSV 1860 München II) auf die Pelle gerückt war. Es war zwar beileibe nicht so, dass der einstige Regionalligist die Gelb-Blauen in Grund und Boden spielte, aber mit seinen überfallartigen Angriffen stürzte er den Pipinsrieder Defensivverbund von einer Verlegenheit in die nächste. Ihr früher Führungstreffer nach fünf Minuten spielte den Weiß-Schwarzen obendrein in die Karten: Nach einer Ecke fühlte sich in der FCP-Abwehr keiner
für Alekzandar Sinabov zuständig, dessen Schuss Gabriel Wanzeck nur noch in den Kasten lenken musste – 0:1.

Ein Weckruf für den FCP? Mitnichten. Die Pipinsrieder wirkten von Beginn an recht träge, ihr Offenspiel war einfallslos – und in den Zweikämpfen kamen sie stets einen Schritt zu spät. Bei Temperaturen um die 20 Grad hatte der Auftritt der Gastgeber schon etwas von Sommerfußball, den in der Endphase einer Meisterschaft Mannschaften spielen, für die es im Klassement vermeintlich um nichts mehr geht. Dabei hatte Weng das Ziel ausgegeben, in der Tabelle noch ein paar Plätze nach oben klettern zu wollen.
Es kam für die Pipinsrieder aber noch schlimmer, als sich kurz vor der Halbzeitpause ihr Torhüter Maximilian Retzer einen bösen Schnitzer leistete. Wieder einmal. Sein Patzer am Samstag erinnerte stark an den zum Frühjahrsrundenstart gegen den TSV Rain, als er durch einen ähnlichen Fehler die 0:1-Niederlage mit zu verantworten hatte. Auch am Samstag zögerte der 21-Jährige bei einem weiten Freistoß mit dem Herauslaufen, Felix
Günzel düpierte den zaudernden Retzer, nickte die Kugel am FCP-Schlussmann vorbei zum 0:2 ins Tor (41.).
Es war schon vielsagend für
den Pipinsrieder Auftritt, dass
Weng zur zweiten Hälfte gleich
viermal wechselte. „Ich hätte noch vier weitere Wechsel vornehmen können, das ist aber nicht erlaubt“, hatte der Dasinger zumindest seinen Humor nicht verloren. Im zweiten Durchgang waren die Gastgeber zwar engagierter, aber die Pipinsrieder Problematik in diesen Wochen und Monaten blieb unübersehbar: „Gegen Gegner, die tief stehen, fällt uns wenig ein – und so tun wir uns schwer, Tore zu schießen“, analysierte Räuber. In seinen fünf Pflichtpartien nach der Winterpause blieb der weiterhin neuntplatzierte FCP jetzt bereits zum vierten Mal ohne eigenen Treffer.

Herbert Walther