Gemischte Gefühle zum Abschied
Bayernliga: FC Ingolstadt II muss sich im letzten Spiel unter Trainer Karg mit einem 2:2 beim ASV Cham begnügen

19.05.2024 | Stand 19.05.2024, 0:04 Uhr |
Julian Meier

Der scheidende FCI-Trainer Thomas Karg. Foto: Meyer (Archiv)

Wenn man die Saison des FC Ingolstadt II in der Bayernliga Nord in nur einem Spiel zusammenfassen könnte, würde es wohl so verlaufen wie das 2:2 (0:1) gegen den ASV Cham. Ein Wechselbad der Gefühle war die ganze Spielzeit, genauso wie das letzte Saisonspiel am Samstagnachmittag: Nach einer schwachen ersten Halbzeit 0:1 im Rückstand, im zweiten Durchgang die Partie gedreht, bevor in der Nachspielzeit der Sieg doch noch aus der Hand gegeben wurde.

„Es war eine sehr, sehr wilde Saison, die wir jetzt auf dem fünften Platz abgeschlossen haben. Das ist wahrscheinlich auch das Spiegelbild der Leistung, die wir abgerufen haben“, meinte Thomas Karg. Für ihn war es der letzte Auftritt als U21-Trainer, genauso wie für eine ganze Reihe von Spielern. Der erhoffte Sieg zum Abschied blieb ihnen allerdings verwehrt. Das 2:2 in Cham war das fünfte Remis am Stück – das mit 2:0 für den FCI gewertete, ausgefallene Spiel gegen Donaustauf mal ausgenommen. „Drei von diesen Partien müssen wir unbedingt gewinnen. Bei den letzten beiden Spielen waren wir am Ende gut bedient, auch wenn kurioserweise jeweils in der Schlussminute das Tor für den Gegner gefallen ist“, räumte Karg ein.

Dass sein Team am Ende dem vergebenen Sieg nachtrauern musste, danach hatte es im ersten Durchgang überhaupt nicht ausgesehen. „Ganz schlecht“ habe sein Team gespielt, meinte Karg. Nur dank eines überragenden Keepers Leopold Leimeister, der in fast allen Eins-gegen-Eins-Situationen Sieger blieb, fiel der Rückstand zur Pause nicht höher aus. In Minute 14 allerdings musste auch er sich geschlagen geben, als Björn Zempelin nach einem lange Ball frei vor dem Tor auftauchte und zum 1:0 verwandelte.

„Wir waren mit der ersten Halbzeit gar nicht zufrieden. Dann haben wir ein paar Umstellungen gemacht“, erklärte Karg. Unter anderem ersetzte Stürmer Valdrin Konjuhi den Sechser Valentin Hoti. Die Veränderungen halfen: Fortan strahlten die Jungschanzer deutlich mehr Torgefahr aus. Mitte der zweiten Halbzeit wurden sie schließlich auch belohnt: Bei einem Konter setzte sich der eingewechselte Davide Sekulovic im Zentrum durch, legte nach außen ab auf Konjuhi, der den Ball wiederum scharf in die Mitte brachte, wo Chams Felix Voigt die Kugel ins eigene Tor lenkte (73.).

Es dauerte nicht lange, und die Ingolstädter stellten das Spiel völlig auf den Kopf. Nur zwei Minuten später war es Kapitän Fabian Cavadias, der einen Freistoß direkt verwandelte – bereits sein sechster Freistoßtreffer in dieser Spielzeit. Das brachte auch Trainer Karg ins Schwärmen: „Er hat einfach eine außergewöhnliche Schusstechnik. Das dann auch so häufig in der Drucksituation während des Spiels zu zeigen, ist schon eine außergewöhnliche Fähigkeit. Das ist einfach eine Qualität, die ihn auszeichnet.“ Eine Qualität, auf die die Schanzer künftig verzichten müssen, denn Cavadias wird den Verein nur ein Jahr nach seiner Rückkehr verlassen.

Ein weiterer Spieler, der keinen neuen Vertrag erhält, ist Aurel Kuqanaj. Sein Abschied fiel aber deutlich weniger erfreulich aus: Als Gegenspieler Voigt ihn bei einem aussichtsreichen Konter zu Fall brachte, brannten beim 19-Jährigen kurz die Sicherungen durch und er schubste seinen Gegenspieler zu Boden; für seine Tätlichkeit wurde er vom Platz gestellt (85.). In Unterzahl musste der FCI nun plötzlich wieder zittern. Eine „Abwehrschlacht“ sei es in den letzten Minuten gewesen, sagte Karg. Eine mit unglücklichem Ausgang für die Gäste, denn der eingewechselte Anton Henning drückte in der Nachspielzeit den Ball im Nachstochern noch über die Linie und sorgte bei Ingolstadt so für gemischte Gefühle zum Abschluss (90.+5).

„Am Ende müssen wir uns mit dem 2:2 begnügen, aber mit der Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit kann ich trotzdem leben“, erklärte Karg. Durch den späten Punktverlust rutschte der FCI in der Tabelle noch auf Platz fünf ab, das letzte Minimalziel bleibt somit unerreicht. Nach einer schwierigen Saison dürfte das letztlich aber zweitrangig sein.

jme


FC Ingolstadt II: Leimeister – Perconti (62. Metaj), Cavadias, Paul, Schwarzensteiner, Kuqanaj – Hoti (46. Konjuhi), Riedl – Krupa (88. Atak), Udebuluzor (62. Sekulovic), Wiezorrek (90.+4. Dedaj). – Tore: 1:0 Zempelin (14.), 1:1 Voigt (73./Eigentor), 1:2 Cavadias (75.), 2:2 Henning (90.+5). – Rote Karte: - / Kuqanaj (85. Tätlichkeit). – Schiedsrichter: Prechtl (Tittling). – Zuschauer: 280.