Geldregen für Regensburg
Aufstieg zahlt sich in barer Münze aus: Enormes Plus an TV-Geldern für SSV Jahn

12.06.2024 | Stand 14.06.2024, 11:07 Uhr |
Gerd Otto

Kameras im Jahnstadion: Die Einnahmen aus Fernsehgeldern unterscheiden sich in der 2. und 3. Liga sehr stark. Foto: dpa/Sebastian Widmann

Der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga ist für den Jahn vor allem auch finanziell bedeutend. In der kommenden Saison kann der SSV statt der 1,3 Millionen Euro an Fernsehgeldern, die er als Drittligist bekommen hatte, künftig mit über 8,7 Millionen Euro rechnen.



Im Vereinsfußball, national wie international, rollt der Ball derzeit zwar nicht. Dennoch werden mit Blick auf die beiden höchsten Ligen in Deutschland gerade die entscheidenden Weichen gestellt. Um aber in dem bis zum 30. August (20 Uhr) geöffneten Transferfenster mithalten zu können, sollten die Vereine neben ihren sportlichen Ambitionen auch die wirtschaftliche Vernunft beachten.

Wie die für Bundesliga und 2. Bundesliga zuständige Deutsche Fußball Liga (DFL) anlässlich ihres neuesten Wirtschaftsreports betont, schreiben immerhin zwei Drittel der Klubs, exakt 23 von 36 Vereinen, schwarze Zahlen – ein genauer Blick auf die Finanzkennzahlen der Vereine zeigt aber auch, wie unterschiedlich in den beiden Topligen gewirtschaftet wird.

Gewaltige Herausforderungen

Wer ein Unternehmen, also auch einen Fußballklub, nach seinem wirtschaftlichen Potenzial beurteilen will, sollte eine Kennzahl vor allem beachten – das Eigenkapital. Wie im „richtigen Leben“, so ist auch im Profisport ein negatives Eigenkapital jedenfalls kein gutes Zeichen, bedeutet dies doch, dass man mehr Schulden als Kapital hat. Wir schauen Hans Rothammer, dem Vorstandsvorsitzenden des SSV Jahn Regensburg, bei der Lektüre der Finanzkennzahlen der künftigen Zweitligisten ein bisschen über die Schulter.

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Schließlich weiß der Jahn-Präsident, was Finanzen für einen Fußballklub bedeuten, stand er doch selbst vor rund zehn Jahren bei der auch von sportlichen Rückschlägen nicht freien Neuorientierung des Traditionsvereins vor gewaltigen Herausforderungen. Ehe es nach dem Abstieg in die Viertklassigkeit (ausgerechnet verbunden mit dem Umzug in die neue Arena!) wieder aufwärts ging und später sechs Spielzeiten die 2. Liga folgen sollten, betrug das Eigenkapital des Vereins zu Beginn dieser Entwicklung minus 8,9 Millionen Euro – und die Verbindlichkeiten, sprich Schulden, waren bei vier Millionen Euro gelandet.

Und heute? Trotz des Abstiegs in die 3. Liga, aus der jetzt wieder eine Rückkehr in Liga zwei wurde, hatte der DFL-Wirtschaftsreport für den SSV Jahn ein Eigenkapital von 15,810 Millionen Euro errechnet und damit sogar etwas mehr als für den 1. FC Köln, mit dem es die Regensburger in der ab 2. August beginnenden Zweitliga-Saison erneut zu tun bekommen. Während in den DFL-Zahlen für den SSV Jahn noch 1,276 Millionen Euro an Verbindlichkeiten ausgewiesen werden, ist Rothammer davon überzeugt, dass nach den erfolgten Abgrenzungen sogar 100 Prozent Eigenkapital zu Buche stehen werden. Außerdem verweist der Jahn-Präsident darauf, dass in der Eigenkapitalsumme von 15,8 Millionen Euro die vier Millionen Euro des SSV Jahn e.V. noch gar nicht enthalten seien. Jedenfalls stehen hier die Regensburger in der 2. Bundesliga „ganz vorne mit dabei“, insbesondere auch im Vergleich mit dem 1. FC Nürnberg, für den die DFL für das Geschäftsjahr 2022/23 ein Minus von knapp sechs Millionen Euro ermittelt hatte.

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Wie unterschiedlich sich die Finanzkennzahlen der einzelnen Vereinen gerade in der 2. Liga darstellen, wird an den Beispielen Schalke und Hertha BSC deutlich. Für den Gelsenkirchener Altmeister nennt der DFL-Wirtschaftsreport 2023 ein Eigenkapital von minus 103,3 Millionen Euro, bei Verbindlichkeiten in Höhe von über 168 Millionen Euro. Für Hertha BSC stehen mehr als 102 Millionen Euro zu Buche. Ähnlich eklatant fallen die Unterschiede in der Gewinn- und Verlustrechnung der 18 Zweitliga-Vereine aus, etwa im Bereich Personalaufwand für Spieler, Trainer und Teile der Geschäftsführung. Während für den SSV Jahn bei einem Rohergebnis von über 24 Millionen Euro 11,1 Millionen Euro fürs Personal ermittelt wurden, lauten die Werte für die künftigen Gegner Hertha 97 Millionen Euro und für Schalke 73 Millionen Euro. Aber auch der 1. FC Köln (68,7 Millionen Euro) oder der Hamburger SV mit 41 Millionen Euro leben offensichtlich in einer anderen Welt – mit Umsätzen weit über 100 Millionen Euro. Für Spielerberater haben die Berliner 15 Millionen Euro, Köln und Schalke jeweils über fünf Millionen Euro ausgegeben – für den SSV Jahn ist dafür in der Saison 2022/23 ein Betrag von 417 000 Euro notiert.

Zweite und dritte Säule

Der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga ist für den Jahn aus finanziellen Gründen auch deshalb von Bedeutung, weil er in der kommenden Saison statt der 1,3 Millionen Euro an Fernsehgeldern, die er als Drittligist bekommen hatte, künftig mit über 8,7 Millionen Euro rechnen kann. Garantiert erhält jeder Verein der 2. Bundesliga 7,44 Millionen Euro. Zum Vergleich: die Bundesligisten bekommen jeweils mindestens 26,2 Millionen Euro! Neben diesem Sektor, über den 50 Prozent der Gesamtsumme verteilt werden, steht die zweite Säule unter dem Aspekt „Leistung“, mit einer für die Bundesliga und die 2. Bundesliga im Verhältnis 5:4:3:2:1 getrennten Fünfjahres-Wertung sowie einer in Bezug auf die Leistung durchgängigen Zehn-Jahreswertung aller 36 Vereine.

Außerdem findet bei der Verteilung der Fernsehgelder der Aspekt „Nachwuchs“ immer mehr Beachtung, also etwa die Einsatzminuten der U23-Spieler sowie die dafür aufgewendete Ausbildung. Schließlich wird auch das durch eine repräsentative Stichprobe ermittelte Interesse der Öffentlichkeit an dem jeweiligen Klub honoriert.