2. Frauen-Bundesliga
Abteilungsleiterin Simone Wagner über die turbulente Saison, die Trainerfrage und hochkarätige Zugänge

25.05.2024 | Stand 25.05.2024, 11:00 Uhr
Sabine Kaczynski

Sieht das Auf und Ab bei den FCI-Frauen als Teil eines Lernprozesses: Abteilungsleiterin Simone Wagner. Foto: Meyer

Am Sonntag (14 Uhr, MTV-Stadion) endet für die Frauen des FC Ingolstadt in der 2. Fußball-Bundesliga eine ereignisreiche Saison. Nach einer hervorragenden Hinrunde brachen die Schanzerinnen in der Rückrunde ein, landeten nur noch einen Sieg und gerieten entgegen allen Erwartungen sogar noch in den Abstiegskampf.

In der turbulenten Saisonendphase übte Trainer Miren Catovic massiv Kritik an seinem Team, stellte sich aber auch selbst in Frage. Erst am vergangenen Spieltag gelang der Klassenerhalt, außerdem kündigte der Trainer sein weiteres Engagement an. Im Gespräch nimmt Abteilungsleiterin Simone Wagner zu den Abläufen, zur Trainerentscheidung und zu den Planungen für die kommende Spielzeit Stellung.

Frau Wagner, in der Saisonendphase hat es bei den FCI-Frauen mächtig gebrodelt. Inzwischen ist die Klasse gesichert – wie ist die Stimmung inzwischen?
Simone Wagner: Eine Saison ist immer mit Höhen und Tiefen verbunden, das ist nicht überraschend, zumal wir eine sehr junge Mannschaft und einen zwar erfahrenen, aber dennoch jungen Trainer haben. Für unsere Spielerinnen war diese Saison vor allem mental sehr fordernd. Sie haben in der Winterpause von der oberen Tabellenregion geträumt – stattdessen folgten Niederlagen, die schließlich zu wachsender Enttäuschung und Unmut führten. In den letzten beiden Wochen wurden deshalb viele Gespräche geführt – auch von meiner Seite mit Spielerinnen und Coach. Das ist wichtig, um die Situation zu analysieren und aufzuarbeiten – denn zufriedenstellend war die Rückrunde für niemanden. Wir alle – Mannschaft, Trainer und auch ich als Verantwortliche – befinden uns in einem Lernprozess, deshalb ist diese unbefriedigende Phase nicht dramatisch. Wichtig ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen und die kommende Saison erfolgreicher zu gestalten. Wir werden gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.

Gab es Zweifel an einer weiteren Zusammenarbeit mit Trainer Miren Catovic, der sich zeitweise selbst in Frage stellte?
Wagner: Nein, die Abteilungsleitung hat keine Sekunde an Team oder Trainer gezweifelt. Miren ist ein sehr emotionaler Typ, dem bewusst ist, dass er der Hauptverantwortliche für die Frauenmannschaft ist. Er weiß, was er kann und auch, was die Mannschaft kann, die die Trainingsleistung aber nicht auf den Platz brachte. Er versuchte mit verschiedenen Maßnahmen dem Team zu helfen, was aber von Woche zu Woche nicht fruchtete. Dass ein Trainer dann sich und die ganze Situation hinterfragt, ist legitim und richtig.

In der Abteilungsleitung, so hört man, wird es aber Änderungen geben.
Wagner: Ich erwarte zum zweiten Mal Nachwuchs und trete daher für mindestens ein halbes Jahr etwas kürzer. Solveig Böhme, die als Spielerin in der Bundesliga und als Trainerin im Juniorinnen- und Herrenbereich sowie als Teammanagerin Erfahrungen gesammelt hat, übernimmt die sportliche Leitung und wird dabei von Veronika Drenski und Stefanie Hamberger unterstützt. Ich bleibe aber im Hintergrund weiterhin dabei.

Welche Spielerinnen werden beim letzten Ligaspiel gegen Potsdam verabschiedet?
Wagner: Da gibt es noch einige Fragezeichen. Den Verein sicher verlassen werden Yvonne Dengscherz und Rebecca Villena y Scheffler, außerdem wird Andrea Heigl ab September ein Auslandssemester absolvieren.

Können Sie schon Neuzugänge verkünden?
Wagner: Nicht nur mit Spielerinnen aus den eigenen Reihen, auch mit neuen Akteurinnen laufen gerade die letzten Verhandlungen. Aber ich kann bereits verraten, dass mindestens vier Qualitätsspielerinnen mit Erst- und Zweitligaerfahrung zu uns wechseln werden.

Welche Ziele peilen Sie für die kommende Saison an?
Wagner: Wir befinden uns noch immer in einem Entwicklungsprozess. Daher würde ich eine Position im oberen Mittelfeld prognostizieren. Entscheidend ist, eine konstante Leistung über die komplette Saison zu zeigen, bei der wir zu keiner Zeit etwas mit dem Abstieg zu tun haben. Das ist aber angesichts von vier Trainingseinheiten pro Woche bei gleichzeitigem 40-Stunden-Job oder Studium bzw. Schule für die Spielerinnen nicht einfach. Das geht wieder ans körperliche und mentale Limit – so sind nun mal unsere Strukturen.

Sind angesichts dieser Belastungen höhere finanzielle Zuwendungen durch den Verein zu erwarten?
Wagner: Da unsere Profimannschaft nicht aufgestiegen ist, wird unser Budget nicht erhöht, also können wir an der finanziellen Unterstützung für die Spielerinnen nichts ändern. Wir versuchen stattdessen, durch Investitionen in Infrastruktur und Organisation die Gesamtsituation zu professionalisieren und die Spielerinnen bestmöglich zu unterstützen. So wurde beispielsweise wieder ein Athletiktrainer verpflichtet. Wir versuchen, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln das Maximale herauszuholen. Das gelingt uns ganz gut, weil wir alle 150 Prozent für den Verein geben.

Das Gespräch führte
Sabine Kaczynski.