Irgendwie über die Ziellinie
2. Bundesliga: Bei den FCI-Frauen rumort es – zugleich geht es beim Spiel in Wolfsburg um den Klassenerhalt

18.05.2024 | Stand 18.05.2024, 13:00 Uhr

Schwierige Analyse: Im Abstiegskampf hat das Frauen-Team des FC Ingolstadt um Trainer Miren Catovic (hinten, Mitte) nicht nur Punkte, sondern auch einiges an Zuversicht verloren. In Wolfsburg soll nun der letzte Schritt zum Klassenerhalt gelingen. Foto: Roth

Der letzte Schritt ist oft der schwerste. Die Fußballerinnen des FC Ingolstadt können in der 2. Bundesliga gerade ein Lied davon singen. Nach einer tollen Hinrunde und Tabellenplatz sechs lagen die Schanzerinnen in der Winterpause nur vier Zähler hinter den Aufstiegsrängen. Dann folgte jedoch eine verheerende Rückrunde: Mit nur vier Zählern aus den elf Partien des neuen Jahres steckt das Team längst im Abstiegskampf und braucht zwei Spieltage vor dem Saisonende noch immer einen Zähler, um ganz sicher in der Klasse zu bleiben. An diesem Sonntag (11 Uhr) geht es zum Tabellenvorletzten VfL Wolfsburg II.

Dabei wirkt der Gegner auf den ersten Blick wie eine Steilvorlage. Unter normalen Umständen sollte beim 13. doch was möglich sein, mag man als Beobachter denken. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende dominiert beim Blick auf das anstehende Spielwochenende im Ingolstädter Lager aber nicht die Analyse des Gegners. Seit der ernüchternden 1:4-Heimpleite gegen Hoffenheim II – die Ingolstädterinnen brachen gegen den Tabellenletzten schon nach knapp 20 Minuten ein – machen sich Beobachter vor allem Sorgen um das Zusammenspiel der Beteiligten.

„Man muss sich fast schämen für diese Leistung. Uns fehlen Willen und Disziplin, das grenzt an Arbeitsverweigerung“, hatte der sichtlich angefressene FCI-Coach Miren Catovic in der Enttäuschung unmittelbar nach der Hoffenheim-Pleite sehr deutliche Worte gefunden. Der 35-Jährige stellte sich im Anschluss sogar selbst in Frage („Ich weiß nicht, ob ich noch der richtige bin für diesen Job“), bestätigte inzwischen aber, dass er zumindest die verbleibenden beiden Saisonspiele noch anleiten wird. „Alles andere fänd’ ich auch nicht in Ordnung.“ In Bezug auf nächste Saison wollte sich Catovic aber nicht festlegen. „Da ist derzeit alles offen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Wie sehr Mannschaft und Trainer derzeit um den weiteren Weg ringen, wird auch an einem anderen Umstand deutlich, der die zurückliegende Trainingswoche betrifft. „Wir haben uns dazu entschieden, dem Kader am Dienstag und Mittwoch freizugeben, damit alle runterkommen können und jeder mal ein wenig Abstand gewinnt“, erklärt der Trainer die überraschende Trainingspause. Abteilungsleiterin Simone Wagner äußert Verständnis – für die Maßnahme und für ihren Cheftrainer: „Miren ist emotional, genauso wie die Mädels, durchaus getroffen. Alle sind nach den Ergebnissen der Rückrunde natürlich unzufrieden, das ist doch klar. In so eine Situation hilft es eben nicht, immer noch mehr zu trainieren, da kann eine Pause genau das Richtige sein“, meint Wagner, die nach Einzelgesprächen mit den Spielerinnen, wie sie sagt, „keine speziellen Störfaktoren“ ausgemacht hat.

Nach der ersten Einheit der Woche am Donnerstag bestätigte Catovic dann, dass die kleine Pause „uns offensichtlich allen ganz gut getan hat. Von der Stimmung war ich jedenfalls positiv überrascht, ich kann gar nichts Negatives sagen.“ Aus dem Spielerinnenkreis habe Kapitänin Lisa Ebert auch ein gewisses Verständnis gezeigt und erklärt, dass Kritik nun mal zum Geschäft gehöre, wie Catovic wiedergab.

Immerhin: In personeller Hinsicht kann der Trainer für das Wolfsburg-Spiel aus dem Vollen schöpfen, mit Ausnahme der Langzeitverletzten sind alle Spielerinnen an Bord, wie er bestätigt. Dennoch ist davon auszugehen, dass der Coach mit einigen Wechseln versuchen wird, Impulse zu setzen. Schon beim Hoffenheim-Spiel hatte die frühzeitige Auswechselung von Kapitänin Ebert gezeigt, dass er dabei auch vor Stammkräften nicht haltmacht. „Es wird sicher die eine oder andere Änderung geben“, kündigt er an.

Gelingt dann – mit welchem Kader auch immer – in Wolfsburg der letzte noch fehlende Punktgewinn (alternativ würde es auch reichen, wenn Konkurrent Weinberg gegen Jena nicht gewinnt), dann hätten die Ingolstädterinnen zumindest in sportlicher Hinsicht Klarheit. Viele andere Fragen zur Zukunft der FCI-Frauen scheinen derzeit allerdings völlig offen.

DK