Interesse jetzt schon riesig
Plötzlich ist Ismaik am Telefon: Umstrittener 1860-Investor beim Löwen-Fanklub in Karlshuld

27.05.2024 | Stand 28.05.2024, 17:29 Uhr

100 Millionen Euro für 1860 München – wenn...: Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik ließ vor der vielleicht wegweisenden Mitgliederversammlung der Löwen mit einem verlockenden Angebot aufhorchen und will nun Fanklubs abklappern. Dabei kommt er am 10. Juni nach Karlshuld. Foto: Imago Images

Hasan Ismaik kommt nach Karlshuld (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen). Am Montag, 10. Juni, will der Mehrheitsgesellschafter des TSV 1860 München bei einer Art Talkrunde mit den Löwenfans aus der Region über seine Pläne mit dem Traditionsverein aus der 3. Liga sprechen und Fragen beantworten. Die Organisatoren aus dem Donaumoos blicken dem Treffen mit einer Mischung aus Ungläubigkeit, Spannung und Vorfreude entgegen.



Es ist Wahlkampf. Nicht nur in der Politik mit der bevorstehenden Europawahl, auch bei den Löwen. Und Ismaik, dem 60 Prozent der Anteile an der Profifußball-KGaA von 1860 gehören, hat längst in diesen Modus geschaltet. Nach seiner ausführlichen Videobotschaft inklusive verlockendem 100-Millionen-Angebot („wenn...“) hatte er zuletzt auch angekündigt, „jede Fanklub-Einladung“ vor der richtungsweisenden Mitgliederversammlung am 16. Juni annehmen zu wollen.

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Im Gasthaus Klosterwirtschaft überschlagen sich die Dinge



Die Klosterlöwen, der 2021 gegründete Fanklub aus Karlshuld, hatten selbst zwar gar nicht geladen und sind, wie sie auf Anfrage betonen, auch nicht der Veranstalter. Doch über die Neuburger Gerhard Schnell, langjähriger Vorsitzender der ARGE (ehemalige Dachorganisation zahlreicher Fanklubs), und Jutta Schnell, langjährige Fanbeauftragte beim TSV 1860, kam bei der Suche nach einem Ort das Donaumoos ins Spiel. „Unser Wirt hat dann sofort zugesagt“, berichtet der Vorsitzende der Klosterlöwen, Johannes Seitle. Ja, und irgendwie hätten sich die Dinge rund um das namenstiftende Gasthaus Klosterwirtschaft dann überschlagen.



20-minütiges Gespräch mit Hasan Ismaik – und Dolmetscher



Skurril sei das, spannend, und auch ein bisschen „spooky“, wie der Vorsitzende es nennt. Vor allem, als am Sonntagabend gegen 19.30 Uhr plötzlich das Telefon seines Stellvertreters Michael Hemauer klingelte. „Meine Stimme war schon ein bisschen zittrig“, beschreibt Hemauer. Es sei ja nicht alltäglich, dass Löwen-Investor Ismaik höchstpersönlich (plus Dolmetscher) bei einem ganz „normalen“ Fan anrufe. In dem etwa 20-minütigen Gespräch sei es dann vor allem um Organisatorisches gegangen, bis zur vermeintlich banalen Frage, was Ismaik denn essen wolle. Hemauers Fazit: „Das wirkte alles sehr unkompliziert und entspannt.“

Fanklub-Vorsitzender Seitle: „Ich bin kein besonders großer Fan“



Wie die Karlshulder Löwen-Fans generell zum umstrittenen Investor stehen? „Ich bin kein besonders großer Fan“, räumt Seitle ein, sagt aber auch: „Ich stehe den beiden Lagern, die es ja in der Kurve und auch in den Fanklubs gibt, grundsätzlich recht neutral gegenüber.“ Er findet: „Ein Austausch schadet doch bestimmt nicht. So kann man sich besser kennenlernen als über die Medien.“ Dass sich auch Ismaik darauf einlasse, bewertet Seitle als „sehr positiv“.

Kandidaten für Mitgliederversammlung im Zenith positionieren



Trotzdem mache er sich nichts vor: „Es geht natürlich auch um Werbung und Wahlkampf“, weiß Seitle. In zweieinhalb Wochen wird der bei den Löwen qua Satzung mächtige Verwaltungsrat neu bestimmt, für den die Gesellschafter „ihre“ Kandidaten – in Ismaiks Fall vor allem Saki Stimoniaris, der e.V. die Unterstützer von Präsident Robert Reisinger – positionieren wollen. Ismaik hat angekündigt, nach 13 Jahren als Mehrheitsgesellschafter am 16. Juni erstmals selbst bei der Versammlung in der Konzerthalle Zenith in München dabei sein zu wollen.

Liste der Anfragen und Interessenten schon jetzt „viel zu lang“



Bevor es dort ernst wird, läuft der Wahlkampf in Karlshuld, wo ab 19 Uhr eigentlich jede und jeder die Möglichkeit haben sollte, vorbeizuschauen. „Aber so können wir das nicht machen, wir müssen jetzt wohl mit Reservierungen arbeiten“, sagt Hemauer. Die Liste der Anfragen und Interessenten sei schon jetzt viel zu lang.

DK