Fein, antrittsschnell, trickreich
Note eins für Kother: Der Matchwinner der Jahn-Relegation bleibt bescheiden

30.05.2024 | Stand 04.06.2024, 10:15 Uhr |

Per Kopf: Dominik Kother (r.) erzielt gegen Wehens Keeper Florian Stritzel den Führungstreffer.

Dominik Kother zählt eigentlich nicht zu den Zeitgenossen, die gerne mal die Sau rauslassen. Selbst als sein Teamkollege Felix Gebhardt sich am späten Dienstagabend nach dem 2:1-Sieg im Relegations-Rückspiel im Wiesbaden von hinten heranpirschte, ihm etwas ins Ohr flüsterte und ihn anschließend mit Bier übergoss, blieb der 24-Jährige erstaunlich gelassen. Dabei hätte Kother allen Grund gehabt, in Jubelstürme auszubrechen – auch und vor allem angesichts seiner eigenen Leistung.

Kein Zweifel: Der SSV Jahn hat es zu einem Großteil dem offensiven Mittelfeldspieler zu verdanken, dass er in der kommenden Saison wieder in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Traditionsklubs wie Schalke, Hertha, Köln, Hamburg oder Kaiserslautern antreten wird. Schon beim 2:2 im Hinspiel am Freitag in Regensburg hatte Kother mit seinem Ausgleichstreffer die Hoffnungen am Leben gehalten. In Wiesbaden war er erneut der überragende Akteur auf dem Platz, steuerte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den wichtigen Führungstreffer bei und legte Konrad Faber das zweite Jahn-Tor auf. Das Fachmagazin „Kicker“ spendierte für diese Performance die Note eins und die Ernennung zum „Spieler des Spiels“.

Kother blieb indes wie stets bescheiden und rückte den Auftritt des Kollektivs in den Vordergrund: „Es ist unglaublich, was wir als Mannschaft alles auf dem Platz gelassen haben. Gerade am Ende war jeder platt. Das hat man auch gesehen. Aber ja, wir haben alles wegverteidigt, das Leben gelassen und den Aufstieg so vollendet." Die Frage, ob er sich seine besten Leistungen in einer ohnehin starken Saison für die entscheidenden Do-or-die-Spiele aufgehoben hatte, war naheliegend. Er beantwortete sie so: „Was heißt aufgehoben? Ich habe alles gegeben. Hätte ich davor gewusst, dass alles so kommt, hätte ich es direkt unterschrieben. Ich bin glücklich und unfassbar stolz auf die Mannschaft, was wir dieses Jahr geleistet haben – mit Höhen und Tiefen. Es ist einfach ein tolles Gefühl."

Kother ist ein feiner Techniker, antrittsschnell, trickreich. In der Saison 2022/23 war er von Waldhof Mannheim an den Karlsruher SC ausgeliehen und von dort zum Jahn gestoßen. Nun dürfte er viele Klubs nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht haben.

Bei all seinen Qualitäten war er bislang nicht als Kopfballungeheuer aufgefallen. Ein Missverständnis, wie er am Dienstagabend mit Blick auf seinen Führungstreffer verschmitzt erklärte. „Ich hab‘ schon immer ein gutes Timing, was Kopfbälle angeht. Deswegen bin ich ja in dieser Szene auf den ersten Pfosten gegangen. Da kommen viele Bälle hin, da wird am Ende das Geld verdient. Ich bin da einfach hingelaufen, mach‘ das Tor – und dann ist‘s 1:0!"

So einfach kann Fußball sein, wenn man mit Talenten wie Dominik Kother gesegnet ist.