Löwen-Investor in München
Nach 1860-Fehlstart: Ismaik auf Krisen-Besuch – Köllner darf bleiben, doch Fan-Rückhalt schwindet

16.01.2023 | Stand 17.09.2023, 5:26 Uhr |

Vollstes Vertrauen sprach Hasan Ismaik (l.) dem angezählten Löwen-Coach Michael Köllner aus. −Foto: Facebook / Ismaik 1860 Munich

Es war sein erster Besuch seit 2019: Hasan Ismaik, Investor des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, hat sich mit Verantwortlichen getroffen, nachdem der Jahresstart bei Waldhof Mannheim mit 1:3 in die Binsen ging. Mit dabei: Trainer Michael Köllner, der weiterhin Ismaiks Vertrauen genießt. In Fankreisen allerdings schwindet dessen Rückhalt.

Es waren Bilder der Eintracht, die Ismaik am späten Sonntagabend über seine Social-Media-Kanäle aussenden ließ: Händeschütteln, intensiver Augenkontakt, Lächeln. Bilder, die so gar nicht zur Grundstimmung im Löwen-Umfeld passen wollen.

„Ich kann Eure Enttäuschung nach diesem 1:3 in Mannheim verstehen“, ließ der Löwen-Investor in Richtung der Fans verlauten. Nach vielversprechender Anfangsphase und früher Führung hatte sich die Elf von Trainer Michael Köllner am Samstag den Schneid abkaufen lassen und knüpfte nahtlos an die Leistungen vor Jahreswechsel an, als man vier Partien in Folge nicht gewinnen konnte. Die Rückstände auf Platz zwei und drei sind auf vier bzw. drei Punkte angewachsen. Für Sechzigs angepeilte Rückkehr in die 2. Bundesliga spricht gerade nicht viel.

Köllner ist in Fankreisen angezählt



In Fankreisen projiziert sich der Ärger über die Misere gerade vor allem auf eine Person: Michael Köllner. Er hatte sich in letzter Zeit verbal immer wieder aus dem Fenster gelehnt und so den Ärger von Teilen der 1860-Fanszene auf sich gezogen: Ein Luxus-Wintertrainingslager in Belek verteidigte er. Ebendort machte er den Aufstieg von der Verpflichtung „eines Achters“ (Raphael Holzhauser) abhängig und zählte so indirekt seine Mannschaft an. Bei einem Besuch in Katar verteidigte er die WM-Vergabe dorthin.

In Mannheim schossen die Löwen-Ultras deswegen gegen den eigenen Trainer: „Wildes Geschwurbel und Qatar relativieren – Fußballer spielen Fußball und Trainer trainieren“, stand auf einem großem Transparent im Auswärtsblock. Von dort waren deutlich vernehmbar auch „Köllner raus“-Rufe zu hören.

Im Interview mit der Heimatzeitung Mitte Dezember hatte Köllner angekündigt: „Ich gehe voran, um die Begeisterung wieder zu wecken. Das ist aber etwas, das mir nicht sonderlich schwer fällt. Nur wer selber brennt, kann Feuer entfachen.“ Eine Marschroute, die nun schnell zum Bumerang werden könnte.

Ismaik: „Kurzschlussreaktionen immer schlechter Ratgeber“



Während Köllners Rückhalt im Stadion schwindet, genießt er – für seine berufliche Zukunft wohl deutlich wichtiger – das Vertrauen von Hasan Ismaik. Das betonte dieser nach dem Treffen am Sonntag: „Wir halten zusammen! Jeder Verantwortliche, der seine ganze Leistung einbringt, genießt meine und sicherlich auch die volle Unterstützung der Vereinsseite.“ Man dürfe nun „nicht den Fehler machen und nach jedem Rückschlag, alles in Frage stellen. Ein Blick in die 1860-Historie bestätigt, dass Kurzschlussreaktionen immer ein schlechter Ratgeber waren.“

Damit es bei Sechzig nicht früh zu einem Kurzschluss zwischen Fans und Trainer kommt, sollte schleunigst ein Positiverlebnis her. Nächste Gelegenheit: am Samstag, 14 Uhr, im Grünwalder Stadion gegen den FSV Zwickau. Ismaik wird nicht dabei sein. Michael Köllner schon.