FCI besiegt 1860 München 2:1
Mit Plan B und Rieders Hilfe nimmt Köllner süße Rache an Sechzig

18.09.2023 | Stand 18.09.2023, 14:46 Uhr |

FCI-Trainer Michael Köllner (links) klatscht Jannik Mause ab, den Torschützen zum 1:1. Foto: Bösl

Die Schanzer obenauf, die Löwen am Boden: Der FC Ingolstadt ist aus dem 21. Derby gegen 1860 München als verdienter Sieger hervorgegangen.



Vor 13.500 Zuschauern im Audi-Sportpark gewannen die Ingolstädter nach einem 0:1-Pausenrückstand noch mit 2:1, weil Jannik Mause (58. Minute) und David Kopacz (77.) mit ihren Toren die umkämpfte und rassige Partie noch drehen konnten. Die zu Hause noch ungeschlagenen Schanzer sprangen dadurch auf Platz zehn, die Löwen rutschten nach der vierten Niederlage in Folge auf Rang 16 ab.

FCI-Trainer Michael Köllner war nach dem emotionalen Derby mit seinem persönlichen Ausflug in die Vergangenheit hinterher große Erleichterung, aber auch Genugtuung anzumerken. Der ehemalige Löwen-Coach, der sich im Vorfeld der Partie noch über seinen Rauswurf bei den Münchnern im vergangenen Januar beklagt und davon gesprochen hatte, er sei „gefühlt ausradiert worden“, wusste um die Brisanz des Derbys. „Vor dem Spiel waren wir auf dem vorletzten Platz angekommen, da war klar, dass wir unbedingt die drei Punkte brauchten“, meinte der 53-Jährige. Allerdings benötigte er für den Erfolg erst einen Plan B und auch die Mithilfe des Gegners.

Mause und Kopacz drehen die Partie

In der ersten Halbzeit dominierten nämlich die Gäste, obwohl FCI-Stürmer Mause, der den Ball nach feiner Vorarbeit von Marcel Costly frei vor 1860-Keeper Marco Hiller über den Querbalken drosch (15.), die erste Großchance verbuchte. Ein gelungener Freistoßtrick bescherte den Löwen die Führung durch Julian Guttaus Flachschuss ins lange Eck (23.). „Steht auf, wenn ihr Löwen seid“, skandierte die prall gefüllte 1860-Fankurve, und der halbe Audi-Sportpark erhob sich. „Wir haben sehr, sehr gut gespielt, Ingolstadt hatte keinen Zugriff im Spiel“, sagte 1860-Trainer Maurizio Jacobacci hinterher. „Aber nach dem 1:0 haben wir es verpasst, den Druck aufrechtzuerhalten, um das 2:0 zu suchen.“

Fataler Fehler von Rieder beim Comeback

Das sollte sich rächen. Denn sein Kollege hatte noch einen Plan B in der Hinterhand. „Wir haben in der Halbzeit die Dinge neu justiert“, meinte Köllner, der die Abwehr auf eine Viererkette umstellte und zudem mit Benjamin Kanuric und Felix Keidel das Mittelfeld stärkte. Die Folge: Der FCI bekam ein klares Übergewicht, und obendrein half noch Löwe Tim Rieder bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause mit. Den Rückpass zu seinem Keeper Marco Hiller erlief der lauernde Mause und netzte zum Ausgleich ein (58.). Nun jubelte die andere Hälfte im Stadion, und die FCI-Fankurve hatte plötzlich auch stimmlich Oberwasser. Nachdem Pascal Testroet noch die Riesenchance zum 2:1 ausgelassen hatte und Hiller den Ball freistehend in die Arme schob (75.), drehte Kopacz kurz darauf die Partie doch noch und erzielte nach einer zu kurz abgewehrten Ecke aus dem Hinterhalt das 2:1 (77.).

1860-Kapitän Verlaat: Es kotzt mich an

„Man kann nicht einen Gegner, der bis dahin wenig zustande gebracht hatte, zu so einem Tor einladen. Es war überhaupt nicht nötig, den Ball nach hinten zu spielen. Das darf uns nicht passieren“, kritisierte Jacobacci und sah in dem groben Patzer Rieders den Knackpunkt im Spiel. 1860-Kapitän Jesper Verlaat meinte: „Es kotzt mich an. Wir bringen uns wieder selbst in Schwierigkeiten.“

Auf der Gegenseite jubelte die FCI-Fankurve und Kopacz ließ sich als Siegtorschütze feiern. Auch Köllner lobte den 24-Jährigen nach dessen erstem Saisontor. „Er hatte bisher einen schweren Stand bei mir, er hat sich mehr versprochen in dieser Saison, ich mir auch. Es freut mich, dass bei ihm der Knoten geplatzt ist. Das war ein wichtiges Tor in seiner Karriere“, meinte der FCI-Trainer.

„Ich habe dieses Mal die Chance von Anfang an bekommen und wollte alles geben. Umso mehr freut es mich, dass der Schuss reinging“, sagte Kopacz und sah einen Grund für den Umschwung in der zweiten Halbzeit in den Umstellungen zur Pause. „Wir hatten dann vier Spieler im Zentrum, die in den Zwischenräumen spielen können, das war in der ersten Halbzeit nicht so oft der Fall und hat uns gutgetan. Sechzig hatte in der zweiten Halbzeit kaum noch Aktionen, wir haben auch die zweiten Bälle bekommen, haben sehr ballsicher gespielt und waren sehr präsent. Wir haben verdient gewonnen“, fasste Kopacz zusammen.

Köllner: Dieser Sieg gibt uns einen Schub

Trainer Köllner, der just nach der 1:3-Derby-Heimpleite gegen die Löwen im vergangenen April zu den Schanzern gekommen war, sah in dem verdienten Erfolg einen wichtigen Schritt für die Ingolstädter und schlug einen Bogen zurück zum Beginn seiner FCI-Amtszeit. „Wenn du als Verein Entscheidungen getroffen hast, einen neuen Trainer, neuen Sportdirektor und neue Spieler zu holen, ist es am Ende wichtig, dass das in eine andere Richtung geht. Dieser Sieg gibt uns einen Schub“, sagte Köllner, der angesichts des Fehlens so wichtiger Stützen wie Kapitän Lukas Fröde (gesperrt) und Vizekapitän Simon Lorenz (verletzt) die Teamleistung hervorhob: „Wenn eines eine große Stärke dieser Mannschaft ist, dann der Charakter dieser Truppe, sonst hätten wir in der Halbzeit einen Abgesang halten können. 0:1 hinten , wieder daheim gegen die Löwen wie vor fünf Monaten, die Zuschauer auch nicht happy, die Energie im Stadion eher schlecht, und dann kommst du so eindrucksvoll in der zweiten Halbzeit zurück, das spricht schon für die Mannschaft.“

DK