Interims- wird Dauerlösung
Kommentar: Faire Chance für Wittmann, aber FCI geht volles Risiko auf vielen Ebenen

06.06.2024 | Stand 06.06.2024, 12:42 Uhr |

Cheftrainerin beim FC Ingolstadt: Sabrina Wittmann. Foto: Imago Images

Es gab genau eine Möglichkeit für den FC Ingolstadt, den PR-Coup von vor gut vier Wochen zu übertreffen: indem Sabrina Wittmann von der Interims-zur Cheftrainerin befördert wird. Und genau diesen Schritt gehen die Verantwortlichen nun und vertrauen der 32-Jährigen die dauerhafte Verantwortung für das Schanzer Profiteam an.



Natürlich ist Öffentlichkeitswirksamkeit nicht das Leitmotiv für Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer und Sportdirektor Ivica Grlic – Wittmann hat sich ihre faire Chance mehr als verdient. Gleichwohl bedeutet die Entscheidung ein Risiko auf vielen Ebenen.

Niemand zweifelt an Wittmanns Authentizität, ihrer Expertise als Fußball-Lehrerin und erst recht nicht an ihrer Reputation im Klub. Dass ihr noch Erfahrung fehlt, versteht sich ebenfalls von selbst. Dass der Schelldorferin aber noch die Uefa-Pro-Lizenz fehlt, birgt Gefahr. Ab Januar greifen die fälligen Kurse (ob nun virtuell oder in Präsenz) massiv in Wittmanns Alltag als Trainerin ein, in dem sie das Schanzer Schiff in Richtung Kurs Aufstieg in die 2. Bundesliga lenken soll.

Der Aufwand ist enorm und der Druck auf Wittmann extrem hoch. Erschwerend kommt hinzu, dass der FCI nicht gerade für große Geduld mit seinen Trainern bekannt ist. Dem Erfolg wird alles untergeordnet, auch persönliche Schicksale. Niemand kann seriös prognostizieren, wie beschädigt Wittmann im Falle eines Scheiterns bei den Profis wäre und ob sie den Schanzern dann erhalten bleiben könnte – Letzteres wäre beiden Parteien zu wünschen.

Warum ließ sich FCI „so lange“ Zeit?

Dass seit dem letzten Saisonspiel bis zur Entscheidung pro Wittmann beinahe zwei Wochen vergangen sind, spricht dafür, dass sich die Verantwortlichen beim FCI nicht unbedingt einig waren – in dem Wissen um die Tragweite ihrer Entscheidung. Denn sie bedeutet nicht nur ein Risiko für Wittmann. Auch für Beiersdorfer und Grlic wird die neue Saison richtungsweisend.

Beiersdorfer trägt als Geschäftsführer die Gesamtverantwortung im Klub, Grlic für den sportlichen Bereich mitsamt Trainerfindung und Kaderumbau. Neuerlicher Misserfolg wird auch auf das Duo zurückfallen. Bleibt sportlicher Erfolg weiterhin aus, könnte es auch für die Verantwortlichen bald ungemütlich werden.