FC Ingolstadt hat wieder einen Torjäger
Jannik Mause ist gefährlichster Drittliga-Stürmer und wandelt auf den Spuren von „Bomber“ Moritz Hartmann

26.09.2023 | Stand 26.09.2023, 11:27 Uhr

Mittlerweile ein Ritual: Jannik Mause (links) und Marcel Costly verbeugen sich nach einem Torerfolg mit ihrer Beteiligung und beglückwünschen sich gegenseitig. Beim 4:1-Sieg gegen den SC Freiburg II traf Mause zweimal, einmal nach einer Costly-Ecke. Foto: Meyer

Den Anfang machte Jannik Mause. Beim 4:0-Sieg des FC Ingolstadt gegen den Halleschen FC rannte der neue Stürmer der Schanzer nach dem 2:0 durch Marcel Costly zur Eckfahne, streckte dem jubelnden Teamkollegen die Hand hin, verbeugte sich und gratulierte so dem Torschützen.



Das 3:0 erzielte dann Mause, und Costly revanchierte sich – mittlerweile ist das ein Ritual zwischen den beiden, die insgesamt bereits acht Treffer auf ihrem Konto zu Buche stehen haben. „Das geschah ganz spontan aus der Emotion heraus, jetzt gehört’s dazu“, erzählt Mause und Costly bestätigt: „Das ist jetzt unser Jubel und Ausdruck, dass wir uns für den jeweils anderen freuen.“

Eine kleine Anekdote nur, und doch sagt sie einiges über den FCI aus. Zum einen, dass die Schanzer wieder Tore erzielen – sie sind mit 13 Treffern sogar das offensivstärkste Team der 3. Liga – und mit Mause, der schon sechsmal traf, wieder einen richtigen Torjäger in ihren Reihen haben. Und zum anderen, dass die Chemie in der Mannschaft stimmt – man gönnt sich gegenseitig den Erfolg.

Sechs Tore und eine Vorlage

Sechs Tore und eine Vorlage in sieben Spielen, eine solche Quote konnte zuvor nur Moritz Hartmann aufweisen – Mause wandelt also auf den Spuren des „Bombers“, der sich als FCI-Rekordtorjäger (56 Treffer) in die Annalen eintrug. Bis dahin ist für den FCI-Neuzugang noch ein weiter Weg, doch der Anfang ist vielversprechend, zumal Mause – wie einst Hartmann – aus der vierthöchsten Liga zu den Schanzern kam.

„Das habe ich mir nicht so vorgestellt, aber dass es so läuft, ist um so schöner und freut mich natürlich“, sagt der 1,89 Meter große Stürmer und ringt um eine Erklärung für seinen Lauf. „Das ist schwierig. Ich brauche sehr viel Spaß in der Mannschaft und muss mich wohl fühlen, um Leistung zu bringen“, holt Mause aus und gibt zu, dass er früher schneller den Spaß verlor, wenn es nicht lief. „Ich glaube, dass ich da ein paar Schritte nach vorne gemacht habe und den Kopf nicht hängenlasse, wenn ein paar Aktionen nicht klappen. Ich gehe anders damit um und weiß, dass eigentlich eine gute Aktion reicht, um ein erfolgreiches Wochenende haben zu können.“, sagt der Mittelstürmer, der nach einer überragenden Trefferquote in der U19-Bundesliga des 1. FC Köln (20 Tore in 23 Spielen) einen weiten Umweg gehen musste, um im Profifußball zu landen. „Die Umstellung von der Jugend zum Herrenbereich hat bei mir extrem lange gedauert“, räumt der Aachener ein und meint: „In der Jugend haben wir nur flach gespielt, in der Regionalliga war der Ball dann meistens in der Luft, dazu kam eine andere Körperlichkeit, die ich nicht gewohnt war. Ich musste erst verstehen, wie man sich bewegen muss.“

Langer Anlauf bis in die Profi-Liga

Mit 25 ist der zwölffache Jugend-Nationalspieler offenbar im Profifußball angekommen, und auch sein Teamkamerad Costly ist froh darüber. „Riesenrespekt vor Jannik. Er kommt aus der Regionalliga und hat direkt die Chance genutzt. Er war von Anfang an da und hat sich reingebissen. Sechs Tore und eine Vorlage sind herausragend, das zeugt auch von Fleiß. Wir freuen uns alle mit ihm“, sagt Costly und unterstreicht Mauses Wert für die Mannschaft. „Um oben mitspielen zu können, braucht man definitiv einen Torjäger. Stand jetzt haben wir den mit Jannik, und ich hoffe, dass das lange so bleibt.“

Auch Trainer Michael Köllner, der von der Leistung seines Teams beim 4:1-Sieg in Freiburg angetan war („Das war teilweise richtig gut anzuschauen“), zollt dem neuen Torjäger Respekt: „Man merkt wie er rackert. Er ist immer unterwegs, dann ist das auch für den Gegenspieler richtig eklig, wenn man gegen so einen Stürmer spielen muss.“

„Er hat einen richtig guten Riecher“

Costly, der mit Mause schon beim FSV Mainz ein halbes Jahr zusammen in der U23 verbrachte, pflichtet seinem Trainer bei. „Ich wusste, dass er ein unangenehmer Spieler ist und er seinen Weg gehen wird“, meint der rechte Außenbahnspieler und charakterisiert seinen Teamkollegen. „Er hat einen richtig guten Riecher, da zu stehen, wo der Ball hinkommt. Dazu ist er sich nicht zu schade für Defensivarbeit, und er ist in den Zweikämpfen ein eckiger Gegenspieler. Er hat eine gute Nase und ein gutes Gefühl für den Raum, das zeichnet ihn aus“, beschreibt Costly Mauses Stärken.

Mit dem Wissen um einen Torjäger im Team soll der Aufwärtstrend nun auch in der bevorstehenden Englischen Woche fortgesetzt werden. „Wir finden uns immer mehr und merken, welche Stärken welcher Spieler einbringt“, meint Costly und sieht einen Unterschied zur Vorsaison: „Wir haben jetzt einen Kern in der Mannschaft, der sich entwickelt hat. Mit Ryan (Malone), Marius (Funk) und Lukas (Fröde) herrscht eine gewisse Stabilität, auch wenn’s mal nicht so läuft. Wir verlieren nicht den Faden und halten an unserem Weg fest. Wir haben einen klareren Plan, den wir zuletzt gut umgesetzt haben.“

Wegweisende Englische Woche

Nun warten mit dem SSV Ulm (Samstag, 14 Uhr), der als Aufsteiger mit 14 Punkten überraschend auf dem zweiten Tabellenplatz steht, Viktoria Köln (3. Oktober, 19 Uhr) und dem Derby gegen Jahn Regensburg (8. Oktober, 19.30 Uhr) drei Spiele, nach denen sich der FCI im Erfolgsfall selbst in der Spitzengruppe festsetzen könnte. Costly will davon noch nichts wissen. „Der Fokus liegt erst mal auf Ulm, das ist der nächste Schritt. Die Saison ist lang. Entscheidend ist, dass wir den Weg konstant weitergehen.“

DK