Der Fan mit Mikrofon
FCI-Jubiläumsserie, Teil 15: Wie die Arbeit von Italo Mele als Stadionsprecher der Schanzer aussieht

28.02.2024 | Stand 29.02.2024, 7:18 Uhr |

Ingolstädter Inventar: Seit 2007 ist Italo Mele Stadionsprecher der Schanzer. In den 17 Jahren verpasste der 57-Jährige gerade einmal vier Heimspiele des FCI. Foto: Bösl

Ob man im entlegensten Winkel auf der Südtribüne des Audi-Sportparks steht, seinen Platz mitten auf der Gegengerade hat oder sich am Kiosk noch eine Stärkung für das Heimspiel des FC Ingolstadt holt: Hören kann man Italo Mele von überall.



Als Stadionsprecher und Moderator gehört er seit 2007 zum Schanzer Inventar. Mele, selbsternannter Fußball-Fanatiker, erlebte mit den Ingolstädtern sowohl den steilen Aufstieg bis in die Bundesliga, als auch den bitteren Absturz in die Drittklassigkeit – diverse Relegationskrimis inklusive. „In all den Jahren habe ich nur vier Heimspiele verpasst“, zeigt sich der 57-Jährige stolz. Anlässlich der FCI-Jubiläumsserie des DONAUKURIER gibt der Manchinger mit italienischen Wurzeln Einblicke in seinen Alltag als Stadionsprecher beim FCI.

• Noch 48 Stunden bis Anpfiff: Vorbereitung ist alles, Stadionsprecher bilden da keine Ausnahme. Die Einstimmung auf die Partie beginnt zwei Tage zuvor. „Ich schreibe mir alle möglichen Fakten zum Spiel und zum Gegner zusammen, die jüngsten Ergebnisse, dazu Aktionen rund ums Spiel.“ Mele gibt, sollte der Fall eintreten, auch den „Notfalldurchsager“, wenn beispielsweise das Stadion evakuiert werden müsste. Als erste Prophylaxe für mögliche Stolpersteine – Stichwort: Spielernamen – sind die Stadionsprecher der Liga in einer Whatsapp-Gruppe miteinander vernetzt.

• Noch 90 Minuten: Für Mele geht es ganz nach oben zur Stadionregie ins Dachgeschoss des Audi-Sportparks. Er spricht mit seinen Kollegen über das Programm vor sowie nach der Partie (Interviews, Einspieler, u.s.w.) und wird verkabelt, so dass er auch von der Seitenlinie aus – seinem Arbeitsbereich während des gesamten Spiels – Kontakt zu den Technikern halten kann. „Wenn Italo da unten leise vor sich hinredet, muss sich niemand Sorgen machen − das sind keine Selbstgespräche. Er stimmt sich dann nur mit uns ab“, erzählen die Mitarbeiter aus der Regie lachend.

• Noch rund 60 Minuten: Viele Fußballer sind hochgradig abergläubisch – der Schanzer Stadionsprecher ist es zumindest ein bisschen. Gut eine Stunde vor Anpfiff huscht Mele in den Business-Bereich des Stadions und gönnt sich an der Bar einen Espresso. „Das muss einfach sein, das gehört dazu“, meint er. Nach Abpfiff kehrt Mele in den Business-Bereich zurück und führt dort in der „Schanzer Nachspielzeit“ ein Interview mit einem FCI-Profi.

• Noch 50 Minuten: Mele fährt sein rollendes Sprecherpult aus den Katakomben ans Spielfeld. In seiner Arbeitstasche: Schreibzeug, Taschentücher, Spickzettel und eine FFP2-Maske. Zu Corona-Zeiten arbeitete Mele von der Stadionregie aus. Zurück blickt er nur ungern: „So richtig Spaß gemacht hat das nicht. Das war wie im Radio zu moderieren. Es fehlen einfach die Emotionen.“ Mele muss es als langjährige Hörfunkstimme ja wissen.

• Noch 40 Minuten: Beim Blick auf den Spielberichtsbogen stehen Mele manchmal Fragezeichen im Gesicht. Wie wird dieser oder jener Name betont? Welcher Vor- oder Nachname des Spielers kann weggelassen werden? Ein kurzer Plausch im Kabinengang oder an der Seitenlinie mit einem Vertreter des Gastvereins beseitigt alle Unklarheiten, die Zungenbrecher sind jetzt keine mehr. Mele notiert sich die Namen nämlich so, wie man diese ausspricht.

• Noch 25 Minuten: Das Vorprogramm zum Spiel läuft. Mele begrüßt die Anhänger des Gastvereins und liest die Aufstellung des FCI-Gegners vor. Ein wichtiger Punkt, für den er sich gerne die nötige Zeit nimmt. Mele sagt: „Das ist eine Frage des Respekts. Es ist auch vollkommen egal, ob zehn Fans im Gästeblock stehen oder 2000.“

• Noch 12 Minuten: Mele ist nun als Animateur gefragt. Auf seiner großen Begrüßungsrunde heißt er die Heimfans auf den Tribünen willkommen. Der Stadionsprecher ruft ein kräftiges „Schanzer, seid ihr bereit?“ ins Mikrofon. Es folgt: die Aufstellung des FCI, vorgetragen via Doppelpass zwischen Mele und den Ingolstädter Fans. Aus den Lautsprecherboxen ertönt die Vereinshymne „Schanzer Herz“. Im Tunnel stehen danach die beiden Mannschaften bereit, die begleitet von Meles Worten den Rasen betreten.

• Während des Spiels: Ziemlich angespannt verfolgt Mele das Treiben auf dem Platz. Vergebenen FCI-Torchancen folgt sein fast verzweifelter Blick Richtung Tribüne. Tordurchsagen für den Gegner wickelt er professionell ab, treffen die Schanzer, leuchten seine Augen. „Ich bin ein Fan mit Mikrofon“, sagt Mele. „Wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist, braucht man den Job auch nicht machen.“