Klamme Kasse als Bürde
1860 München: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 13:14 Uhr

Abschied auf dem Zaun: Phillipp Steinhart feierte gemeinsam mit der Westkurve. − Foto: Imago Images

Platz 15 ist seit der Rückkehr der Münchner Löwen in den Profifußball das schlechteste Ergebnis einer Saison. An deren Ende steht nun wieder einmal ein großer Umbruch im Kader. Mindestens 13 Spieler verlassen den Verein. Die Mittel für Ersatz sind begrenzt.

Löwen-Kapitän Jesper Verlaat sagte nach dem 0:2 gegen Arminia Bielefeld einen Satz, der auch als Saisonfazit taugen würde: „Wir wollten, haben aber nicht so richtig gekonnt.“ Tatsächlich lag zwischen dem Wollen (um die Aufstiegsplätze mitspielen) und dem Können eine große Kluft.

Quasi im Gleichschritt hatten die Arminia und der TSV 1860, zwei ambitionierte Klubs mit Erstliga-Vergangenheit, erst am vorletzten Spieltag die Klasse gehalten. Zum Aufstieg gratulierten beide Trainer, Bielefelds Mitch Kniat und Sechzigs Argirios Giannikis, stattdessen artig Preußen Münster.
Immerhin durfte sich Kniat aber noch die Glückwünsche für den Sieg zum Saisonabschluss abholen. Wobei ein 0:2 aus Löwen-Sicht mit dieser Saison wohl nicht viel mehr macht als es ein 2:0 gemacht hätte. Monju Momuluh hatte die Gäste früh in Führung gebracht (7. Minute). Anschließend habe der Mannschaft laut Giannikis „die Energie“, oder wie es Stürmer Fynn Lakenmacher nannte, „die Spannung“ gefehlt. Merveille Biankadi schoss die Bielefelder mit dem 2:0 (60.) endgültig an seinem Ex-Klub vorbei. Was beim TSV 1860 aber noch mehr beunruhigt als Platz 15 und damit das Abschneiden als schlechteste bayerische Mannschaft im Profifußball, ist der Blick auf eine wieder mal unsichere Zukunft.
Insgesamt 13 Spieler waren vor dem Spiel verabschiedet worden: Neben Fynn Lakenmacher (35 Einsätze), dessen Wechsel nach Darmstadt schon länger feststeht, auch Top-Talent Mansour Ouro-Tagba (19), Phillipp Steinhart (13), Kilian Ludewig (24), Kaan Kurt (13), Niklas Tarnat (12), Manfred Starke (25), Albion Vrenezi (28), Eroll Zejnullahu (21), Abdenego Nankishi (11), Milos Cocic (3), Devin Sür und Julius Schmid (beide ohne Einsätze).

Eine Gruppe an Stammspielern – darunter nicht die unwichtigsten wie Marco Hiller, Verlaat, Julian Guttau oder Morris Schröter – wird zwar bleiben. Trotzdem muss Giannikis in den kommenden Wochen als nächster Löwen-Trainer einen großen Umbruch managen. Auf die Frage, wie das geschehen solle beziehungsweise, ob er Hoffnung auf die Erfüllung seiner Wünsche habe, grinste Giannikis: „Wir sind hier ja nicht bei ‚Wünsch dir was‘. Es ist auch klar, dass wir nicht die größten Mittel der Liga haben.“ Er sei zuversichtlich, dass er bis zum Trainingsstart (20. Juni) auf einen „recht kompletten“ Kader zurückgreifen könne, so der Trainer. Florian Bähr (Linksverteidiger) ist der erste Neue: Der 21-Jährige kommt vom VfL Osnabrück per Leihe nach München.

Steinhart ließ sich am Samstag nach insgesamt 17 Spielzeiten im Sechzger-Trikot (mit kurzer Unterbrechung) auf dem Zaun vor der Westkurve feiern. „Ich habe ihn als Vollprofi kennengelernt, der viel für den Verein geleistet hat“, würdigte Giannikis den verdienten Spieler. Der habe die „maximale Wertschätzung“ verdient. Steinharts größter Erfolg mit den Löwen war 2018: Damals ging es zwar nur von der Regionalliga in die 3. Liga. Doch zumindest war die Saison am Ende mit dem Wort „Aufstieg“ überschrieben.