Kein Titel, keine Trainer
Ungewisse Zukunft nach Tuchel-Abschied: Die peinliche Trainer-Saga beim FC Bayern geht weiter

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 18:04 Uhr

Sportvorstand Max Eberl sucht immer noch nach einem Trainer. − Foto: imago images

Zu seiner Verabschiedung kam Thomas Tuchel mit dem Fahrrad. Am Sonntagvormittag trafen sich Spieler, Betreuerstab und Verantwortliche des FC Bayern mit ihren Familien in einem noblen Restaurant im Münchner Stadtteil Bogenhausen zum Saisonabschluss-Brunch, dabei herrschte noch mal ein bisschen Friede, Freude, Eierkuchen. Tuchel hörte warme Worte, es gab Umarmungen unter anderem von Klubchef Jan-Christian Dreesen – und einen Blumenstrauß.

Auch Sportvorstand Max Eberl lächelte Tuchel noch einmal zu, verbunden wohl mit großer Wehmut: Einen Nachfolger für den scheidenden Trainer, mit dem er erfolglos über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit verhandelt hatte, kann er noch immer nicht vorweisen. Der immer wieder gehandelte Roberto De Zerbi wird es jedenfalls nicht. „Ja“, sagte Eberl im ZDF, er könne definitiv ausschließen, dass der neue Trainer ein Italiener werde.

Die Zeit für die ohnehin schon peinliche Trainersuche der titellosen Bayern wird nun immer knapper: In acht Wochen wollen die Münchner in die neue Saison starten. „Der, der am meisten unzufrieden ist, wie es ist, bin ich selbst. Da muss ich mir an die eigene Nase fassen“, sagte Eberl bei Sky und fügte mit einer Portion Zweckoptimismus an: „Ein Freund von mir sagt immer, das Beste kommt zum Schluss.“ Das erscheint freilich kaum noch vorstellbar.

Trotz der Absagen von Wunschkandidaten wie Xabi Alonso, Julian Nagelsmann oder Ralf Rangnick werde der Verein eine „sehr gute Lösung finden“, versicherte Eberl dennoch. Auch die Spieler hoffen darauf. „Den Verantwortlichen vertrauen wir immer“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Zugleich lobte er am Wochenende noch einmal die Zusammenarbeit mit Tuchel – widersprach aber Berichten, er und Thomas Müller hätten sich persönlich für eine Fortsetzung eingesetzt.

„Thomas und ich sind nicht zum Trainer gegangen“, betonte Neuer nach dem 2:4 (2:1) zum sportlichen Saison-Kehraus bei der TSG Hoffenheim, durch die der FC Bayern noch auf Rang drei zurückfiel. Er berichtete jedoch auch, dass in der Endphase der 15 Monate unter Tuchel „was zusammengewachsen ist zwischen Mannschaft und Trainerteam, wir hatten eine positive Energie in der Truppe“. Und daher glaube er, „dass es nächste Saison grundsätzlich gut funktioniert hätte“.

Müller hat genug von der Saison



Müller hatte nach der letzten Schmach einer denkwürdig verkorksten Spielzeit jedenfalls genug. „Wir sind sehr unzufrieden. Wir wollen einfach raus aus dieser Saison und im Sommer neu anfangen“, schimpfte der Führungsspieler vollends bedient. Zum Abschied von Tuchel verspielte der abgestürzte Serienmeister sogar noch die Chance auf den ersten Titel der kommenden Saison: Der Supercup wird am 17. August ohne die Bayern ausgetragen.

Der neue Trainer bestreitet seine Pflichtspiel-Premiere stattdessen an selbigem Wochenende irgendwo in der Prärie im DFB-Pokal. Welche Spieler ihm dann zur Verfügung stehen werden, bleibt ebenso unklar. Als Abgänge stehen bislang Eric Maxim Choupo-Moting und Bouna Sarr fest, anstehende Verhandlungen etwa mit Joshua Kimmich, Alphonso Davies oder Leroy Sane, deren Verträge im Sommer 2025 auslaufen, liegen wohl auch bis zur Vorstellung des neuen Trainers auf Eis.

Lob für Tuchel



Dem scheidenden Tuchel zollte auch Müller noch einmal ein großes Lob. Tuchel habe „in diesem wilden Jahr unter keinen leichten Umständen den einen oder anderen Haufen wegkehren müssen, den er nicht produziert hat“, sagte er, deshalb: „Danke ans Trainerteam!“ Nun aber müsse es „einen Neustart geben“, betonte auch Neuer: „Dass es nicht so weiterlaufen kann, ist klar. Wir haben gute Spiele abgeliefert, aber nicht so konstant. Das ist unser größtes Problem.“

Unabhängig vom Trainer nahm Neuer deshalb sich und seine Mitspieler in die Verantwortung. „Jeder ist in der Pflicht. Wir brauchen nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn wir selbst nicht performt haben.“ Die Niederlage in Hoffenheim nach den Treffern von Mathys Tel (4.) und Davies (6.) stand sinnbildlich für die Saison: Nach teils groben Fehlern drehten Maximilian Beier (8.) und der überragende Andrej Kramaric (68./85./87.) die Partie.

Die Probleme sitzen tief. „Ich bin erst zehn Wochen da“, stöhnte Eberl deshalb, „es fühlt sich wie zehn Jahre an.“

− sid