Anderer Fan-Liebling könnte übernehmen
Trainer-Beben bei Borussia Dortmund: Edin Terzic verlässt den Verein

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 14:52 Uhr |

Er habe nach dem Champions League Finale „alles sacken lassen“, berichtete Terzic. „In mir war das Grundgefühl: Jetzt, da sich der Verein neu ausrichtet, ist es an der Zeit.“ − Foto: AFP

Edin Terzic presste die Lippen fest aufeinander, sein Handy hielt er mit der linken Hand umklammert. Als der „Junge von der Südtribüne“ um 12.08 Uhr am Donnerstag emotional erschüttert die Elefantenrunde mit den Vereinsbossen verließ, war das Trainerbeben bei Borussia Dortmund beschlossene Sache.

52 Minuten später durfte er es über die Social-Media-Kanäle mit feuchten Augen selbst verkünden: Nach zehn Jahren in verschiedenen Funktionen ist eine „unglaubliche BVB-Reise“ für Terzic (41) beendet. Medienberichten zufolge soll sein bisheriger Assistent Nuri Sahin (35) übernehmen, der als Spieler Legendenstatus im Verein besitzt.

Neustart soll mit neuem Mann an der Seitenlinie erfolgen



Das bestätigten die Dortmunder gleichwohl noch nicht: Zunächst verabschiedete sich Terzic, er brauchte für sein zweiminütiges Abschiedsvideo etliche Anläufe. „Auch wenn es mir gerade brutal weh tut, möchte ich euch mitteilen, dass ich den BVB verlassen werde“, sagte er. „Ich habe nach unserem Endspiel in Wembley um ein Gespräch gebeten, weil ich nach zehn Jahren beim BVB, davon fünf im Trainerteam und zweieinhalb als Cheftrainer, das Gefühl habe, dass der Neustart von einem neuen Mann an der Seitenlinie begleitet werden sollte.“

„Es ist an der Zeit“



Terzic hatte den BVB sensationell ins Champions-League-Finale geführt, das gegen Real Madrid trotz starker Leistung 0:2 verloren ging. Er habe danach „alles sacken lassen“, berichtete er. „In mir war das Grundgefühl: Jetzt, da sich der Verein neu ausrichtet, ist es an der Zeit.“ Dem neuen Trainerteam, das der Verein wohl in Kürze bekannt geben wird, wünsche er „das Allerbeste. Wir müssen alle den Glauben beschützen, der uns nach London geführt hat.“

Über Scouting und U17 zum Profi-Trainer



Terzic hat beim BVB eine besondere Geschichte geschrieben. Vom Fan arbeitete er sich über das Scouting und die U17 zum Trainer der Profi-Mannschaft hoch, die er 2021 als Interimslösung zum DFB-Pokal-Sieg führte. Nach der Trennung von Marco Rose übernahm er 2022 als Chef. Den möglichen Meistertitel verspielte er ein Jahr später gegen Mainz auf tragische Weise. Es folgte eine wechselhafte Liga-Spielzeit, die auf dem fünften Platz endete - parallel stürmte der BVB durch die Champions League.

Kritik von Hummels über unzureichende Taktik



Es blieben Zweifel, die Abwehr-Routinier Mats Hummels zuletzt mit einem umstrittenen Interview nährte. Darin berichtete er von seinen Klagen über die unzureichende Taktik im Saisonverlauf, bei der Autorisierung herausgefilterte Aussagen sollen noch härter gewesen sein. Zudem machte Bayer Leverkusen dem BVB vor, wie der FC Bayern zu stürzen ist - in dieser Rolle hatte sich der BVB stets selbst gesehen.

Geschäftsführer Watzke dankt für „herausragende Arbeit“



Geschäftsführer Watzke dankte dem Coach dennoch für „herausragende Arbeit“ und betonte: „Edin und ich werden immer Freunde bleiben.“ Auch der neue Sport-Geschäftsführer Lars Ricken zeichnete noch einmal den Weg nach: „Ich habe mit Edin Terzic in seiner Zeit als Jugendtrainer, als Technischer Direktor und zuletzt als Cheftrainer vertrauensvoll und lange zusammengearbeitet. In allen Positionen war es für ihn ein Privileg, für diesen Verein zu arbeiten.“

„Ich sage nicht Goodbye, sondern auf Wiedersehen“



So sah das Terzic auch immer selbst: in seiner kommunikativen Art, sehr eloquent, manchmal hart an der Grenze zum Spruch aus dem Motivationskalender. „Ich sage nicht Goodbye, sondern auf Wiedersehen“, so schloss er sein Video ab: „Heja BVB!“

Sahin ohne Trainer-Erfahrung auf höchstem Niveau



Nun scheint der nächste Fan-Liebling seine Chance zu bekommen. Sahin fehlt allerdings Trainer-Erfahrung auf höchstem Niveau. Vom türkischen Erstligisten Antalyaspor kam er in der Winterpause nach Dortmund - um Edin Terzic zu unterstützen. Schon da ging das Gerücht, es werde ein Nachfolger in Position gebracht.

− sid