Entscheidung gefallen
EM-Retter für 400 000 pro Monat? Nagelsmann wird neuer Bundestrainer – kommt danach Klopp?

19.09.2023 | Stand 19.09.2023, 21:30 Uhr

Wird neuer Bundestrainer – bis zur EM 2024: Julian Nagelsmann. − Foto: dpa

Feuerwehrmann Julian Nagelsmann soll die Heim-EM retten. Der frühere Coach von Bayern München bekommt den schweren Auftrag, die deutsche Nationalmannschaft als 12. Bundestrainer aus dem tiefsten Tal endlich wieder an die Weltspitze zu führen – und dann?

Laut Bild-Zeitung haben sich Nagelsmann und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zunächst nur auf einen Vertrag bis 2024 geeinigt. Danach wäre der Weg frei für einen echten Neuaufbau – mit Traumlösung Jürgen Klopp in Richtung WM 2026?

Zunächst heißt die Zukunft des deutschen Fußballs Julian Nagelsmann. Der 36-Jährige folgt voraussichtlich auf den am 10. September freigestellten Hansi Flick. Das berichtete die Bild-Zeitung am Dienstag.

„Es hat heute ein erstes Treffen von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Rudi Völler mit Julian Nagelsmann gegeben“, teilte der DFB am Mittag mit. Neuendorf berichtete: „Wir sind in guten Gesprächen.“ Von einer Einigung war jedoch noch nicht die Rede.

Laut dem Boulevardblatt seien aber nur noch letzte Details zu klären. Das Monatsgehalt für Nagelsmann soll bei etwa 400.000 Euro liegen. Der Vertrag von Nagelsmann mit dem FC Bayern, wo er im März freigestellt worden war, wird aufgelöst. Er wechselt ablösefrei zum Verband.

Nagelsmann verzichtet für den Bundestrainer-Job auf viel Geld. Bei den Bayern, an die er noch bis 2026 gebunden war, hätte er fürs Nichtstun rund 20 Millionen Euro bis zum Vertragsende bekommen. Jetzt sind es „nur“ etwa 4 Millionen Euro Gehalt bis zur EM. Dann wäre Nagelsmann wieder für einen Vereinsjob zu haben - und der Weg frei für Klopp?

Der Teammanager des FC Liverpool ist seit längerer Zeit der Traumkandidat des DFB mit Präsident Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke an der Spitze. Auch diesmal hatte Watzke bei seinem alten Kumpel aus Dortmunder Zeiten wieder vorgefühlt, sich aber erneut eine Abfuhr eingehandelt. Klopp, hieß es, wolle seinen Vertrag bei den Reds bis 2026 erfüllen. Stand jetzt - weitere Gespräche nicht ausgeschlossen.

Flick war nach dem 1:4 gegen Japan am 9. September nicht mehr zu halten und hatte tags darauf seinen Job verloren. Für das Duell mit Vize-Weltmeister Frankreich (2:1) hatte DFB-Sportdirektor Völler „einmalig“ übernommen und die Stimmung gedreht. Danach hatte er bei der Bundestrainer-Suche „den Hut auf“, wie der neue DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig erst am Montag klargestellt hatte.

Er wurde schnell fündig, Nagelsmann galt von Beginn an als heißester Kandidat - und anderen Anwärtern wie Louis van Gaal, Oliver Glasner oder Stefan Kuntz als überlegen. Er wird der jüngste Cheftrainer seit dem Amtsantritt von Otto Nerz 1926 (34 Jahre und neun Tage).

„Natürlich kann er das“, sagte sein früherer Chef Thomas Tuchel: „Er ist ein herausragender Trainer“, an „fachlicher Qualität oder Skills“ werde es nicht scheitern. Auch Uli Hoeneß traut Nagelsmann den Job „grundsätzlich zu“, gab aber zu bedenken: „Der DFB könnte jetzt den Kaiser von China holen, der würde es auch schwer haben.“ Der Neue müsse „den Laptop zu Hause lassen und erst einmal über die Emotion kommen“.

Sein Debüt würde Nagelsmann auf der umstrittenen USA-Reise geben. Deutschland spielt in Hartford/Connecticut am 14. Oktober gegen die Amerikaner - Nagelsmanns Nagelprobe. Drei Tage später folgt das Duell mit Mexiko in Philadelphia.

Nagelsmann war lange der Musterschüler unter den deutschen Fußball-Trainern. Er war beim FC Augsburg II zunächst Co-Trainer von Tuchel, schon mit 25 wurde er übergangsweise Assistent bei der TSG Hoffenheim, damals unter Interimstrainer Frank Kramer. Mit 28 stieg er als Nachfolger von Huub Stevens in Hoffenheim zum jüngsten hauptamtlichen Cheftrainer der Bundesligageschichte auf.

Es folgten zwei Jahre bei RB Leipzig - dann kam der Sprung zum großen FC Bayern. Er moderierte den Verein mit lockeren, manchmal auch arg forschen Sprüchen durch die Corona-Pandemie. Erste Risse bildeten sich durch ein 0:5 im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach und das überraschende Aus im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Villarreal.

Unvergessen bleibt, wie Karl-Heinz Rummenigge ihn im Oktober 2022 „ein großes Trainertalent“ nannte. Aus Rissen wurden bald Verwerfungen. Zwar schalteten die Bayern in Nagelsmanns zweiter Saison im Champions-League-Achtelfinale Paris St. Germain aus, verspielten in der Liga aber einen klaren Vorsprung auf Dortmund. Er flog nach einem 1:2 bei Bayer Leverkusen am 25. Spieltag raus - und wurde dabei kalt erwischt.

Nachfolger wurde sein früherer Chef in Augsburg: Tuchel. Sechs Monate später ist Nagelsmann zurück - als Bundestrainer, als EM-Retter. Als Zukunft des deutschen Fußballs. Vorerst.