Harter Konkurrenzkampf
Das Schambein zwickt immer wieder: Wie und in welcher Rolle kann Leroy Sané der DFB-Elf helfen?

05.06.2024 | Stand 10.06.2024, 14:56 Uhr |

Leroy Sané. − Foto: Imago Images

Leroy Sane kehrt zurück. Um seinen Platz im EM-Team muss der Münchner kämpfen.

Leroy Sane hatte gute Gründe, den Ausführungen von Weltmeister-Coach Gordon Herbert besonders aufmerksam zu lauschen. Die Wurftechnik des Bayern-Stars, hatte Kumpel Jamal Musiala vor dem Besuch des Basketball-Trainers im deutschen EM-Quartier schmunzelnd und „ganz leise“ verraten, sei nicht die Beste. Auf dem Rasen macht Sane dagegen niemand was vor - dennoch muss er seine Rolle in der Nationalmannschaft erst wieder finden.

Nach Ablauf seiner Sperre ist Sane bei Bundestrainer Julian Nagelsmann fest eingeplant für die EURO-Generalprobe am Freitag (20.45 Uhr/RTL) gegen Griechenland in Mönchengladbach. „Leroy“, sagte Nagelsmann, „hat eine Qualität, auf die wir nicht verzichten wollen, nicht verzichten können.“ Das heißt allerdings nicht, dass Sane bei der Heim-EM einen Stammplatz haben wird.

Als Nagelsmann im März nach dem Vorbild von Herberts Basketball-Champions jedem seiner Spieler eine klare Rolle zuwies, stand Sane wegen seiner Roten Karte gegen Österreich aus dem November nicht zur Verfügung. Sane, betonte Nagelsmann damals, habe zwar weiter die „Chance, in eine schon gut funktionierende Gruppe reinzukommen“. Aber: „Es geht auch für ihn darum, sich einzugliedern.“

Gündogan, Musiala und Wirtz vor ihm



Im Klartext: Der 59-malige Nationalspieler (13 Tore) reiht sich hinter den Mitgliedern des „magischen“ Offensivdreiecks mit Kapitän Ilkay Gündogan sowie den Zauberfüßen Musiala und Florian Wirtz ein. Nagelsmann ist bemüht, dem Konkurrenzkampf die Schärfe zu nehmen. Auch Sane habe „die Chance, in die erste Elf zu rutschen“, sagte der Bundestrainer, er werde „schon eine sehr gute“ Rolle finden für den Münchner.

Doch der kommt aus einer überaus komplizierten Saison. Zwischen Ende Oktober und Ende April blieb der 28-Jährige ein halbes Jahr ohne Tor, immer wieder litt er wegen hartnäckiger Schambein-Probleme unter Schmerzen.

„Das Schlimme daran ist: Man weiß nicht wirklich, woran man ist“, sagte Sane in Herzogenaurach, „die Schmerzen kommen und gehen.“ Positiv betrachtet, meinte Sane und lachte, habe er die Blessur über die vergangenen Monate immer besser zu verstehen gelernt. „Ich weiß, was mir gut tut, oder wo die Gefahren sind.“ Aktuell habe er die Sache „gut im Griff“, aber was heißt das schon? „Er wird nicht jedes Spiel 90 Minuten machen können“, weiß Nagelsmann, „das ist nahezu ausgeschlossen.“

Sané und die DFB-Elf: Eine komplizierte Beziehung



Sane und die DFB-Elf, das ist ohnehin eine komplizierte Beziehung. Erst recht bei Turnieren. 2016 reicht es bei der EM nur zu einem Kurzeinsatz im Halbfinale, 2018 wird er von Joachim Löw kurz vor der WM ausgebootet. Bei der EURO 2021 steht er ebenso nur im Gruppenfinale gegen Ungarn in der Startelf wie 2022 bei der WM in Katar gegen Costa Rica. Seine Gesamtbilanz: Sieben Einsätze über insgesamt 233 Minuten, eine Vorlage.

Kann ihm Nagelsmann helfen, endlich eine prägende Rolle einzunehmen? „Unser Verhältnis ist sehr locker“, sagte Sane, „wir wissen ganz genau, wie wir miteinander umgehen können.“

So ist es auch mit Kumpel Musiala. „Seine Qualitäten brauchen wir auf dem Feld“, sagte der Youngster, „auch mit 50 oder 20 Prozent wird er uns viel helfen.“ Wenn auch nicht unbedingt auf dem Basketball-Court.

− sid