Seit August 2023 am DFI Bad Aibling
„Opfer bringen“ für den Profi-Traum: Fußball-Talent Marlon Koppetsch auf dem Weg nach oben

25.01.2024 | Stand 25.01.2024, 5:00 Uhr

Er will Fußball-Profi werden: Marlon Koppetsch aus Pfarrkirchen ist seit August 2023 am DFI Bad Aibling, um sich weiterzuentwickeln und den Durchbruch zu schaffen. − Foto: red

Eine Trennung in jungen Jahren bedeutet immer eine herausfordernde Zeit und kann Kinder und Jugendliche in ein emotionales Chaos stürzen – weg von der Mutter und vom Vater, weg von Freunden und Bekannten, raus aus der Schule, raus aus dem Verein, Abschied nehmen von der gewohnten Umgebung. Marlon Koppetsch (15) aus Pfarrkirchen war bereit dafür und sich bewusst, Opfer bringen zu müssen. Er wollte diesen Schritt aber unbedingt machen, um den Traum Fußball-Profi weiter leben zu können.

Der Pfarrkirchner wechselte im Sommer 2023 vom Nachwuchsleistungszentrum des SV Wacker Burghausen ans Deutsche Fußball-Internat (DFI) in Bad Aibling. Sein neues „Reich“: ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer – ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch. Nicht viel, aber es reicht. Und er fühlt sich wohl hier.

Stipendium für Hochtalentierte

„Es läuft sehr gut“, freut sich Marlon Koppetsch, „ich habe es auf alle Fälle richtig gemacht“. Wobei die Eltern – Papa Gunter und Mama Carmen – eine Stange Geld in die Hand haben nehmen müssen, um die Karriere des Filius zu fördern. 34000 Euro jährlich kostet das „Rundum-Sorglos-Paket“. Im Einzelfall werden Stipendien an Hochtalentierte vergeben, die Entscheidung darüber fällt nach einem Kennenlernen, basierend auf den fußballerischen Fähigkeiten und einer Bewertung beziehungsweise einer Einschätzung durch den Schulleiter und die Lehrkräfte. Marlon Koppetsch zählt dazu. Er war beim Fußball-Camp vor Ort, den Scouts aufgefallen – nach mehreren Gesprächen und einem Probewohnen war schließlich alles klar.

Dynamisch, zielstrebig, Zug zum Tor

Ob sich dieses „Investment“ lohnt, das weiß keiner, aber sein Trainer Patrick Sulewski zeigt sich angetan vom 15-Jährigen: „Er hat sich während seiner Ausbildungszeit sehr gut entwickelt. Sein herausragender Zug zum Tor beweist nicht nur technisches Geschick, sondern auch eine beeindruckende Zielstrebigkeit. Immer wieder sucht er das direkte Duell im Eins-gegen-Eins, was seinem Spiel eine besondere Dynamik verleiht.“ Dass es in gewissen Bereichen Steigerungsraten gibt, ist völlig normal. So im Umgang mit Drucksituationen und „eine etwas häufigere Wahl des präzisen Zuspiels könnte eine Nuance sein, die sein Talent verfeinern würde“, hat ihm sein Coach mitgeteilt.

Schule und Sport perfekt verknüpft

Individuelle, ganzheitliche Förderung und Entwicklung der Spieler, 24/7-Betreuung durch erfahrenes und geschultes Personal, optimale Verknüpfung von Leistungssport und Schule, Mensa/Bistro, hauseigene Küche, Wäsche & und Reinigungsservice – dieses Konzept bietet das DFI Bad Aibling an, das 2012 gegründet worden ist. Marlon Koppetsch kann dieses Angebot nutzen.

Der „Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus“ (DBBC) bietet insgesamt vier verschiedene Schularten (Mittelschule, Realschule, Fachoberschule, Cambridge International School) und Sprach-Akademie) und fünf staatlich anerkannte Abschlüsse an: Erfolgreicher und qualifizierender Mittelschulabschluss, Fachabitur, internationales Abitur. Und die Mittlere Reife, die der 15-Jährige im Sommer erhalten wird.

„Die Schulausbildung hat für uns einen besonders hohen Stellenwert. Die Kinder und Jugendlichen sollen einen guten Abschluss erzielen und so ein zweites Standbein erhalten, um sofort einen Beruf ergreifen zu können oder erst nach einem Studium einen passsenden Job zu erhalten, wenn mit dem Profi-Fußball nicht klappen sollte“, informiert Pascal Schenker vom DFI Bad Aibling. Denn klar ist, dass nur ganz Wenige oben im Profi-Geschäft ankommen. Die Konkurrenz national wie international ist riesengroß.

Los geht es am Morgen mit Individualtraining

„Das schaffst du nicht“ oder „Dafür bist du nicht gut genug“ – solche Selbstzweifel hat Marlon Koppetsch nicht. Nur wenn es auf dem Platz über einen längeren Zeitraum nicht läuft, wird auch er etwas unsicher und kommt ins Grübeln, schiebt diese negativen Gedanken aber schnell beiseite. Er möchte es gleich im nächsten Spiel oder in der nächsten Einheit besser machen. Er kommt auf acht in der Woche – vier am Morgen beim Individualtraining in kleinen Gruppen, vier am Abend Mannschaftstraining, um Abläufe einzustudieren. Viele Gelegenheiten, um Defizite wettzumachen und Fortschritte zu erzielen.

Sein großer Ehrgeiz hat Marlon Koppetsch schon immer ausgezeichnet. In der Leichtathletik sammelte der kleine Junge Pokale und Urkunden bei der TuS Pfarrkirchen oder beim TV Eggenfelden ein, ehe er erst sehr spät – als Elfjähriger – mit dem Fußball begonnen und so seine große Leidenschaft gefunden hat. Bereits in seinem ersten Spiel mit dem SSV Eggenfelden „zündete“ er sofort und zeigte, was er drauf hat – nämlich das Toreschießen.

Karim Adeyemi war auch schon am DFI

Jetzt hofft der talentierte Kicker, dass es weiter so voran geht wie bisher und sich irgendwann die Chance bei einem „großen Verein“ eröffnet. Aber Marlon Koppetsch weiß: Er kann nichts erzwingen, muss sich in Geduld üben, alles dauert seine Zeit.

Auch Karim Adeyemi ist nicht über Nacht zum Star geworden. Er hat im Zuge der Kooperation wischen dem DFI Bad Aibling und dem Drittligisten Spvgg Unterhaching für ein halbes Jahr 2014/15 den „DBBC“ (früher Deutsche Privat-Schule) besucht und hier trainiert. Heute spielt der 22-Jährige Münchner bei Borussia Dortmund und hat vier Einsätze in der Nationalmannschaft. Seine Stärken: Besondere Dynamik, beeindruckende Zielstrebigkeit, herausragender Zug zum Tor...