Simon Leebmann verletzt
Schiri-Comeback in Jeans: Günter Kinateder und sein kurioser Kreisliga-Kurzeinsatz

09.11.2022 | Stand 10.11.2022, 11:37 Uhr |

Schiri im Freizeit-Look: Damit keine Zeit vergeht, verzichtete Günter Kinateder aufs Umziehen und pfiff kurzerhand in Jeans. −Fotos: Sven Kaiser

Von Andreas Lakota

Er kam zum Zuschauen, wollte einen schönen Fußballnachmittag genießen – am Ende war er plötzlich mittendrin statt nur dabei.

Günter Kinateder (52) erlebte am Wochenende den wohl kuriosesten Schiedsrichter-Einsatz seiner bisherigen Laufbahn. Beim Kreisliga-Kick zwischen Eberhardsberg und Freyung (2:0) musste der Mann aus Sonnen, eigentlich seit 2016 in der Schiri-Rente, notgedrungen einspringen – und leitete das Spiel kurzerhand in Jeans und Turnschuhen.

Was war passiert? Es läuft die 57. Spielminute, als Schiedsrichter Simon Leebmann (Bad Griesbach) zu Boden geht. Ohne Fremdeinwirkung. Der Obmann der Gruppe Passau tritt in ein Loch, verdreht sich den Knöchel. Spieler und Betreuer der Vereine eilen herbei, bringen Eis zum Kühlen. Doch schnell wird klar: Leebmann kann nicht weitermachen. „Der Platz war tief. Bei einem Schritt bin ich plötzlich weggeknickt“, erzählt der Referee am nächsten Tag im Gespräch mit der Heimatzeitung. „Ich konnte nicht mehr richtig gehen, von daher hätte ich das Spiel nur mehr aus dem Mittelkreis heraus pfeifen können.“

Das muss Leebmann aber nicht. Auf der Tribüne sitzt schließlich ein ganz erfahrener Unparteiischer. „Wir haben Günter schon vor dem Spiel gesehen und begrüßt, wussten also, dass er da ist. Wir haben ihn dann gefragt, ob er einspringen würde und er hat gleich zugesagt“, schildert Leebmann. Freilich hätte auch einer seiner beiden jungen Assistenten die Spielleitung übernehmen können, „aber wenn du schon so einen erfahrenen Mann draußen hast, dann macht das natürlich Sinn“.

Kinateder , ehemalige Landesliga-Schiedsrichter und Ex-Obmann der Gruppe Wolfstein, lässt auch gar keine Zeit verstreichen. Damit die Spieler nicht unnötig warten müssen, verzichtet er drauf, sich umzuziehen und aufzuwärmen. Er streif sich nur schnell das orangene Schiri-Leiberl von Kollege Leebmann über und pfeift das Spiel dann wieder an – in Jeans und Turnschuhen.

„Die ersten Minuten war ich schon ein bisschen nervös“, berichtet Kinateder. „Mein letztes Spiel habe ich 2016 gepfiffen. Da fragst du dich dann schon kurz, ob du überhaupt noch weißt, was jetzt Foul ist.“ Doch Kinateder findet sich schnell zurecht, leitet das Spiel mit großer Routine und ohne Probleme. Drei Mal muss er Gelb zücken, einen Freyunger schickt er zudem für zehn Minuten zum Abkühlen auf die Bank – aber insgesamt gibt es keine Aufreger. Der verletzte Leebmann bescheinigt seinem Ersatzmann eine Top-Leistung. „Aber das war bei seiner Erfahrung ja auch nicht anders zu erwarten.“

Wie lange Simon Leebmann pausieren muss, ist offen. Am liebsten würde der Schiri-Chef der Gruppe Passau schon am kommenden Wochenenden wieder auflaufen, wenn es das Sprunggelenk zulässt. Für Günter Kinateder dagegen bleibt die Rückkehr auf den Platz eine Ausnahme. Er leidet unter Knieproblemen, muss aus diesem Grund 2016 auch die Pfeife an den Nagel hängen. Seither ist er nur mehr als Zuschauer bei den Spielen. So wie am Sonntag in Eberhardsberg, als er sich mit einem Schiri-Freund trifft. „Aber auch der ist verletzt“, erzählt Kinateder lachend. „Ich war praktisch der einzig einsatzfähige Neutrale am Platz.“ Und plötzlich mittendrin statt nur dabei ...