Unterschiedliche Meinungen

„Quatsch-Turnier“ oder „riesiger Spaß“? Diskussionen um Funino – das sagen unsere Leser

17.10.2022 | Stand 18.10.2022, 13:19 Uhr

Das Fußballspiel auf Minitore soll bei den jüngsten Nachwuchskickern künftig Standard werden. −Foto: Escher

Geht es nach den Verantwortlichen im Bayerischen Fußball-Verband (BFV), ist die Sache klar: „Die Kinder sind mit großer Begeisterung dabei – mehr Dribblings, mehr Tore, mehr Spielspaß. Das kommt an“, stellt Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann immer wieder heraus, wenn er über Funino spricht.

Funino ist eine Spiel- und Trainingsform, bei der zwei Dreier-Teams auf vier Minitore kicken. Sie soll die Spielintelligenz fördern und alle Spiel und alle Spieler gleichermaßen fordern.

Ab der Saison 2024/25 soll sich der Kinderfußball in ganz Deutschland radikal verändern. In G- und F-Jugend wird die Spielform drastisch verkleinert, gekickt wird dann nicht mehr im bisher bekannten 7 gegen 7, sondern eben im 3 gegen 3 und 4 gegen 4. „Während die Jüngsten im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei auf vier Minitore spielen, gibt es bereits bei der F-Jugend die Möglichkeit, vom Drei-gegen-Drei oder Vier-gegen-Vier auf ein Fünf-gegen-Fünf auf zwei Kleinfeldtore zu wechseln“, erklärt Verbandsjugendleiter Florian Weißmann. „Optional auch mit Torwart. Gut wäre es, wenn bei der F-Jugend die Kleinfeldtore höhenreduziert sind auf 160 cm oder 165 cm, wie es der Handball schon seit Jahren praktiziert. Bei der E-Jugend geht man dann zum 7 gegen 7 über und spielt auf die normale Torgröße, wie man sie bisher kennt.“

Doch längst nicht überall stößt die Neuerung auf Gegenliebe. Viel befürchten einen extremen Aufwand bei der Organisation des Spielbetriebs oder lehnen die neue Spielform grundsätzlich ab. Nachdem die ersten Turniere in der Region stattgefunden haben, gab es ebenfalls ganz unterschiedliche Reaktionen. „Nehmt den Kindern bitte nicht den Fußball, so wie wir ihn alle kennen und lieben!“, schrieb etwa Christian Obermüller, F1-Trainer bei der Holzfreyunger DJK und erhielt daraufhin viel Zuspruch. Aber es gibt auch ganz andere Stimmen. Die Heimatzeitung hat Meinungen Ihrer Leser gesammelt.


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Quatsch-Turnier: „Letztes Wochenende waren wir beim Funino. Der ausrichtende Verein in Künzing hatte alles perfekt vorbereitet. Die Spieler/Kinder der einzelnen Mannschaften waren gut gefordert, konnten aber dem ganzen Durcheinander nicht immer folgen. Ein normales Spiel ist sicherlich besser. Über die Medaille hat sich sicherlich jedes Kind gefreut. Großes Lob dem ausrichtenden Verein für den riesigen Aufwand. Nicht alles, was bisher gut war, muss für so ein Quatsch-Turnier geändert werden.“ Annemarie Pelinka, Aldersbach

Diktatorisch: „Ich kann mich der Stellungnahme der DJK Holzfreyung nur anschließen. In der Ausgabe vom Samstag, 24.9., im Heimatsport wurde dieser neue Kinderfußball als kindgerecht und als sogenannte neue Erfindung angepriesen. Es wurden auch gleich die vier Irrtümer dieser Spielform mitbeschrieben. Diesen Irrtümern zufolge soll es eine größere Anzahl von verschiedenen Spielformen geben, was die Vereine und die kleinen Kicker noch zusätzlich total verwirrt. Möchte ein Verein ein solches Turnier ausrichten, so bringt das auch finanzielle Probleme mit sich, den es müssten eine größere Anzahl kleiner Tore angeschafft werden, um den Anforderungen des BFV gerecht zu werden. Dies aber interessiert doch diese Modernisierungsfunktionäre nicht! Es gibt doch überhaupt keinen Bedarf und keinen Grund, den altbewährten und total beliebten Kleinfeldfußball zu ändern! Wie aus den Berichten des Heimatsports hervorging, sollen angeblich um die 8000 Kinder bei 130 Veranstaltungen teilgenommen haben. Aber nicht nur unter den Teilnehmern in Holzfreyung, sind sich viele Trainer und Betreuer einig, das diese Form des Kinderfußballs keinerlei Zukunft haben wird. Die Kinder wollen auf normale Tore spielen, den Spaß am richtigen Fußball haben und dabei Tore erzielen! Diese Form von Fußball kann für das Training der Kleinen eine Möglichkeit sein, aber nicht für einen geordneten, herkömmlichen Spielbetrieb. Von den genannten 8000 Kindern sind höchstwahrscheinlich keine Handvoll über diesen neuen Zirkus nach ihrer Meinung befragt worden. Es kann doch in keinster Weise kindgerecht sein, wenn den Kindern der Spaß am normalen Fußball genommen wird. Der Gipfel war dann bei der Bekanntgabe der Turniere, das man Vereinen und Kindern bei Nichtteilnahme gleich mit dem Sportgericht gedroht hat. Hier wird wohl der gleiche unnütze Weg gegangen wie vor Jahren bei Umstellung vom normalen Hallenfußball zum total ungeliebten Futsal. Dies wurde auch nur von einem Spitzen-Funktionär angepriesen und diktatorisch durchgesetzt. Ich kann nicht verstehen, dass sich hier, wie aus den Berichten hervorgeht, der neue Präsident Dr. Kern für diesen Versuch vor den Karren spannen lässt und Verbandsjugendleiter Florian Weißmann nicht einbremst. Um diesem ganzen Zirkus aus dem Weg zugehen, wäre es direkt ratsam, die gesamten Teams der F- und E- Junioren in nächster Zukunft aus dem Verbandsspielbetrieb zu nehmen und in einen Freizeitfußball ohne BFV umzuwandeln.“ Hans Asen, Aldersbach

Unbedingt beibehalten: „Es ist wie immer: Alles Neue wird erst einmal mit Argwohn betrachtet. Aus meiner Sicht bringt das Format im Kinder- und Jugendbereich zahlreiche Vorteile mit sich, zuvorderst den Spaß und das Eingebundensein. Denn meist dominiert der Wettkampfcharakter und dann kommen i.d.R. immer nur die Spieler gehäuft zum Einsatz, die einer Mannschaft auch in einem regulären Spiel zum Sieg verhelfen. Diejenigen, die weniger Können aufweisen, werden dann die letzten Spielminuten eingesetzt und bekommen dann auch kaum einen Ball von den Talentierteren. Funino hingegen erlaubt den Einsatz aller Spielerinnen, jeder wird gefordert, da mehr Teams mit weniger Spielern im Einsatz sind und häufig gewechselt wird. Technik, Spielintelligenz, Erfolgsmomente (mehr Tore), Zusammenspiel, Kurzweiligkeit, keine langen Spielpausen addieren sich. Und zur Ausstattung: Wir waren bisher bei zwei Funino-Turnieren und es spricht nichts dagegen, dass die beteiligten (Gäste-)Mannschaften auch jeweils Tore mitbringen oder mit zwei Stangen improvisiert wird. Aus meiner Sicht ein tolles Format, das parallel zum normalen Spielbetrieb unbedingt beibehalten werden sollte.“ Dr. Sascha Buchinger, Zwiesel.

Ein Rückschritt: „Ich bin ganz klar gegen die Spieleinführung von Funino. Mein Sohn (8) spielt in der F-Jugend, er steht mittlerweile fast vier Jahre im Tor und ist ein sehr talentierter Tormann. Dieses Funino ist ganz klar ein Rückschritt für meinen Sohn. Als Trainingsform finde ich es ja ganz ok, aber niemals als Spielform.“ Benjamin Bauer, Holzfreyung.

Nicht überzeugend: „Ich bin der Meinung, für G-Jugend-Mannschaften oder in allen Jugend-Bereichen zum Training ist Funino eine gute Sache. Aber aus verschieden Gründen bin ich dagegen, diese Spielform ohne die Vereine zu fragen ab der Saison 24/25 einfach einzuführen und es ist auch ein Grund, meine Tätigkeit im Verein aufzugeben. Dieser Sport verändert sich immer mehr ins Negative. Vom BFV wird keine richtige Planung und Vorbereitung angeboten. Die Vereine müssen sich nahezu alles selber ausmachen. Tore und Hütchen sollen die Vereine selber mitbringen, weil natürlich keiner 28 Minitore oder mehr hat. Wie sollen die Tore transportiert werden? Vereine mit mehreren Kindern müssen, damit alle spielen können, oft vier bis fünf Mannschaften bilden. Wer hat so viele Betreuer? Da ist schon das Argument gefallen, die Kinder regeln es schon selber oder es kann auch eine Mutter übernehmen. Ich habe mal im Sommer kurz bei einem Festival zugeschaut. Dort waren eine Pilsinsel und mindestens 50 Biertischgarnituren aufgebaut, es waren über 200 Eltern zu bewirten. Welcher Verein kann diese Aufgabe mehrmals im Jahr stemmen? Bei einer BFV Tagung wurde über eine Stunde diskutiert, aber richtig überzeugend waren die BFV-Argumente nicht. Dann war ja das große Minifußball-Wochenende. Im einer Nachbesprechung mit meinen F-Jugend-Trainern fühlte ich mich in meinen Befürchtungen bestätigt. Spieler laufen kreuz und quer über alle Plätze, weil sich die Kinder natürlich nicht selber organisieren können. Bälle rollen in andere Spielfelder und verwirren alle noch mehr. Kinder sind traurig, weil sie nach einem Torerfolg „zur Strafe“ ausgewechselt werden. Es spielen nach wie vor nur die besseren. Sie spielen alleine und spielen nicht ab zu ihren schwächeren Mitspielern. Und das soll die Fußball-Zukunft in Deutschland fördern! Ich bin nicht davon überzeugt und bitte den DFB bzw. den BFV, davon wieder abzukommen. Aber da habe ich wenig Hoffnung. Der Fußball soll Kindern und Zuschauern Spaß machen.“ Florian Anetsberger, SV Neukirchen v.W., Jugendleiter.

Ständig Änderungen: „Lasst die Kinder weiter Fußballspielen, wie wir es in der Vergangenheit gemacht haben. Ich verstehe nicht, warum man immer alles neu machen muss und ständig Änderungen herbeiführen muss. Der Verband möchte wieder mehr Straßenfußballer, die er aber dadurch mit Sicherheit nicht gewinnt. Funino stellt eine gute Möglichkeit dar, dies im Training mit einzubauen und so verschiedene Grundlagen zu trainieren. Aber lasst doch die Kinder auf ein großes Tor mit Tormann schießen, das macht es doch aus. Nebenbei ist der Aufwand, wenn man nur mehr Funino im Spielbetrieb einführt, wahnsinnig groß. Die ehrenamtlichen Helfer werden ohnehin immer weniger und dies würde das Ganze nochmals erheblich erschweren. Meiner Meinung nach tut man sich hier mit Sicherheit keinen Gefallen und läuft Gefahr, dass leider noch weniger Kinder zum Fußball bewegt werden können, als dies ohnehin schon der Fall ist!“ Michael Denk, DJK Schönbrunn/L., Jugendleiter.

Riesiger Spaß: „Funino bzw., Minifußball ist kein richtiger Fußball?! 7 gegen 7 auf zwei Kleinfeldtore, bei dem der Torwart ca. halb so groß ist wie das Tor hoch. Alle Spieler laufen dem Ball hinterher. Ein oder zwei Spieler, die physisch oder auch technisch schon weiter sind als die anderen, spielen und schießen die Tore. Während die anderen nach einer Weile rumstehen und den „guten“ Spielern zusehen. Das ist also richtiger Fußball? Ich war mit meiner Mannschaft in Aicha v. Wald. Es war mein erstes Funino-Turnier. Ich muss sagen, das Turnier war hervorragend organisiert. Die Kinder hatten riesigen Spaß. Mein Verdacht ist ja, dass nicht die Kinder ein Problem mit dieser Spielform haben, sondern die Erwachsenen.“ Ralf Aulinger, SV Schöllnach, Jugendleiter.